HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

BAG, Ur­teil vom 15.11.2016, 3 AZR 539/15

   
Schlagworte: Betriebliche Altersversorgung, Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB)
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 3 AZR 539/15
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 15.11.2016
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht München, Urteil vom 02.03.2015, 8 Ca 9843/14
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 06.08.2015, 3 Sa 254/15
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

3 AZR 539/15
3 Sa 254/14
Lan­des­ar­beits­ge­richt
München

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
15. No­vem­ber 2016

UR­TEIL

Kauf­hold, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 15. No­vem­ber 2016 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Zwan­zi­ger, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ah­rendt und Wem­heu­er so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Wi­sch­nath und Hor­mel für Recht er­kannt:

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Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 6. Au­gust 2015 - 3 Sa 254/15 - wird zurück­ge­wie­sen.

Der Kläger hat die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob dem Kläger ein An­spruch auf Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags zu­steht.

Der Kläger ist seit dem 1. Ok­to­ber 2000 bei der Be­klag­ten beschäftigt.

Die Be­klag­te, de­ren Träger der Frei­staat Bay­ern und der Spar­kas­sen­ver­band Bay­ern sind, ist ei­ne rechtsfähi­ge An­stalt des öffent­li­chen Rechts.

Die Be­klag­te hat­te ih­ren Ar­beit­neh­mern, die min­des­tens zehn Jah­re bei ihr, ih­ren Rechts­vorgänge­rin­nen, ei­ner ih­rer Toch­ter­ge­sell­schaf­ten oder dem Baye­ri­schen Spar­kas­sen- und Gi­ro­ver­band tätig wa­ren, nach Voll­endung des 17. Le­bens­jahrs ei­ne Ver­sor­gung über ei­ne Un­terstützungs­kas­se - die Ver­sor­gungs­kas­se der Baye­ri­schen Ge­mein­de­bank (im Fol­gen­den Ver­sor­gungs­kas­se) - zu­ge­sagt. Die Richt­li­ni­en der Ver­sor­gung­kas­se sa­hen Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach den je­weils für baye­ri­sche Staats­be­am­te gel­ten­den Vor­schrif­ten vor. Mit na­he­zu al­len Ar­beit­neh­mern, die 20 Jah­re im Bank­ge­wer­be, da­von min­des­tens zehn Jah­re bei der Be­klag­ten oder ih­ren Rechts­vorgänge­rin­nen tätig wa­ren, ver­ein­bar­te die Be­klag­te ab dem Jahr 1972 Ver­sor­gungs­verträge, so­fern der je­wei­li­ge Mit­ar­bei­ter gu­te Be­ur­tei­lun­gen er­hal­ten hat­te und sein Ge­sund­heits­zu­stand ei­ne vor­zei­ti­ge Zur­ru­he­set­zung nicht er­war­ten ließ. Der Ver­sor­gungs­ver­trag ver­pflich­tet die Be­klag­te, den Ar­beit­neh­mern bei Ein­tritt ei­nes Ver­sor­gungs­falls Leis­tun­gen nach be­am­ten­recht­li­chen Grundsätzen zu gewähren. Zu­dem re­gelt der Ver­trag Ansprüche auf Bei­hil­fe und Fort­zah­lung der Bezüge im Krank­heits­fall so­wie ei­nen be­son­de­ren Kündi­gungs­schutz. Ar­beit­neh-

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mer, die ei­nen Ver­sor­gungs­ver­trag ge­schlos­sen ha­ben, er­hal­ten nach den Richt­li­ni­en der Ver­sor­gungs­kas­se von die­ser kei­ne Leis­tun­gen mehr.

In ei­ner al­len Mit­ar­bei­tern zugäng­li­chen Broschüre - auch be­zeich­net als Mit­ar­bei­ter­hand­buch - heißt es in der Fas­sung von Ok­to­ber 1988 un­ter der Über­schrift „Al­ters­ver­sor­gung“ zum Ver­sor­gungs­ver­trag ua.:

„Al­ter­na­ti­ve 2 (Ver­sor­gung durch die Bank)

Mit­ar­bei­ter, ... die auf ei­ne Dienst­zeit von 20 Jah­ren im Kre­dit­ge­wer­be, da­von min­des­tens 10 Jah­re bei der Baye­ri­schen Lan­des­bank oder ei­ner ih­rer Rechts­vorgänge­rin­nen, zurück­bli­cken können, er­hal­ten - bei ent­spre­chend gu­ter Be­ur­tei­lung durch ih­re Vor­ge­setz­ten - ei­nen Ver­sor­gungs­ver­trag. Vor­aus­set­zung für die Ver­lei­hung des Ver­sor­gungs­rechts ist fer­ner, daß die ge­sund­heit­li­che Ver­fas­sung ei­ne vor­zei­ti­ge Pen­sio­nie­rung nicht er­war­ten läßt. Der Ver­sor­gungs­ver­trag räumt Mit­ar­bei­tern und ih­ren Hin­ter­blie­be­nen im Ver­sor­gungs­fall ei­nen Rechts­an­spruch auf Ru­he­ge­halt bzw. Wit­wen-, Wit­wer- und Wai­sen­geld ein. Für die­se Ver­sor­gungs­leis­tun­gen gel­ten die glei­chen Grundsätze, wie sie be­reits bei der Al­ter­na­ti­ve 1 be­schrie­ben wur­den.

Der Ver­sor­gungs­ver­trag bringt im übri­gen noch fol­gen­de wei­te­re Vor­tei­le:

- Mit der Ver­lei­hung der Ver­sor­gungs­rech­te ist grundsätz­lich ei­ne Be­frei­ung von der Ver­si­che­rungs­pflicht in der Ren­ten- und Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung (und da­mit ei­ne spürba­re Erhöhung des Net­to­ge­halts trotz der durch die gekürz­te Vor­sor­ge­pau­scha­le ge­ringfügig höhe­ren Steu­er­be­las­tung) ver­bun­den.

- Im Krank­heits­fall wird das Ge­halt bis zu 6 Mo­na­ten wei­ter­gewährt (nach Ab­lauf die­ser 6 Mo­na­te wer­den gekürz­te Bezüge aus­be­zahlt, die dem Ru­he­ge­halt ent­spre­chen, das Sie er­hiel­ten, wenn Sie zu die­sem Zeit­punkt in den Ru­he­stand tre­ten würden).

- Sie ha­ben die Möglich­keit - un­ge­ach­tet der Ein­kom­menshöhe -, zwi­schen der ge­setz­li­chen und der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung zu wählen. Da­bei kommt Ih­nen bei der Wahl des Ver­si­che­rungs­ta­rifs die vol­le Bei­hil­fe­be­rech­ti­gung im Krank­heits­fall (sie­he Ka­pi­tel ‚Bei­hil­fen‘) zu­gu­te. Sie müssen al­ler­dings den ge­sam­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trag selbst be­zah­len.

- Sie ha­ben außer­dem ei­nen er­wei­ter­ten Kündi­gungs­schutz. Ei­ne Kündi­gung sei­tens der Bank hat grundsätz­lich die Ver­set­zung in den (einst­wei­li­gen) Ru­he-

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stand zur Fol­ge. Nur bei grob schuld­haf­tem Ver­hal­ten kann die Bank den Ver­trag frist- und entschädi­gungs­los kündi­gen.“

Im Rah­men der Fi­nanz­markt­kri­se 2007/2008 ge­riet die Be­klag­te in er­heb­li­che wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten. Das Geschäfts­jahr 2008 en­de­te für die Be­klag­te mit ei­nem Ver­lust von über drei Mrd. Eu­ro. In die­sem Zu­sam­men­hang kam es bis in das Jahr 2009 hin­ein zur Zuführung neu­en Ei­gen­ka­pi­tals iHv. rund zehn Mrd. Eu­ro durch den Frei­staat Bay­ern und ei­ner staat­lich ga­ran­tier­ten Ab­schir­mung bis zu ei­nem Höchst­be­trag von rund 4,8 Mrd. Eu­ro. Die­se Bei­hil­fen wur­den von der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on am 18. De­zem­ber 2008 ge­neh­migt.

Am 21. Ju­li 2009 be­schloss der Ver­wal­tungs­rat der Be­klag­ten, zukünf­tig kei­ne Ver­sor­gungs­verträge mehr ab­zu­sch­ließen und die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung neu zu ge­stal­ten. In ei­ner In­tra­net-Veröffent­li­chung vom 22. Ju­li 2009 wur­den die Ar­beit­neh­mer un­ter der Über­schrift „Neu­ge­stal­tung Be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung/AT-Vergütungs­sys­tem“ hierüber un­ter­rich­tet. In der Veröffent­li­chung heißt es ua., die „Er­tei­lung von Di­rekt­zu­sa­gen auf be­am­tenähn­li­che Ver­sor­gung (Ver­sor­gungs­recht)“ wer­de endgültig ein­ge­stellt und „die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung für die be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter auf ein marktübli­ches, bei­trags­ori­en­tier­tes Sys­tem um­ge­stellt“. Der Ent­schei­dung der Be­klag­ten, zukünf­tig kei­ne Ver­sor­gungs­verträge mehr ab­zu­sch­ließen, lag ein an­walt­li­ches Gut­ach­ten vom 20. Mai 2009 zu­grun­de, das - ab­wei­chend von frühe­ren in­ter­nen Stel­lung­nah­men - die Auf­fas­sung ver­trat, ein An­spruch hier­auf be­ste­he nicht.

Im Rah­men ei­nes Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens schlos­sen die Be­klag­te und der bei ihr ge­bil­de­te Ge­samt­per­so­nal­rat am 19. No­vem­ber 2009 ei­ne zum 1. Ja­nu­ar 2010 in Kraft ge­tre­te­ne Dienst­ver­ein­ba­rung „Ver­ein­ba­rung zur Um­stel­lung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung“ (im Fol­gen­den DV 2009). Die­se war im In­tra­net der Be­klag­ten ab­ruf­bar. In der DV 2009 ist ua. Fol­gen­des ge­re­gelt:

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„Präam­bel

Die Bay­ern­LB ist der Auf­fas­sung, dass auf­grund der nach ih­rer Einschätzung schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen La­ge ei­ne Wei­terführung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung in der bis­he­ri­gen Form und dem bis­he­ri­gen fi­nan­zi­el­len Auf­wand nicht mehr trag­bar ist. Aus die­sem Grund ha­ben Vor­stand und Ver­wal­tungs­rat der Bay­ern­LB ent­schie­den, die Sys­te­me der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung grund­le­gend um­zu­stel­len.

Die­se Ent­schei­dung um­fasst auch, dass kei­ne in­di­vi­du­el­len Ver­sor­gungs­zu­sa­gen mehr er­teilt wer­den und in der Ver­gan­gen­heit er­teil­te Ver­sor­gungs­zu­sa­gen un­berührt blei­ben.

In Kon­se­quenz des­sen wer­den die Richt­li­ni­en der Ver­sor­gungs­kas­se von der Bay­ern­LB mit Ab­lauf des 31.12.2009 mit Wir­kung für die Zu­kunft wi­der­ru­fen.

Der Ge­samt­per­so­nal­rat trägt die­se Ent­schei­dung nicht mit. Vor dem Hin­ter­grund, dass nach Auf­fas­sung der Ei­ni­gungs­stel­le hin­sicht­lich die­ser Ent­schei­dung Mit­be­stim­mungs­rech­te des Per­so­nal­rats nicht be­ste­hen, wer­den in der vor­lie­gen­den Dienst­ver­ein­ba­rung aus­sch­ließlich die Grundsätze der Ver­tei­lung des für ein ablösen­des Sys­tem der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zur Verfügung ge­stell­ten Bud­gets ge­re­gelt.
...

II. Ver­sor­gungs­ord­nung 2010

Ab dem 01.01.2010 gilt in der Bay­ern­LB die ‚Ver­sor­gungs­ord­nung 2010‘ (‚VO2010‘) mit fol­gen­dem In­halt:

1. Träger der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung

Träger der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ist ab 01.01.2010 der BVV Ver­si­che­rungs­ver­ein des Bank­ge­wer­bes a. G. ...

2. Bei­trag

Mit Wir­kung ab 01.04.2010 wer­den fol­gen­de Beiträge ent­rich­tet:
...

III. An­wart­schaf­ten ge­genüber der Ver­sor­gungs­kas­se

Vor dem 01.01.2002 ein­ge­tre­te­ne Beschäftig­te können ih­re An­wart­schaft ge­genüber der Ver­sor­gungs­kas­se nach Maßga­be der fol­gen­den Re­ge­lun­gen in die VO2010 überführen. ...

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1. Die Bay­ern­LB er­rech­net für je­den be­trof­fe­nen Beschäftig­ten ei­ne Ein­mal­zah­lung nach fol­gen­dem Mo­dus
...

e) Be­rech­nung der vorläufi­gen Ein­mal­zah­lung

Zunächst wird das ver­sor­gungsfähi­ge Ge­halt, ein­sch­ließlich Ta­rif- und Kar­rie­re­trend bis zum 65. Le­bens­jahr, er­mit­telt. Die­ses dy­na­mi­sier­te Ge­halt wird mit dem Ver­sor­gungs­satz zum 65. Le­bens­jahr ... mul­ti­pli­ziert. Es er­folgt kei­ne An­rech­nung von So­zi­al­ver­si­che­rungs­ren­ten oder Ren­ten aus frühe­ren Beschäfti­gungs­verhält­nis­sen. Die­ser auf das 65. Le­bens­jahr be­rech­ne­te Be­trag wird nach dem m/n-tel-Verhält­nis ... gekürzt. Die fik­ti­ve Be­triebs­ren­te wird nach ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­schen Grundsätzen ana­log der Pen­si­onsrück­stel­lungs­be­rech­nung nach IFRS ... ka­pi­ta­li­siert. ...
...

h) Aus­gleich für Bei­tragslücke

Als pau­scha­lier­ten Aus­gleich für die zwi­schen der Sch­ließung des Alt­sys­tems zum 31.12.2009 und des Starts der neu ge­stal­te­ten Al­ters­ver­sor­gung am 01.04.2010 ent­ste­hen­de Zinslücke erhöhen sich die Ein­mal­zah­lun­gen nach Nr. 1 a) bis f) um 1,0 %. ...

2. Beschäftig­te, die der Überführung ih­rer Ver­sor­gungs­an­wart­schaft durch schrift­li­che Erklärung ge­genüber der Bank in­ner­halb der von der Bay­ern­LB ge­setz­ten Frist, die min­des­tens 4 Wo­chen be­tra­gen soll, zu­stim­men, er­hal­ten ei­ne frei­wil­li­ge Wech­sel­prämie in Höhe von 25 % der an­ge­bo­te­nen Ein­mal­zah­lung nach Nr. 1 a) bis f). Hierfür ste­hen 67,32 Mio. € zur Verfügung.

Die Beschäftig­ten können wählen, ob die­ser Be­trag steu­er­pflich­tig an sie aus­ge­zahlt oder ob er der Ein­mal­zah­lung nach Nr. 1 zu­ge­rech­net wer­den soll.

3. Die Ein­mal­zah­lung nach Nr. 1 wird, so­fern die be­trof­fe­nen Beschäftig­ten der Überführung der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft zu­stim­men, ei­nem ex­ter­nen Träger zum Auf­bau ei­ner in­di­vi­du­el­len Al­ters­ver­sor­gung in Form ei­ner rück­ge­deck­ten, in­sol­venz­ge­si­cher­ten Ka­pi­tal­zu­sa­ge zur Verfügung ge­stellt. ...

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4. Beschäftig­te, die ent­ge­gen Nr. 1 bis 3 der Überführung ih­rer Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten nicht in­ner­halb der von der Bay­ern­LB ge­setz­ten Frist, spätes­tens je­doch bis zum 31.12.2014, zu­stim­men, er­hal­ten ab dem Zeit­punkt der späte­ren Zu­stim­mung die Bei­trags­leis­tun­gen des Ar­beit­ge­bers zur VO2010 auf der Grund­la­ge von Nr. II 2 b). Darüber hin­aus wird die nach Nr. 1 er­rech­ne­te Ein­mal­zah­lung zum Zeit­punkt der späte­ren Zu­stim­mung dem ex­ter­nen Träger zur Verfügung ge­stellt. ... Ei­ne Wech­sel­prämie nach Nr. 2 wird nachträglich nicht mehr gewährt.“

Mit Mit­tei­lung vom 1. De­zem­ber 2009 wies die Be­klag­te ih­re Ar­beit­neh­mer dar­auf hin, dass zur „Neu­ge­stal­tung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung“ ei­ne neue In­tra­net­sei­te des Be­reichs Per­so­nal ein­ge­rich­tet wur­de, in der ab so­fort wich­ti­ge Do­ku­men­te - ua. die DV 2009 und ei­ne Zu­sam­men­stel­lung von Fra­gen und Ant­wor­ten zu die­sem The­ma - zu fin­den sei­en.

Im Lau­fe des Jah­res 2009 er­ho­ben zahl­rei­che Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten vor dem Ar­beits­ge­richt München Kla­ge. Sie mach­ten gel­tend, die Be­klag­te sei ver­pflich­tet, mit ih­nen ei­nen Ver­sor­gungs­ver­trag zu ver­ein­ba­ren. Mit­te Ja­nu­ar 2010 gab das Ar­beits­ge­richt München den Kla­gen zwei­er Mit­ar­bei­ter statt. Hier­auf wies der Per­so­nal­rat der Be­klag­ten mit ei­ner im In­tra­net der Be­klag­ten veröffent­lich­ten Mit­tei­lung vom 13. Ja­nu­ar 2010 hin. Am fol­gen­den Tag teil­te die Be­klag­te im In­tra­net mit:

„Im Zu­sam­men­hang mit der gest­ri­gen Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts München wur­de uns mehr­fach die Fra­ge ge­stellt, ob die Bank an dem be­reits kom­mu­ni­zier­ten Fahr­plan zur Einführung der neu­en be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung festhält. Da das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts München ei­ne ers­te, nicht rechts­kräfti­ge Aus­sa­ge ist und mit ei­ner ab­sch­ließen­den Ent­schei­dung sei­tens der Ar­beits­ge­rich­te in den nächst höhe­ren In­stan­zen vor­aus­sicht­lich erst in vier bis fünf Jah­ren ge­rech­net wer­den kann, gibt es kei­ne Ände­run­gen beim ge­plan­ten Vor­ge­hen zur Einführung der neu­en be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Die Bank er­war­tet, dass die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts München in den nächs­ten In­stan­zen auf­ge­ho­ben wird.

Dies be­deu­tet, dass die Bank bei der Ent­schei­dung bleibt, kei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­gen zu er­tei­len, und die im In­tra­net

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kom­mu­ni­zier­ten In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen wie an­gekündigt statt­fin­den. Im An­schluss dar­an wer­den Sie Ih­re in­di­vi­du­el­len An­ge­bo­te er­hal­ten.“

Die Be­klag­te lud ih­re Mit­ar­bei­ter zu ei­ner In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung über ihr neu­es Ver­sor­gungs­werk am 25. Ja­nu­ar 2010 ein. Für ver­hin­der­te Mit­ar­bei­ter gab es meh­re­re wei­te­re Ter­mi­ne. Mit Hil­fe ei­ner auf die­sen Ver­an­stal­tun­gen ver­wen­de­ten Präsen­ta­ti­on zum The­ma „Be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung in der Bay­ern­LB - Neu­ord­nung des Ver­sor­gungs­sys­tems“ in­for­mier­te die Be­klag­te die Ar­beit­neh­mer über ihr neu­es Ver­sor­gungs­werk. Auf Fo­lie 14 der Präsen­ta­ti­on heißt es aus­zugs­wei­se:

„Zu­sa­ge­for­men der Alt­sys­te­me in der Bay­ern­LB

• An­wart­schaft Ver­sor­gungs­kas­se:

- Leis­tungs­zu­sa­ge mit be­am­tenähn­li­cher Ge­samt­ver­sor­gung

- Un­terstützungs­kas­sen­zu­sa­ge (mit­tel­ba­re Zu­sa­ge)

• Ver­sor­gungs­recht:

- Leis­tungs­zu­sa­ge mit be­am­tenähn­li­cher Ge­samt­ver­sor­gung

- Di­rekt­zu­sa­ge (un­mit­tel­ba­re Zu­sa­ge)“

Die im In­tra­net der Be­klag­ten un­ter der Über­schrift „Be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung (bAV) 2010 Fra­gen und Ant­wor­ten“ veröffent­lich­te Zu­sam­men­stel­lung von „Fra­gen bis ein­sch­ließlich 05.02.2010“ und „frühe­re Fra­gen - Stand 14.12.2009 und da­vor“ hat aus­zugs­wei­se fol­gen­den In­halt:
„...

Ver­sor­gungs­recht (Di­rekt­zu­sa­ge) - Be­wer­tung der ‚sons­ti­gen Vor­tei­le‘

F: Wie wer­den die ‚sons­ti­gen Leis­tun­gen‘ aus der Di­rekt­zu­sa­ge (Unkünd­bar­keit, So­zi­al­ver­si­che­rungs­frei­heit = Net­to­vor­teil, Hin­ter­blie­be­nen-Ver­sor­gung, Bei­hil­fe etc.) ab­ge­fun­den?

A: Der Ablöse­be­trag verkörpert den Wert der An­wart­schaft aus der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung, die Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung ist dar­in ent­hal­ten. Die in der Fra­ge ge­nann­ten ‚sons­ti­gen Vor­tei­le‘ ste­hen nicht in un­mit­tel­ba­rem Zu­sam-

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men­hang mit dem Wert der bAV-Ver­sor­gungs­an­wart­schaft und sind da­her nicht in der Be­mes­sung der Ablöse­beträge ent­hal­ten.
...

Ver­sor­gungs­recht:

F: Aus den Veröffent­li­chun­gen zur be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung geht her­vor, dass die Sch­ließung des Alt­sys­tems per 31.12.2009 voll­zo­gen wird. Es stellt sich die Fra­ge, ob ich nicht doch noch ei­ne Di­rekt­zu­sa­ge im Alt­sys­tem er­hal­ten müss­te, nach­dem ich am xx.yy.2009 mei­ne Be­din­gun­gen erfüllt ha­be. Ich ver­ste­he nicht, war­um mir die Di­rekt­zu­sa­ge trotz­dem nicht gewährt wur­de? Das Alt­sys­tem schließt doch erst per 31.12.2009!

A: Die Zu­sa­gen des Ver­sor­gungs­rechts (ver­trag­li­che Di­rekt­zu­sa­ge) wur­den be­reits zu Be­ginn des Jah­res zunächst aus­ge­setzt und dann endgültig ein­ge­stellt. Aus die­sem Grun­de ha­ben Sie in 2009 auch kei­nen Ver­sor­gungs­ver­trag mehr be­kom­men. Die Fol­ge war, dass Sie im Ver­sor­gungs­sys­tem ‚Ver­sor­gungs­kas­se‘ ge­blie­ben sind und da­mit nicht mehr in das Sys­tem ‚Ver­sor­gungs­recht‘ wech­seln konn­ten. Nun wird das Sys­tem ‚Ver­sor­gungs­kas­se‘ ge­schlos­sen und durch die Ver­sor­gungs­ord­nung 2010 ab­gelöst. Das ist ein ei­genständi­ger Vor­gang, der der Ein­stel­lung von Di­rekt­zu­sa­gen folgt. Ihr Rück­schluss, dass Sie das Ver­sor­gungs­recht noch hätten er­hal­ten müssen, ist da­her falsch.

Ver­sor­gungs­recht:

F: Wie wird der kon­kre­te Ge­halts­ver­lust in der Pha­se vom ver­lie­he­nen Ver­sor­gungs­recht bis zum Dienst­zei­t­en­de mit 65. Le­bens­jahr ... in die Kal­ku­la­ti­on der Ein­mal­zah­lung (Anm. Ablöse­be­trag) ein­fließen?

A: Es ent­steht kein Ge­halts­ver­lust, an der Höhe Ih­res Ge­halts ändert sich nichts. Was Sie mei­nen, ist der Net­to­vor­teil, der sich nach der Zu­sa­ge des Ver­sor­gungs­rechts aus der So­zi­al­ver­si­che­rungs­be­frei­ung er­ge­ben hat. Die So­zi­al­ver­si­che­rungs­be­frei­ung ist in den So­zi­al­ge­setzbüchern ge­re­gelt und so­mit nicht von der Bay­ern­LB be­gründet. ... In­so­weit sind fi­nan­zi­el­le Dif­fe­ren­zen, die sich aus dem Weg­fall der So­zi­al­ver­si­che­rungs­be­frei­ung er­ge­ben, nicht berück­sich­tigt.

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Bei­hil­fe:

F: Als be­reits Pri­vat­ver­si­cher­ter wäre ich mit Ver­sor­gungs­recht bis zum Le­bens­en­de bei­hil­fe­be­rech­tigt. Oh­ne Ver­sor­gungs­recht er­hal­te ich le­dig­lich ei­nen Zu­schuss zur Kran­ken­kas­se in Höhe des ma­xi­mal mögli­chen Ar­beit­ge­ber­bei­trags zur ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung. Wie fließt die­ser Nach­teil in die Be­rech­nung der Ein­mal­zah­lung ein?

A: Sie konn­ten nie mit Si­cher­heit von ei­ner le­bens­lan­gen Bei­hil­fe­be­rech­ti­gung aus­ge­hen ...

Fa­zit: kei­ne Berück­sich­ti­gung bei der Be­rech­nung.“

Mit Schrei­ben vom 5. Fe­bru­ar 2010 teil­te die Be­klag­te dem Kläger und den an­de­ren be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern Fol­gen­des mit:

„Neu­struk­tu­rie­rung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung

An­ge­bot zur Überführung Ih­rer An­wart­schaft auf be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung
...

wie Ih­nen be­reits be­kannt ist, wur­den die bis­he­ri­gen Richt­li­ni­en der Ver­sor­gungs­kas­se Bay­ern­LB GmbH mit Wir­kung zum 31.12.2009 für die Zu­kunft wi­der­ru­fen. Da­mit sind die be­ste­hen­den Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten gemäß § 2 Abs. 1 Be­trAVG auf den zum 31.12.2009 er­reich­ten Stand ein­ge­fro­ren.

Die Bank will trotz der schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ih­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern die Möglich­keit bie­ten, in ei­nem ver­tret­ba­ren fi­nan­zi­el­len Rah­men auch in der Zu­kunft Leis­tun­gen aus be­trieb­li­cher Al­ters­ver­sor­gung zu er­hal­ten. Mit die­sem Schrei­ben bie­ten wir Ih­nen da­her an, Ih­re An­wart­schaft in die VO 2010 nach Maßga­be der Be­stim­mun­gen der Dienst­ver­ein­ba­rung zur Um­stel­lung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung vom 19.11.2009 ... zu überführen. Die Dienst­ver­ein­ba­rung so­wie wei­te­re In­for­ma­tio­nen können Sie im In­tra­net ab­ru­fen.

Wenn Sie sich bis spätes­tens zum 12.03.2010 (Ein­gang der Erklärung bei der Bay­ern­LB) für ei­ne Überführung Ih­rer An­wart­schaft ent­schei­den, gilt für Sie Fol­gen­des:

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1. Un­terstützungs­kas­se der Bay­ern­LB: Neu­er Ver­sor­gungs­plan für den Past Ser­vice

Ih­re bis zum 31.12.2009 er­wor­be­ne un­ver­fall­ba­re Ver­sor­gungs­an­wart­schaft wird nach Maßga­be der Zif­fer III. der Dienst­ver­ein­ba­rung in ei­ne Ein­mal­zah­lung (Ablöse­be­trag) um­ge­rech­net. Die­ser Ablöse­be­trag wird in ei­nen neu­en Ver­sor­gungs­plan für den Past Ser­vice ein­ge­bracht, des­sen Leis­tun­gen sich aus der Ver­wen­dung des je­weils maßgeb­li­chen Ta­rifs ei­ner Rück­de­ckungs­ver­si­che­rung er­ge­ben. Die Ver­sor­gungs­leis­tung für Sie wird von der Un­terstützungs­kas­se der Bay­ern­LB er­bracht.
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Die Bay­ern­LB gewährt Ih­nen bei Zu­stim­mung in­ner­halb der oben ge­nann­ten Frist zusätz­lich ein­ma­lig ei­ne Wech­sel­prämie: Die­se soll vor­ran­gig als Ver­sor­gungs­auf­wand in vol­ler Brut­tohöhe zur Leis­tungs­erhöhung in den neu­en Ver­sor­gungs­plan für den Past Ser­vice ein­ge­bracht wer­den. Sie können al­ler­dings aus­nahms­wei­se dafür op­tie­ren, sich die Wech­sel­prämie nach Vor­nah­me der ge­setz­li­chen Abzüge, aus­zah­len zu las­sen.

Mit die­sem Schrei­ben er­hal­ten Sie Ih­re in­di­vi­du­el­len Be­rech­nun­gen, ins­be­son­de­re zur Ein­mal­zah­lung, Wech­sel­prämie und den Leis­tun­gen des neu­en Ver­sor­gungs­plans für den Past Ser­vice.
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2. Un­terstützungs­kas­se des BVV (Fu­ture Ser­vice)

Für künf­ti­ge Dienst­zei­ten ab dem 01.01.2010 er­hal­ten Sie vom Ar­beit­ge­ber Beiträge an die rück­ge­deck­te Un­terstützungs­kas­se des BVV - (BVV Ver­sor­gungs­kas­se des Bank­ge­wer­bes e. V.):

• 5% des ver­sor­gungsfähi­gen Brut­to­mo­nats­grund­ge­halts bzw. Brut­to­jah­res­fest­ge­halts bis zur Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze (West) zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung (BBG RV) und zusätz­lich

• 10% des ver­sor­gungsfähi­gen Brut­to­jah­res­grund­ge­halts bzw. Brut­to­jah­res­fest­ge­halts über der BBG RV.

In der An­la­ge fin­den Sie auch hier­zu Ih­re in­di­vi­du­el­len Be­rech­nun­gen, die vom BVV zur Verfügung ge­stellt wur­den. Ba­sis für den Fu­ture Ser­vice ist eben­falls die Dienst­ver­ein­ba­rung vom 19.11.2009.

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3. Wenn Sie sich ge­gen ei­ne Überführung Ih­rer An­wart­schaft in die VO2010 ent­schei­den, be­ach­ten Sie bit­te Fol­gen­des:

• Es bleibt le­dig­lich Ih­re bis zum 31.12.2009 er­wor­be­ne un­ver­fall­ba­re An­wart­schaft (UVA) im Sin­ne des Be­trAVG be­ste­hen.

• Ein An­spruch auf die Wech­sel­prämie be­steht nicht.

• Es er­fol­gen für künf­ti­ge Dienst­zei­ten ab dem 01.01.2010 kei­ne bank­fi­nan­zier­ten Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung: D. h. kon­kret, dass für Sie kei­ne Beiträge an die Un­terstützungs­kas­se des BVV ent­rich­tet wer­den.

Ei­ne Zu­stim­mung ist nach Ab­lauf der re­gulären An­ge­bots­frist (12.03.2010) wei­ter­hin bis zum 31.12.2014 möglich. Bit­te be­ach­ten Sie aber die da­mit ver­bun­de­nen Nach­tei­le:

• Die Wech­sel­prämie wird nicht mehr gewährt.

• Past Ser­vice: Die Ein­brin­gung des Ablöse­be­tra­ges in den neu­en Ver­sor­gungs­plan und so­mit auch die Ver­zin­sung er­fol­gen erst zum ers­ten Tag des Quar­tals nach Ein­gang der Zu­stim­mungs­erklärung. Wenn die Zu­stim­mungs­erklärung we­ni­ger als 14 Ta­ge vor Quar­tals­en­de ein­geht, er­folgt die Um­set­zung zum ers­ten Tag des übernächs­ten Quar­tals.

• Fu­ture Ser­vice: Bank­fi­nan­zier­te Bei­trags­leis­tun­gen und die An­mel­dung bei der Un­terstützungs­kas­se des BVV er­fol­gen in dem Mo­nat, der dem Mo­nat des Ein­gangs der Zu­stim­mungs­erklärung folgt.

Bit­te be­ach­ten Sie, dass wir in je­dem Fall Ih­re Rück­mel­dung benöti­gen: Bit­te sen­den Sie das ent­spre­chen­de Rück­mel­de­for­mu­lar (An­la­ge 3a - grün oder 3b - rosé) bis zum 12.03.2010 vollständig aus­gefüllt und un­ter­schrie­ben an den Be­reich Per­so­nal ...

Wenn Sie Fra­gen ha­ben, schrei­ben Sie bit­te ei­ne E-Mail an den Post­korb. Bit­te ge­ben Sie Ih­re Per­so­nal­num­mer und ggf. Ih­re Te­le­fon­num­mer an. Wir wer­den uns mit Ih­nen in Ver­bin­dung set­zen.“

Dem Schrei­ben wa­ren meh­re­re An­la­gen bei­gefügt. Die­se ent­hal­ten ua. An­ga­ben zur Höhe des dem Kläger bei ei­ner Teil­nah­me an der VO 2010 im Al­ter 65 zu­ste­hen­den Ver­sor­gungs­ka­pi­tals und der ab dem Al­ter 65 vom BVV

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Ver­si­che­rungs­ver­ein des Bank­ge­wer­bes a. G. (im Fol­gen­den BVV) gewähr­ten Leis­tun­gen. Die An­la­ge 3a hat fol­gen­den In­halt:

„An­ge­bot zur Überführung Ih­rer be­trieb­li­chen

Al­ters­ver­sor­gung und zur Teil­nah­me an der VO 2010

(‚Zu­stim­mung‘)
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Emp­fangs­bestäti­gung

Ich bestäti­ge hier­mit, fol­gen­de Do­ku­men­te er­hal­ten und von de­ren In­halt Kennt­nis ge­nom­men zu ha­ben:

l An­schrei­ben ‚An­ge­bot zur Überführung Ih­rer be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung vom 05.02.2010‘

l In­di­vi­du­el­ler Be­rech­nungs­bo­gen zum neu­en Ver­sor­gungs­mo­dell

l In­for­ma­to­ri­scher Leis­tungs­aus­weis BVV

Ort, Da­tum Un­ter­schrift (Vor- und Nach­na­me)

Zu­stim­mung zur Überführung

Ich ha­be vom In­halt der mir zu­ge­gan­ge­nen schrift­li­chen In­for­ma­ti­on zur Überführung mei­ner bis­her er­wor­be­nen An­wart­schaft in die VO2010 Kennt­nis ge­nom­men und neh­me das An­ge­bot zur Überführung die­ser An­wart­schaft in ei­ne rück­ge­deck­te, in­sol­venz­ge­si­cher­te Ka­pi­tal­zu­sa­ge im Durchführungs­weg der Un­terstützungs­kas­se an. Die Wech­sel­prämie wird brut­to zur Erhöhung der Leis­tun­gen aus dem Ver­sor­gungs­plan ver­wen­det.

Ich bin mit der Ein­stel­lung der Er­tei­lung von Di­rekt­zu­sa­gen auf be­am­tenähn­li­che Ver­sor­gung (Ver­sor­gungs­recht) ein­ver­stan­den.

Ich neh­me mit Wir­kung ab 01.04.2010 am bei­trags­ori­en­tier­ten Sys­tem der Ver­sor­gungs­ord­nung 2010 teil.

[] Ich wünsche ei­ne Net­to-Aus­zah­lung der Wech­sel­prämie

Ort, Da­tum Un­ter­schrift (Vor- und Nach­na­me)“

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Die mit „An­ge­bot zur Überführung Ih­rer be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung und zur Teil­nah­me an der VO 2010 (,Ab­leh­nung‘)“ über­schrie­be­ne An­la­ge 3b ent­hielt ne­ben ei­ner Emp­fangs­bestäti­gung fol­gen­de Erklärung:

„Ab­leh­nung des An­ge­bots

Ich ha­be vom In­halt der mir zu­ge­gan­ge­nen schrift­li­chen In­for­ma­tio­nen zur Überführung der bis­he­ri­gen Ver­sor­gung in die VO2010 Kennt­nis ge­nom­men, leh­ne je­doch - trotz der da­mit für mich ver­bun­de­nen Nach­tei­le - das An­ge­bot vom (05.02.2010) ab.“

Mit Da­tum vom 9. März 2010 un­ter­zeich­ne­te der Kläger so­wohl die in der An­la­ge 3a ent­hal­te­ne Emp­fangs­bestäti­gung als auch die „Zu­stim­mung zur Überführung“. Die aus­gefüll­te und un­ter­zeich­ne­te An­la­ge 3a über­mit­tel­te er in­ner­halb der vor­ge­ge­be­nen Frist an die Be­klag­te.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schied in meh­re­ren Ur­tei­len vom 15. Mai 2012 (ua. - 3 AZR 610/11 - BA­GE 141, 222), dass bei der Be­klag­ten ei­ne be­trieb­li­che Übung auf Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags be­steht. Da­nach hat je­der Mit­ar­bei­ter, der vor dem 1. Ja­nu­ar 2002 ein­ge­stellt wur­de, über ei­ne Beschäfti­gungs­zeit im Bank­ge­wer­be vom min­des­tens 20 Jah­ren, da­von zehn Jah­re bei der Be­klag­ten verfügt, ei­ne gu­te Be­ur­tei­lung durch sei­nen Vor­ge­setz­ten er­hal­ten hat und in ei­ner ge­sund­heit­li­chen Ver­fas­sung ist, die ei­ne vor­zei­ti­ge Ru­he­stands­ver­set­zung nicht er­war­ten lässt, ei­nen An­spruch auf Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags.

Mit sei­ner Kla­ge hat der Kläger gel­tend ge­macht, die Be­klag­te müsse bei Vor­lie­gen der er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen auch mit ihm ei­nen Ver­sor­gungs­ver­trag ver­ein­ba­ren. Die von ihm un­ter­zeich­ne­te An­la­ge 3a ände­re hier­an nichts. Da­mit ha­be er le­dig­lich das in dem Schrei­ben ent­hal­te­ne An­ge­bot der Be­klag­ten zur Überführung sei­ner An­wart­schaf­ten und zur Teil­nah­me an der VO 2010 an­ge­nom­men. Ein An­ge­bot zur ein­ver­nehm­li­chen Auf­he­bung des Ver­sor­gungs­rechts ha­be das Schrei­ben der Be­klag­ten nicht ent­hal­ten; da­her ge­he sein dies­bezüglich erklärtes Ein­verständ­nis ins Lee­re. Auch ha­be er - der Kläger - mit der Un­ter­zeich­nung der An­la­ge 3a kei­ne rechts­geschäft­li­che Erklärung über die Auf­he­bung des Ver­sor­gungs­rechts ab­ge­ge­ben. Ei­ner sol­chen

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Aus­le­gung ste­he § 305c Abs. 2 BGB ent­ge­gen. Ei­ne ggf. in der An­la­ge 3a ent­hal­te­ne Re­ge­lung über die Auf­he­bung des Ver­sor­gungs­rechts sei nicht nur über­ra­schend iSv. § 305c Abs. 1 BGB, son­dern auch in­trans­pa­rent iSd. § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB und nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­an­ge­mes­sen, da sie ei­nen kom­pen­sa­ti­ons­lo­sen Ver­zicht auf weit­rei­chen­de Ver­sor­gungs­rech­te zur Fol­ge ha­be. Der von ihm er­dien­te Be­sitz­stand wer­de oh­ne die Wech­sel­prämie durch die Neu­re­ge­lung nicht ge­si­chert. Die Be­klag­te han­de­le ent­ge­gen § 242 BGB wi­dersprüchlich, wenn sie ei­ner­seits mit­tei­le, kei­ne Ver­sor­gungs­rech­te mehr zu ver­tei­len, an­de­rer­seits aber auf Ver­zichts­erklärun­gen für die­se Ansprüche hin­wir­ke. Je­den­falls sei nach den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts aus Mai 2012 die Geschäfts­grund­la­ge für die Ver­ein­ba­rung ent­fal­len.

Darüber hin­aus sei die Be­klag­te un­ter dem Ge­sichts­punkt des Scha­dens­er­sat­zes zum Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags ver­pflich­tet. Sie ha­be ih­re Hin­weis- und Aufklärungs­pflich­ten ver­letzt.

Der Kläger hat - so­weit für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren noch von In­ter­es­se - sinn­gemäß be­an­tragt

fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ihm mit Wir­kung zum 1. März 2016 in Ergänzung zu dem be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trag ei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge mit fol­gen­dem Wort­laut als Ver­tragsände­rung an­zu­bie­ten, so­fern zum vor­ge­nann­ten Zeit­punkt sein Ge­sund­heits­zu­stand ei­ne vor­zei­ti­ge Ru­he­stands­ver­set­zung nicht er­war­ten lässt und er durch­schnitt­lich gu­te Be­ur­tei­lun­gen er­hal­ten hat:

„§ 1. Zu­sa­ge

Die Bank gewährt dem Mit­ar­bei­ter Leis­tun­gen bei Krank­heit, Dienst­unfähig­keit und im Al­ter so­wie sei­nen Hin­ter­blie­be­nen (Wit­wen und Wai­sen) Ver­sor­gungs­leis­tun­gen nach Maßga­be die­ses Ver­trags.

§ 2 Fort­zah­lung der Bezüge im Krank­heits­fall.

Bei Krank­heit hat der Mit­ar­bei­ter An­spruch auf Fort­zah­lung der Bezüge und auf Bei­hil­fe oder Un­fallfürsor­ge in ent­spre­chen­der An­wen­dung der je­weils für die baye­ri­schen Staats­be­am­ten gel­ten­den Re­ge­lun­gen.

§ 3 Lang­an­dau­ern­de Krank­heit

Bei lang an­dau­ern­der Krank­heit kann der Mit­ar­bei­ter in ent­spre­chen­der An­wen­dung des Art. 65 Abs. 1 BayBG in den Ru­he­stand ver­setzt wer­den. Die Ver­set­zung in den

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Ru­he­stand er­folgt zum En­de des Mo­nats, in wel­chem die Dienst­unfähig­keit fest­ge­stellt wird, frühes­tens je­doch mit Ab­lauf des 182. Ka­len­der­ta­ges nach Krank­heits­be­ginn. Vom Be­ginn der Ru­he­stands­ver­set­zung an erhält der Ver­sor­gungs­be­rech­tig­te Ver­sor­gungs­bezüge nach § 6 Abs. 1. Für ei­ne er­neu­te Be­ru­fung ins ak­ti­ve Ar­beits­verhält­nis fin­den die für die baye­ri­schen Staats­be­am­ten gel­ten­den Re­ge­lun­gen ent­spre­chen­de An­wen­dung.

§ 4. Ein­tritt in den Ru­he­stand

(1) Das Ar­beits­verhält­nis ist auf un­be­stimm­te Dau­er ge­schlos­sen.

(2) Das Ar­beits­verhält­nis en­det mit der Fol­ge des Ein­tritts des Mit­ar­bei­ters in den Ru­he­stand, oh­ne dass es ei­ner Kündi­gung be­darf, mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem der Mit­ar­bei­ter das nach der je­wei­li­gen ge­setz­li­chen Re­ge­lung für die baye­ri­schen Staats­be­am­ten gel­ten­de Le­bens­al­ter für die Erfüllung der Al­ters­gren­ze voll­endet oder mit Ab­lauf des Mo­nats, in dem der Mit­ar­bei­ter nach den je­weils gel­ten­den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen ei­ne Ren­te we­gen vol­ler Er­werbs­min­de­rung oder ei­ne Al­ters­ren­te von der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­zieht. Gewährt der Ren­ten­ver­si­che­rungs­träger nur ei­ne Ren­te auf Zeit, ruht der Ar­beits­ver­trag für den Be­wil­li­gungs­zeit­raum die­ser Ren­te, längs­tens je­doch bis zum Be­en­di­gungs­zeit­punkt nach die­sem Ab­satz 2 Satz 1. Im Fal­le des Ru­hens des Ar­beits­ver­tra­ges nach Satz 2 gewährt die Bank Ver­sor­gungs­bezüge nach § 6 die­ses Ver­tra­ges.

(3) Der Mit­ar­bei­ter kann auf sei­nen An­trag zu ei­nem frühe­ren Zeit­punkt in den Ru­he­stand ver­setzt wer­den, wenn er das in Art. 64 BayBG fest­ge­leg­te Le­bens­al­ter voll­endet hat (der­zeit: 64. Le­bens­jahr, bei Schwer­be­hin­de­rung 60. Le­bens­jahr).

§ 5. Ver­tragskündi­gung

(1) Der Mit­ar­bei­ter kann sei­nen Ar­beits­ver­trag mit der Bank mit 6-mo­na­ti­ger Frist zum Mo­nats­en­de kündi­gen. In die­sem Fal­le erlöschen die An­wart­schaf­ten aus die­ser Ver­sor­gungs­zu­sa­ge; et­wai­ge un­ver­fall­ba­re An­wart­schaf­ten des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten und sei­ner Hin­ter­blie­be­nen auf Ver­sor­gungs­leis­tun­gen im Al­ter und bei Dienst­unfähig­keit nach den Vor­schrif­ten des Ge­set­zes zur Ver­bes­se­rung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung blei­ben un­berührt. Für die frist­lo­se Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund gel­ten die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten.

(2) Die Bank kann den Ar­beits­ver­trag mit der Fol­ge der Ver­trags­be­en­di­gung oder Ru­he­stands­ver­set­zung nur aus

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fol­gen­den Gründen und nur un­ter Be­ach­tung fol­gen­der Re­ge­lun­gen kündi­gen:

a) Kündi­gung aus wich­ti­gem Grund:

aa) Wenn der wich­ti­ge Grund in ei­nem grob schuld­haf­ten Ver­hal­ten des Mit­ar­bei­ters liegt, kann die Bank den Ar­beits­ver­trag frist- und entschädi­gungs­los kündi­gen. In die­sem Fal­le erlöschen die Ansprüche aus die­ser Ver­sor­gungs­zu­sa­ge.

bb) Wenn der wich­ti­ge Grund nicht in ei­nem grob schuld­haf­ten Ver­hal­ten des Mit­ar­bei­ters liegt, kann die Bank den Mit­ar­bei­ter durch Kündi­gung mit 6-mo­na­ti­ger Frist zum Mo­nats­en­de in den Ru­he­stand ver­set­zen.

b) Kündi­gung we­gen or­ga­ni­sa­to­ri­scher Verände­run­gen:

Bei ei­ner Ein­glie­de­rung der Bank in ei­ne an­de­re ju­ris­ti­sche Per­son, bei Zu­sam­men­schluss der Bank mit ei­ner an­de­ren ju­ris­ti­schen Per­son oder bei ei­ner an­de­ren we­sent­li­chen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Verände­rung der Bank kann die Bank den Mit­ar­bei­ter durch Kündi­gung mit 6-mo­na­ti­ger Frist zum Mo­nats­en­de nach ih­rem Er­mes­sen ent­we­der in den Ru­he­stand oder bis zu sei­ner Wie­der­ver­wen­dung in ei­ner gleich zu be­wer­ten­den, un­ter Umständen auch auswärti­gen Stel­le der Bank bzw. ih­rer Rechts­nach­fol­ge­rin, in den einst­wei­li­gen Ru­he­stand ver­set­zen.

c) We­gen Dienst­unfähig­keit:

Die Bank kann den Mit­ar­bei­ter durch Kündi­gung mit 3monatiger Frist zum Quar­tals­schluss in den Ru­he­stand ver­set­zen, wenn er in­fol­ge ei­nes Ge­bre­chens oder ei­ner Schwäche sei­ner körper­li­chen oder geis­ti­gen Kräfte zur Erfüllung sei­ner dienst­li­chen Ob­lie­gen­hei­ten dau­ernd unfähig ist. Die Re­ge­lun­gen des Art. 65 Abs. 2 und Abs. 4 so­wie des § 29 Be­am­tenStG gel­ten ent­spre­chend.

§ 6 Höhe der Ver­sor­gungs­bezüge

(1) Die Bank ver­pflich­tet sich, dem Mit­ar­bei­ter im Ver­sor­gungs­fall (§ 3, § 4 und § 5 Abs. 2 a bb, b und c) ein Ru­he­ge­halt zu gewähren, das ent­spre­chend den je­weils für baye­ri­sche Staats­be­am­te gel­ten­den Vor­schrif­ten be­rech­net wird. Ru­he­ge­haltsfähi­ge Dienst­bezüge im Sin­ne des Be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­set­zes sind 1/12 des ru­he­ge­haltsfähi­gen Jah­res­fest­ge­halts, das dem Mit­ar­bei­ter vor dem Ein­tritt in den Ru­he­stand zu­letzt ge­zahlt wird. Lau­fen­de Zu­la­gen sind nur dann ver­sor­gungsfähig, wenn die­se aus­drück­lich als ver­sor­gungsfähig be­zeich­net sind.

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Als ru­he­ge­haltfähi­ge Dienst­zei­ten gel­ten

a) die Zeit der Ar­beits­leis­tung für die Bank, ei­nes ih­rer Vorgänger­in­sti­tu­te oder ei­ne an­de­re Bank im Sin­ne des Kre­dit­we­sen­ge­set­zes,

b) die Zeit der Ar­beits­leis­tung für ei­nen an­de­ren Ar­beit­ge­ber, so­fern die dor­ti­ge Tätig­keit mit der Tätig­keit in der Bank ver­gleich­bar ist, zur Hälf­te,

c) vor­her zurück­ge­leg­te Zei­ten, so­weit sie nach den für baye­ri­sche Staats­be­am­te je­weils gel­ten­den Vor­schrif­ten berück­sich­ti­gungsfähig sind.Der An­spruch auf Bei­hil­fe im Krank­heits­fal­le in ent­spre­chen­der An­wen­dung der für die baye­ri­schen Staats­be­am­ten gel­ten­den Vor­schrif­ten be­steht fort. Be­am­ten­recht­li­che Vor­schrif­ten für all­ge­mei­ne und struk­tu­rel­le An­pas­sun­gen der Ver­sor­gungs­bezüge, ins­be­son­de­re § 70 Be­am­ten­ver­sor­gungs­ge­setz oder ei­ne die­se Vor­schrif­ten er­set­zen­de Re­ge­lung, fin­den kei­ne An­wen­dung; § 11 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 die­ser Ver­sor­gungs­zu­sa­ge über die li­nea­re An­pas­sung ent­spre­chend dem Ta­rif­ver­trag blei­ben un­berührt.

(2) Ein Dop­pel­an­spruch auf Ver­sor­gungs­bezüge und Ak­tiv­bezüge ist aus­ge­schlos­sen. Bei ei­ner Beschäfti­gung über das in § 4 Abs. 2 Satz 1 ge­nann­te Le­bens­al­ter hin­aus ruht der An­spruch auf Ver­sor­gungs­bezüge. Dienst­zei­ten nach Voll­endung des in § 4 Abs. 2 Satz 1 ge­nann­ten Le­bens­al­ters wer­den nicht an­ge­rech­net und führen so­mit nicht zu ei­ner Erhöhung der Ver­sor­gungs­bezüge.

(3) Die Hin­ter­blie­be­nen des Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten er­hal­ten Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung in ent­spre­chen­der An­wen­dung der für die Hin­ter­blie­be­nen von baye­ri­schen Staats­be­am­ten und Ru­he­stands­be­am­ten gel­ten­den Vor­schrif­ten.

(4) Die Ver­sor­gungs­bezüge wer­den jähr­lich 12mal gewährt.

§ 7. An­rech­nung.

(1) Auf das Ru­he­ge­halt wer­den an­ge­rech­net:

a) Leis­tun­gen aus der Ren­ten- oder Grup­pen­ren­ten­ver­si­che­rung;

b) Ver­sor­gungs­bezüge aus un­ver­fall­ba­ren Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten nach dem Ge­setz zur Ver­bes­se­rung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung so­wie sons­ti­ge Ren­ten und Ver­sor­gungs­leis­tun­gen aus Zu­satz­ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen (z. B. des Ver­si­che­rungs­ver­eins des Bank­ge­wer­bes

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a. G. oder der Zu­satz­ver­sor­gungs­kas­se der Baye­ri­schen Ge­mein­den), wenn die­se min­des­tens zur Hälf­te auf Beiträgen oder Zuschüssen frühe­rer Ar­beit­ge­ber be­ru­hen und auf Zei­ten ent­fal­len, die in die Be­rech­nung der ru­he­ge­haltsfähi­gen Dienst­zei­ten ein­be­zo­gen wer­den;

c) Leis­tun­gen aus ei­ner be­rufsständi­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tung oder ei­ner be­frei­en­den Le­bens­ver­si­che­rung, zu de­nen der Ar­beit­ge­ber min­des­tens die Hälf­te der Beiträge oder Zuschüsse in die­ser Höhe ge­leis­tet hat;

d) Ver­letz­ten­ren­ten in dem je­weils zur Zeit der An­rech­nung höchst­zulässi­gen Um­fang.

(2) Ab­satz 1 gilt für die An­rech­nung auf die Hin­ter­blie­be­nen­bezüge ent­spre­chend.

(3) So­weit an­re­chen­ba­re Ren­ten oder Ver­sor­gungs­leis­tun­gen des­halb nicht gewährt wer­den, weil

a) ih­nen zu­grun­de lie­gen­de Bei­trags­leis­tun­gen (ins­be­son­de­re Beiträge, Zuschüsse) er­stat­tet wur­den,

b) sie nicht be­an­tragt wor­den sind oder auf sie ver­zich­tet wur­de oder an ih­rer Stel­le ei­ne Ka­pi­tal­leis­tung oder Ab­fin­dung ge­zahlt wur­de, so tritt an die Stel­le der Ren­te oder Ver­sor­gungs­leis­tung der Be­trag, der vom Leis­tungs­träger an­sons­ten zu zah­len wäre.

(4) Ren­ten, Ren­ten­erhöhun­gen und Ren­ten­min­de­run­gen auf­grund ei­nes Ver­sor­gungs­aus­gleichs nach § 1587 BGB blei­ben un­berück­sich­tigt.

(5) Auf die Hin­ter­blie­be­nen­bezüge wer­den die Hin­ter­blie­be­nen­ren­ten aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung auch in­so­weit an­ge­rech­net, als sie nach den Be­stim­mun­gen des § 97 SGB VI in der je­weils gel­ten­den Fas­sung ru­hen.

(6) Darüber hin­aus wer­den an­de­re Bezüge le­dig­lich in­so­weit auf die Ver­sor­gungs­bezüge nach die­sem Ver­trag an­ge­rech­net, als sie auch nach den für baye­ri­sche Staats­be­am­te je­weils gel­ten­den Ru­hens-, An­rech­nungs- und Kürzungs­vor­schrif­ten auf die Ver­sor­gungs­bezüge an­zu­rech­nen wären.

§ 8. Un­fallfürsor­ge.

(1) Die Bank gewährt dem Mit­ar­bei­ter Un­fallfürsor­ge in ent­spre­chen­der An­wen­dung der für die baye­ri­schen Staats­be­am­ten gel­ten­den Un­fallfürsor­ge­vor­schrif­ten.

(2) Der Mit­ar­bei­ter ver­pflich­tet sich, ei­nen et­wai­gen

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ge­setz­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruch, der ihm we­gen ei­ner Körper­ver­let­zung ge­gen ei­nen Drit­ten zu­steht, in­so­weit an die Bank ab­zu­tre­ten, als die­se während ei­ner auf Körper­ver­let­zung be­ru­hen­den Auf­he­bung der Ar­beitsfähig­keit oder in­fol­ge der Körper­ver­let­zung zur Gewährung von Leis­tun­gen (Ak­ti­vitäts- und Ver­sor­gungs­bezüge) ver­pflich­tet ist.

(3) Steht we­gen ei­ner Körper­ver­let­zung oder Tötung des Mit­ar­bei­ters des­sen Hin­ter­blie­be­nen ein ge­setz­li­cher Scha­dens­er­satz­an­spruch ge­gen ei­nen Drit­ten zu, so kann die Bank die Gewährung der Hin­ter­blie­be­nen­bezüge in­so­weit von der Ab­tre­tung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs abhängig ma­chen als sie in­fol­ge der Körper­ver­let­zung oder Tötung zur Gewährung ei­ner Ver­sor­gung oder sons­ti­gen Leis­tung ver­pflich­tet ist.

§ 9 So­zi­al­ver­si­che­rung.

Der Mit­ar­bei­ter wird sich un­be­scha­det der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge frei­wil­lig wei­ter­ver­si­chern, so­fern dies nach § 7 SGB VI zulässig ist und so­lan­ge und so­weit die Bank dies ver­langt. Die Bank über­nimmt in die­sem Fall den Ar­beit­neh­mer­an­teil zur Ren­ten­ver­si­che­rung. Die auf die­sen An­teil ent­fal­len­de Steu­er und evtl. So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge ge­hen zu Las­ten des Mit­ar­bei­ters.

§ 10 Un­ver­fall­bar­keit.

Die Vor­schrif­ten des Ge­set­zes zur Ver­bes­se­rung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung blei­ben un­berührt; die Un­ver­fall­bar­keits­frist nach § 1b die­ses Ge­set­zes be­ginnt mit dem Ein­tritt in die Bank, bei Un­ter­bre­chung des Dienst­verhält­nis­ses mit dem letz­ten Wie­der­ein­tritt in die Bank.

§ 11 Ergänzen­de Be­stim­mun­gen.

(1) Für die An­pas­sung der Ver­sor­gungs­bezüge gel­ten die je­weils für die Be­zah­lung der Ta­rif­an­ge­stell­ten maßgeb­li­chen Fest­set­zun­gen des Ta­rif­ver­tra­ges ent­spre­chend. Die An­pas­sung der Ver­sor­gungs­bezüge er­folgt, wenn die Gehälter des Ta­rif­ver­tra­ges all­ge­mein geändert wer­den. Im Übri­gen gel­ten zusätz­lich die je­weils für die Ver­sor­gung der baye­ri­schen Staats­be­am­ten maßgeb­li­chen ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten mit Aus­nah­me der Vor­schrif­ten über das Über­g­angs­geld und das Be­sol­dungs­dienst­al­ter ent­spre­chend.

(2) Wenn die in die­sem Ver­trag ent­hal­te­nen Be­stim­mun­gen kei­nen Auf­schluss ge­ben, wird der be­tref­fen­de Punkt in ei­ner zusätz­li­chen Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten und der Bank ge­re­gelt. Über die­sen Ver­trag hin­aus­ge­hen­de Ver­ein­ba­run­gen bedürfen zu ih­rer

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Gültig­keit der schrift­li­chen Form.“

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, 

die Kla­ge ab­zu­wei­sen,

hilfs­wei­se im We­ge der Wi­der­kla­ge

1. den Kläger zu ver­ur­tei­len, an sie 48.275,65 Eu­ro nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Zu­stel­lung der Wi­der­kla­ge zu zah­len,

2. den Kläger zu ver­ur­tei­len, sei­nen Er­stat­tungs­an­spruch (gemäß § 26 SGB IV) ge­gen die zuständi­ge Ein­zugs­stel­le iHv. 30,84 Eu­ro an sie ab­zu­tre­ten.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Mit sei­ner Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Kla­ge­ziel wei­ter. Die Be­klag­te be­gehrt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on, hilfs­wei­se ver­folgt sie ih­re Wi­der­kla­ge wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on bleibt er­folg­los. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das die Kla­ge ab­wei­sen­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu Recht zurück­ge­wie­sen.

A. Der Kla­ge­an­trag ist zwar zulässig, je­doch un­be­gründet.

I. Der Kläger be­gehrt die Fest­stel­lung, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ihm ein An­ge­bot auf Ab­schluss des im An­trag näher be­schrie­be­nen Ver­sor­gungs­ver­trags zu un­ter­brei­ten, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für den Ab­schluss die­ses Ver­trags nach Maßga­be der bei der Be­klag­ten be­ste­hen­den be­trieb­li­chen Übung vor­lie­gen.

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II. Mit die­sem In­halt ist der Kla­ge­an­trag zulässig.

1. Der An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt iSd. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Er be­nennt den Zeit­punkt, zu dem der be­gehr­te Ver­trags­ab­schluss er­strebt wird, und be­schreibt aus­rei­chend die not­wen­di­gen in­halt­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Ab­ga­be der An­ge­bots­erklärung durch die Be­klag­te. Auch der In­halt des ab­zu­sch­ließen­den Ver­sor­gungs­ver­trags ist hin­rei­chend deut­lich be­zeich­net. Unschädlich ist, dass der Kläger sich in sei­nem Kla­ge­an­trag hin­sicht­lich des In­halts des be­gehr­ten Ver­sor­gungs­ver­trags le­dig­lich auf ei­ne der Kla­ge­schrift bei­gefügte An­la­ge be­zieht. Die An­la­ge ist ein­deu­tig ge­kenn­zeich­net. An­ders als - im Re­gel­fall - die Ent­schei­dungs­for­mel darf sich der Kla­ge­an­trag auf ei­ne An­la­ge be­zie­hen, wenn der Ver­fah­rens­ge­gen­stand da­durch - wie vor­lie­gend - aus­rei­chend in­di­vi­dua­li­siert wird (vgl. da­zu ausführ­lich BAG 12. Ja­nu­ar 2011 - 7 ABR 25/09 - Rn. 29 mwN).

2. Der Kla­ge­an­trag erfüllt die Vor­aus­set­zun­gen des § 256 Abs. 1 ZPO. Er rich­tet sich auf die Fest­stel­lung ei­nes ge­genwärti­gen Rechts­verhält­nis­ses. Der Kläger möch­te klären las­sen, ob ihm trotz sei­ner Un­ter­schrift un­ter der An­la­ge 3a ein An­spruch ge­gen die Be­klag­te auf Ab­schluss des im Kla­ge­an­trag ge­nann­ten Ver­sor­gungs­ver­trags zu­steht, wenn die vom Se­nat in sei­ner Ent­schei­dung vom 15. Mai 2012 (- 3 AZR 610/11 - BA­GE 141, 222) ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen. Da die Be­klag­te ei­ne ent­spre­chen­de Ver­pflich­tung be­strei­tet, hat der Kläger an der be­gehr­ten Fest­stel­lung ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se.

III. Die Kla­ge ist un­be­gründet. Der Kläger hat kei­nen An­spruch auf Ab­schluss des be­gehr­ten Ver­sor­gungs­ver­trags.

1. Ein nach Maßga­be der Ent­schei­dung des Se­nats vom 15. Mai 2012 (- 3 AZR 610/11 - Rn. 64 ff., BA­GE 141, 222) be­ste­hen­der An­spruch des Klägers aus be­trieb­li­cher Übung ist durch die von den Par­tei­en ab­ge­schlos­se­ne Ände­rungs­ver­ein­ba­rung „zur Überführung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung des Klägers und zur Teil­nah­me an der VO 2010“ er­lo­schen.

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a) Die Par­tei­en ha­ben sich in der ge­nann­ten Ver­ein­ba­rung dar­auf ge­ei­nigt, dass die vom Kläger bei der Ver­sor­gungs­kas­se er­wor­be­nen Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten in die VO 2010 überführt wer­den und ihm künf­tig Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nur noch nach Maßga­be der VO 2010 zu­ste­hen. Die Be­klag­te hat in der An­la­ge 3a zu­dem das An­ge­bot un­ter­brei­tet, ei­ne et­wa be­ste­hen­de Ver­pflich­tung der Be­klag­ten auf Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags auf­zu­he­ben. Durch sei­ne Un­ter­schrift un­ter die An­la­ge 3a hat der Kläger die­ses An­ge­bot an­ge­nom­men. Ein Ei­ni­gungs­man­gel liegt nicht vor. Dies er­gibt die Aus­le­gung.

aa) Die An­la­ge 3a enthält - so­weit es die „Zu­stim­mung zur Überführung“ be­trifft - All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (§ 305 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 BGB). Dies er­gibt sich be­reits aus dem äußeren Er­schei­nungs­bild. Die Be­klag­te hat den In­halt der An­la­ge für ei­ne Viel­zahl von Ände­rungs­verträgen vor­for­mu­liert und als Ver­wen­de­rin dem Kläger ge­stellt. Unschädlich ist, dass die Ar­beit­neh­mer auch die Möglich­keit hat­ten, die An­la­ge 3b zu un­ter­schrei­ben und durch An­kreu­zen auf dem For­mu­lar zu wählen, ob ih­nen die Wech­sel­prämie als Net­to­be­trag aus­ge­zahlt wer­den soll. Dies ändert nichts dar­an, dass die For­mu­lie­run­gen in der An­la­ge 3a von der Be­klag­ten stam­men.

bb) All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei nicht die Verständ­nismöglich­kei­ten des kon­kre­ten, son­dern die des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu­grun­de zu le­gen sind. An­satz­punkt für die am Wil­len der je­wei­li­gen Ver­trags­part­ner zu ori­en­tie­ren­de Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen ist zwar in ers­ter Li­nie der Ver­trags­wort­laut. Ist die­ser je­doch nicht ein­deu­tig, kommt es für die Aus­le­gung ent­schei­dend dar­auf an, wie der Ver­trags­zweck aus Sicht der ty­pi­scher­wei­se an Geschäften die­ser Art be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se zu ver­ste­hen ist, wo­bei der Ver­trags­wil­le verständi­ger und red­li­cher Ver­trags­part­ner be­ach­tet wer­den muss. So­weit auch der mit dem Ver­trag ver­folg­te Zweck ein­zu­be­zie­hen ist, kann das nur in Be­zug auf ty­pi­sche und von

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red­li­chen Geschäfts­part­nern ver­folg­te Zie­le gel­ten (vgl. et­wa BAG 19. Ju­li 2016 - 3 AZR 141/15 - Rn. 16 mwN).

Umstände, die al­lein den kon­kre­ten Ver­trags­part­nern be­kannt sind oder die den be­son­de­ren Ein­zel­fall kenn­zeich­nen, dürfen bei der Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen nicht her­an­ge­zo­gen wer­den. Dies er­gibt sich auch aus § 310 Abs. 3 Nr. 3 BGB, wo­nach die den Ver­trags­schluss be­glei­ten­den Umstände nur bei der Prüfung der un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung nach § 307 Abs. 1 und Abs. 2 BGB zu berück­sich­ti­gen sind. Dies hat al­ler­dings nicht zur Fol­ge, dass jeg­li­che Be­gleit­umstände für die Aus­le­gung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen un­be­deu­tend sind. Aus­ge­schlos­sen sind viel­mehr nur kon­kret-in­di­vi­du­el­le Umstände. Zur Aus­le­gung her­an­zu­zie­hen sind hin­ge­gen auch sons­ti­ge Be­gleit­umstände, die nicht aus­sch­ließlich die kon­kre­te Ver­trags­ab­schluss­si­tua­ti­on be­tref­fen, son­dern den Ab­schluss ei­ner je­den ver­gleich­ba­ren ver­trag­li­chen Ab­re­de be­glei­ten (vgl. et­wa BAG 12. Au­gust 2014 - 3 AZR 492/12 - Rn. 59 mwN). Ent­ge­gen der An­nah­me der Re­vi­si­on sind da­her bei der Aus­le­gung der An­la­ge 3a nicht nur die der An­la­ge bei­gefügten Schrei­ben, son­dern auch die sons­ti­gen im Un­ter­neh­men der Be­klag­ten all­ge­mein be­kann­ten und für die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer er­kenn­ba­ren Umstände zu berück­sich­ti­gen.

cc) Un­ter Zu­grun­de­le­gung die­ser Maßstäbe hat die Be­klag­te den Ar­beit­neh­mern mit der An­la­ge 3a das An­ge­bot un­ter­brei­tet, un­ter Überführung ih­rer be­reits er­wor­be­nen Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zukünf­tig nur noch ent­spre­chend der VO 2010 zu gewähren und ei­ne et­wai­ge Ver­pflich­tung der Be­klag­ten auf Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags ein­ver­nehm­lich auf­zu­he­ben.

(1) Dies folgt be­reits aus dem Wort­laut der An­la­ge 3a. Schon nach ih­rer Über­schrift - so­mit für die Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar - enthält die An­la­ge 3a ein An­ge­bot der Be­klag­ten zur Überführung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung der an­ge­spro­che­nen Ar­beit­neh­mer („Ih­rer“). Die­ses ist le­dig­lich in sei­nem wei­te­ren In­halt aus der Sicht der das An­ge­bot an­neh­men­den Ar­beit­neh­mer for­mu­liert. Un­er­heb­lich ist, dass die Be­klag­te die An­la­ge 3a nicht

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un­ter­schrie­ben hat. Ei­ne rechts­ver­bind­li­che Wil­lens­erklärung kann auch oh­ne Un­ter­schrift ab­ge­ge­ben wer­den.

Das von der Be­klag­ten un­ter­brei­te­te An­ge­bot be­zieht sich in sei­nem ers­ten Ab­satz auf die Überführung der bis­lang von den Ar­beit­neh­mern bei der Ver­sor­gungs­kas­se er­wor­be­nen Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten in ei­ne rück­ge­deck­te Ka­pi­tal­zu­sa­ge nach der VO 2010. Wie der Ver­weis auf die VO 2010 zeigt, soll­te da­mit die bis­he­ri­ge Zu­sa­ge von be­am­tenähn­li­chen Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung im Durchführungs­weg Un­terstützungs­kas­se durch ei­ne Zu­sa­ge von Ka­pi­tal­leis­tun­gen nach Maßga­be der Re­ge­lun­gen in Nr. III DV 2009 ab­gelöst wer­den.

Der zwei­te Ab­satz des Ände­rungs­an­ge­bots ist dar­auf ge­rich­tet, ei­ne et­wai­ge recht­li­che Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zur Er­tei­lung ei­nes Ver­sor­gungs­rechts und da­mit auf Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags zu be­sei­ti­gen. Die Ar­beit­neh­mer konn­ten oh­ne Wei­te­res er­ken­nen, dass die Be­klag­te nicht le­dig­lich ihr bei der Ver­sor­gungs­kas­se be­ste­hen­des be­am­tenähn­li­ches Ver­sor­gungs­werk ablösen, son­dern auch ihr be­ste­hen­des Sys­tem zur Er­tei­lung von Ver­sor­gungs­rech­ten und da­mit ei­ne et­wa hierfür be­ste­hen­de recht­li­che Grund­la­ge be­sei­ti­gen woll­te. Be­reits die For­mu­lie­rung „bin ... ein­ver­stan­den“ lässt dar­auf schließen, dass es der Be­klag­ten mit die­sem Teil des Ver­trags­an­ge­bots nicht dar­um ging, die Ar­beit­neh­mer nur in Kennt­nis zu set­zen über ih­re seit dem Jahr 2009 geänder­te Pra­xis, kei­ne Ver­sor­gungs­rech­te mehr zu er­tei­len und da­mit kei­ne Ver­sor­gungs­verträge mehr ab­zu­sch­ließen, son­dern die­se Vor­ge­hens­wei­se rechts­ver­bind­lich ab­zu­si­chern. Der Be­griff „Ein­stel­lung“ bringt zum Aus­druck, dass dem Ar­beit­neh­mer - auch bei Vor­lie­gen der er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen - künf­tig kein Ver­sor­gungs­ver­trag mehr an­ge­bo­ten wer­den soll. Viel­mehr woll­te die Be­klag­te, wie der Ver­weis auf die VO 2010 und da­mit die Re­ge­lun­gen in Nr. II und Nr. III DV 2009 für die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer zei­gen, zukünf­tig nur noch Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung iSd. § 1 Abs. 1 Be­trAVG und zwar le­dig­lich nach Maßga­be der VO 2010 er­brin­gen. Dem­ent­spre­chend enthält die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung auch die Re­ge­lung, dass für die Beschäfti­gungs­zei­ten ab dem 1. April 2010 nur noch ei­ne bei­trags­ori­en­tier­te be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung durch den BVV gewährt wird.

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(2) Die der An­la­ge 3a bei­gefügten Schriftstücke bestäti­gen die­se Aus­le­gung.

Zwar erwähnt die Be­klag­te in ih­rem Be­gleit­schrei­ben zur An­la­ge 3a vom 5. Fe­bru­ar 2010 das Ver­sor­gungs­recht nicht aus­drück­lich. Das Schrei­ben ist je­doch mit „Neu­struk­tu­rie­rung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung“ über­schrie­ben. Zu­dem be­zieht sich die Be­klag­te in dem An­schrei­ben aus­drück­lich auf die für die Ar­beit­neh­mer im In­tra­net ab­ruf­ba­re DV 2009, die in ih­rer Präam­bel den Hin­weis enthält, dass die Be­klag­te ent­schie­den ha­be, die „Sys­te­me der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung um­zu­stel­len“ und da­mit auch „kei­ne in­di­vi­du­el­len Ver­sor­gungs­zu­sa­gen“ mehr zu er­tei­len. Aus den bei­gefügten An­la­gen konn­ten die Ar­beit­neh­mer eben­falls er­se­hen, dass das in der An­la­ge 3a ent­hal­te­ne An­ge­bot dar­auf ab­ziel­te, das bei der Be­klag­ten be­ste­hen­de Sys­tem der be­am­tenähn­li­chen Ver­sor­gung nicht nur für den Durchführungs­weg Un­terstützungs­kas­se, son­dern auch in Be­zug auf die durch die Ver­sor­gungs­verträge gewähr­ten Di­rekt­zu­sa­gen durch das neue in der DV 2009 ver­ein­bar­te Ver­sor­gungs­werk - die VO 2010 - ab­zulösen. In den ge­nann­ten Un­ter­la­gen wird den Ar­beit­neh­mern mit­ge­teilt, wel­che Ver­sor­gungs­leis­tun­gen sie im Fall ei­ner Überführung ih­rer Ver­sor­gungs­an­wart­schaft und zukünf­ti­gen Teil­nah­me an der VO 2010 im Al­ter 65 vor­aus­sicht­lich er­hal­ten wer­den. Ei­ne sol­che Be­rech­nung wäre überflüssig, wenn das in der An­la­ge 3a ent­hal­te­ne An­ge­bot der Be­klag­ten le­dig­lich be­zweckt hätte, nur die Ablösung der be­reits er­wor­be­nen An­wart­schaf­ten auf Ver­sor­gung nach be­am­ten­recht­li­chen Grundsätzen bei der Ver­sor­gungs­kas­se und nicht auch die Be­sei­ti­gung ei­ner et­wai­gen recht­li­chen Ver­pflich­tung zum Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags nach 20jähri­ger Beschäfti­gungs­zeit zu re­geln. Die Ar­beit­neh­mer konn­ten nicht er­war­ten, ei­ne Dop­pel­ver­sor­gung zu er­hal­ten.

(3) Der für die Ar­beit­neh­mer er­kenn­ba­re Zweck der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung spricht eben­falls für das vor­lie­gen­de Verständ­nis.

Nach der Präam­bel der DV 2009 woll­te die Be­klag­te die bei ihr be­ste­hen­den be­am­tenähn­li­chen Ver­sor­gungs­sys­te­me grund­le­gend um­ge­stal­ten. Hier­zu gehörte auch der Ab­schluss von Ver­sor­gungs­verträgen. Zum Zeit­punkt

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der Über­sen­dung des Überführungs­an­ge­bots durch die Be­klag­te be­stand in ih­rem Un­ter­neh­men Un­klar­heit darüber, ob sie be­rech­tigt war, ih­re bis­he­ri­ge Pra­xis auf Er­tei­lung von Ver­sor­gungs­rech­ten ein­sei­tig ein­zu­stel­len. Zwar ver­trat die Be­klag­te - gestützt auf ein Rechts­gut­ach­ten - die An­sicht, die­se Ent­schei­dung ein­sei­tig, al­so oh­ne Zu­stim­mung der je­weils hier­von be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer, um­set­zen zu dürfen. Ei­ne Rei­he von Ar­beit­neh­mern hat­te sich hier­ge­gen je­doch ge­richt­lich zur Wehr ge­setzt. Kurz vor der Über­sen­dung des An­ge­bots wa­ren zwei erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dun­gen zu­guns­ten der kla­gen­den Ar­beit­neh­mer er­gan­gen. Auf­grund der im In­tra­net veröffent­lich­ten Stel­lung­nah­me der Be­klag­ten hier­zu war dies für die von der Neu­struk­tu­rie­rung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung in der VO 2010 be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer er­sicht­lich. Da­mit hat­te die Be­klag­te ein In­ter­es­se dar­an, die recht­li­che Un­si­cher­heit über die Zulässig­keit ih­res Vor­ge­hens ab­sch­ließend zu be­sei­ti­gen und ihr tatsächli­ches Han­deln - vor­sorg­lich - recht­lich ab­si­chern zu las­sen. Die­sem für die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer und da­mit die be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se er­kenn­ba­ren Ziel dien­te die Ver­ein­ba­rung über die „Ein­stel­lung des Ver­sor­gungs­rechts“.

Aus Sicht der Empfänger hat­te die Be­klag­te in­so­weit auch ei­nen rechts­ver­bind­li­chen Erklärungs­wil­len. Der In­halt der An­la­ge 3a geht über die nach Nr. II 2 Buchst. b iVm. Nr. III 2 Abs. 1 DV 2009 er­for­der­li­che Zu­stim­mung der Ar­beit­neh­mer zur Überführung ih­rer Ver­sor­gungs­an­wart­schaft in die VO 2010 hin­aus. Im Übri­gen ist bei ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung grundsätz­lich da­von aus­zu­ge­hen, dass ih­rem In­halt rechts­geschäft­li­che Wir­kung zu­kom­men soll. So­fern es sich aus­nahms­wei­se nur um ei­ne de­kla­ra­to­ri­sche An­ga­be in Form ei­ner sog. Wis­sens­erklärung han­deln soll, muss dies im Ver­trag deut­lich zum Aus­druck ge­bracht wor­den sein (vgl. BAG 8. Ju­li 2015 - 4 AZR 51/14 - Rn. 28 mwN). Hier­an fehlt es vor­lie­gend.

dd) Der Kläger hat durch sei­ne Un­ter­schrift das in der An­la­ge 3a lie­gen­de An­ge­bot der Be­klag­ten an­ge­nom­men. Für die ob­jek­ti­ve Be­deu­tung ei­ner emp­fangs­bedürf­ti­gen Wil­lens­erklärung ist maßgeb­lich, wie der Erklärungs­empfänger die Erklärung nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen muss­te (vgl. BAG 19. März 2014 - 5 AZR 252/12 (B) - Rn. 46

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mwN, BA­GE 147, 342). Die Be­klag­te - als Empfänge­rin der Zu­stim­mungs­erklärung - muss­te und durf­te da­von aus­ge­hen, dass die Ar­beit­neh­mer mit ih­rer Un­ter­schrift ih­re Zu­stim­mung und da­mit die An­nah­me des in der An­la­ge 3a lie­gen­den An­ge­bots mit Rechts­bin­dungs­wil­len erklären. Ein Ei­ni­gungs­man­gel liegt in­so­weit nicht vor. Für die Ar­beit­neh­mer war er­kenn­bar, dass sie ei­ne recht­lich be­deut­sa­me Erklärung und nicht le­dig­lich ei­ne Wis­sens­erklärung ab­ge­ben. Durch den Ab­schluss der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung hat sich der Kläger ei­nes mögli­chen An­spruchs auf Er­tei­lung des Ver­sor­gungs­rechts be­ge­ben.

ee) Die Un­klar­hei­ten­re­ge­lung des § 305c Abs. 2 BGB führt zu kei­nem an de­ren Er­geb­nis. Es be­ste­hen kei­ne nicht be­heb­ba­ren Zwei­fel an der rich­ti­gen Aus­le­gung (vgl. BAG 8. De­zem­ber 2015 - 3 AZR 433/14 - Rn. 23 mwN). Al­lein die ent­fern­te Möglich­keit, auch zu ei­nem an­de­ren Aus­le­gungs­er­geb­nis zu kom­men, genügt für die An­wen­dung von § 305c Abs. 2 BGB nicht (BAG 15. April 2015 - 4 AZR 796/13 - Rn. 80 mwN, BA­GE 151, 235).

b) Die Be­stim­mung über das Ver­sor­gungs­recht ist nicht über­ra­schend iSd. § 305c Abs. 1 BGB.

aa) Nach die­ser Vor­schrift wer­den Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen nicht Ver­trags­be­stand­teil, die nach den Umständen, ins­be­son­de­re nach dem äußeren Er­schei­nungs­bild des Ver­trags, so un­gewöhn­lich sind, dass der Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders mit ih­nen nicht zu rech­nen braucht. Dies setzt ob­jek­tiv ei­ne un­gewöhn­li­che Klau­sel vor­aus, mit der der Ar­beit­neh­mer sub­jek­tiv nicht zu rech­nen brauch­te (vgl. et­wa BAG 24. Fe­bru­ar 2016 - 5 AZR 258/14 - Rn. 32 mwN).

bb) Ge­mes­sen an die­sen An­for­de­run­gen ist die Be­stim­mung nicht über­ra­schend iSd. § 305c Abs. 1 BGB.

(1) Der Kläger muss­te bei Ab­schluss der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung da­mit rech­nen, dass die­se auch ei­ne Be­stim­mung zum Ver­sor­gungs­recht ent­hal­ten würde. Die Be­klag­te woll­te auf­grund ih­rer durch die Fi­nanz­kri­se ver­ur­sach­ten er­heb­li­chen wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten das bei ihr be­ste­hen­de be­am­ten-

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ähn­li­che Ver­sor­gungs­sys­tem - zu dem auch der Ab­schluss von Ver­sor­gungs­verträgen nach ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von 20 Jah­ren zähl­te - durch ein neu­es ka­pi­tal­fi­nan­zier­tes Sys­tem der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ablösen. Ob sie die bis­he­ri­ge Pra­xis auf Er­tei­lung von Ver­sor­gungs­rech­ten ein­sei­tig ein­stel­len durf­te, war recht­lich nicht ab­sch­ließend geklärt. Ei­ne um­fas­sen­de und rechts­si­che­re Ablösung des be­am­tenähn­li­chen Ver­sor­gungs­sys­tems konn­te die Be­klag­te nur mit ei­ner Ver­ein­ba­rung er­zie­len, die auch et­wai­ge Rech­te der Ar­beit­neh­mer auf Ab­schluss ent­spre­chen­der Ver­sor­gungs­verträge er­fass­te. An­ge­sichts die­ser für die Ar­beit­neh­mer er­kenn­ba­ren Umstände muss­ten die­se da­mit rech­nen, dass die in der An­la­ge 3a vor­for­mu­lier­te Ver­ein­ba­rung auch ei­ne Re­ge­lung ent­hal­ten würde, mit der ei­ne mögli­che Ver­pflich­tung der Be­klag­ten auf Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags be­sei­tigt wer­den soll­te.

(2) Aus dem äußeren Er­schei­nungs­bild der An­la­ge 3a folgt nichts an­de­res. 

Die in der An­la­ge 3a un­ter der Zei­le „Zu­stim­mung zur Überführung“ ent­hal­te­nen Be­stim­mun­gen sind kurz und über­sicht­lich ge­stal­tet. Die Ver­ein­ba­rung über das Ver­sor­gungs­recht fin­det sich nicht an ver­steck­ter Stel­le, son­dern in der Mit­te der recht­geschäft­li­chen Erklärung. Zu­dem ist sie von dem vor­an­ge­gan­ge­nen und dem nach­fol­gen­den Ab­satz druck­tech­nisch ab­ge­setzt.

Ein Über­ra­schungs­ef­fekt er­gibt sich auch nicht dar­aus, dass sich die An­la­ge 3a in ih­rer Über­schrift nur auf die „be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung“ be­zieht. Zwar ent­hiel­ten die von der Be­klag­ten ab­ge­schlos­se­nen Ver­sor­gungs­verträge nicht nur Re­ge­lun­gen über die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung iSd. § 1 Abs. 1 Be­trAVG; viel­mehr wa­ren hier­mit wei­te­re Vergüns­ti­gun­gen, et­wa ein er­wei­ter­ter Kündi­gungs­schutz oder ein An­spruch auf Bei­hil­fe, ver­bun­den. Grund hierfür war je­doch, dass die Ar­beit­neh­mer durch den Ab­schluss die­ser Verträge möglichst weit­ge­hend ei­nem baye­ri­schen Staats­be­am­ten gleich­ge­stellt wer­den soll­ten. Der ge­sam­te In­halt der Ver­sor­gungs­verträge war da­mit Teil des bei der Be­klag­ten be­ste­hen­den „be­am­tenähn­li­chen Ver­sor­gungs­sys­tems“, das ab­gelöst wer­den soll­te. Da ein zen­tra­ler Be­stand­teil die Di­rekt­zu­sa­ge von Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung war, wa­ren die Ver­sor­gungs­rech­te - wie das Mit­ar­bei­ter­hand­buch, die Präam­bel der DV 2009 und die Präsen­ta­ti­on auf der

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In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung zei­gen - bei der Be­klag­ten für die Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar the­ma­tisch der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung zu­ge­ord­net.

(3) Die Be­stim­mung zum Ver­sor­gungs­recht ist auch nicht des­halb über­ra­schend, weil das Ver­sor­gungs­recht in dem Be­gleit­schrei­ben der Be­klag­ten vom 5. Fe­bru­ar 2010 nicht erwähnt wird. Der Kläger könn­te vor­lie­gend nur dann hier­aus et­was zu sei­nen Guns­ten ab­lei­ten, wenn zwi­schen den durch den In­halt des Be­gleit­schrei­bens bei den Ar­beit­neh­mern be­gründe­ten Er­war­tun­gen und dem In­halt der An­la­ge 3a ein deut­li­cher Wi­der­spruch bestünde. Dies ist - auch vor dem Hin­ter­grund der für die Ar­beit­neh­mer er­kenn­ba­ren In­ter­es­sen­la­ge der Be­klag­ten - nicht der Fall.

c) Der Kläger wird durch die Be­stim­mung über das Ver­sor­gungs­recht auch nicht gemäß § 307 Abs. 1 BGB un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt.

aa) Die DV 2009 steht ei­ner In­halts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 BGB nicht ent­ge­gen. Zwar un­ter­lie­gen nach § 310 Abs. 4 Satz 1 BGB Dienst­ver­ein­ba­run­gen nicht dem Recht der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen. Zu­dem ste­hen sie nach § 310 Abs. 4 Satz 3 BGB Rechts­vor­schrif­ten iSv. § 307 Abs. 3 BGB gleich. Die DV 2009 gibt je­doch nur vor, wie sich die Leis­tun­gen der Ar­beit­neh­mer nach der VO 2010 be­rech­nen. Sie be­stimmt nicht un­mit­tel­bar, dass ei­ne Überführung in die VO 2010 statt­zu­fin­den hat. Dies be­darf viel­mehr nach Nr. II 2 Buchst. b DV 2009 ei­ner Zu­stim­mung der Ar­beit­neh­mer. Zu­dem zeigt die Präam­bel der DV 2009, dass die Be­triebs­par­tei­en kei­ne Re­ge­lun­gen darüber ge­trof­fen ha­ben, dass Ver­sor­gungs­rech­te nicht mehr er­teilt wer­den.

bb) Die Be­stim­mung zum Ver­sor­gungs­recht ist hin­rei­chend trans­pa­rent (§ 307 Abs. 1 Satz 2 BGB).

(1) Nach § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB kann sich ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung schon dar­aus er­ge­ben, dass die Be­stim­mung nicht klar und verständ­lich ist. Das Trans­pa­renz­ge­bot schließt das Be­stimmt­heits­ge­bot ein. Da­nach müssen die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen so ge­nau be­schrie­ben wer­den, dass für den Ver­wen­der kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten Be-

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ur­tei­lungs­spielräume ent­ste­hen. Sinn des Trans­pa­renz­ge­bots ist es, der Ge­fahr vor­zu­beu­gen, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders von der Durch­set­zung be­ste­hen­der Rech­te ab­ge­hal­ten wird. Die Vor­aus­set­zun­gen und der Um­fang der Leis­tungs­pflicht müssen des­halb so be­stimmt oder zu­min­dest so be­stimm­bar sein, dass der Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders be­reits bei Ver­trags­schluss er­ken­nen kann, was auf ihn zu­kommt. Ei­ne Klau­sel ver­letzt das Be­stimmt­heits­ge­bot, wenn sie ver­meid­ba­re Un­klar­hei­ten enthält und Spielräume eröff­net. Ein Ver­s­toß ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot liegt des­halb nicht schon dann vor, wenn der Ar­beit­neh­mer kei­ne oder nur ei­ne er­schwer­te Möglich­keit hat, die be­tref­fen­de Re­ge­lung zu ver­ste­hen. Erst in der Ge­fahr, dass der Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders we­gen un­klar ab­ge­fass­ter All­ge­mei­ner Ver­trags­be­din­gun­gen sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt, liegt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung iSv. § 307 Abs. 1 BGB (st. Rspr., et­wa BAG 21. Ja­nu­ar 2015 - 10 AZR 84/14 - Rn. 33 mwN, BA­GE 150, 286).

(2) Dar­an ge­mes­sen ist die streit­be­fan­ge­ne Re­ge­lung hin­rei­chend klar und verständ­lich.

Der Be­griff „Di­rekt­zu­sa­gen auf be­am­tenähn­li­che Ver­sor­gung“ ist in der An­la­ge 3a durch den Klam­mer­zu­satz „Ver­sor­gungs­recht“ näher de­fi­niert. Wie das Mit­ar­bei­ter­hand­buch, die im In­tra­net veröffent­lich­te Ent­schei­dung der Be­klag­ten vom 21. Ju­li 2009, die auf der In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung am 25. Ja­nu­ar 2010 ver­wen­de­te Präsen­ta­ti­on so­wie die eben­falls im In­tra­net veröffent­lich­ten Fra­gen und Ant­wor­ten zei­gen, han­delt es sich bei die­sen bei­den For­mu­lie­run­gen um bei der Be­klag­ten gebräuch­li­che Be­grif­fe. Sie be­zeich­nen - für die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar - schlag­wort­ar­tig das von der Be­klag­ten nach ei­ner be­stimm­ten Beschäfti­gungs­zeit und un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen er­folg­te An­ge­bot an die Ar­beit­neh­mer auf Ab­schluss des vor­lie­gend be­gehr­ten Ver­sor­gungs­ver­trags. Auch der übri­ge In­halt der Re­ge­lung ist hin­rei­chend klar. Mit der For­mu­lie­rung „Ich bin mit der Ein­stel­lung der Er­tei­lung ... ein­ver­stan­den“ war für die un­ter­zeich­nen­den Ar­beit­neh­mer er­kenn­bar, dass sie sich mögli­cher Rech­te in Be­zug auf den Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags be­ge­ben und

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ih­nen zukünf­tig nur noch Ansprüche auf Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nach Maßga­be der VO 2010 zu­ste­hen.

Unschädlich für die er­for­der­li­che Be­stimmt­heit der Klau­sel ist, dass sich ihr In­halt für die Ar­beit­neh­mer ggf. erst im We­ge der Aus­le­gung er­mit­teln lässt. Die Ge­fahr, dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer we­gen un­klar ab­ge­fass­ter All­ge­mei­ner Ver­trags­be­din­gun­gen ih­re Rech­te nicht wahr­neh­men, be­stand da­durch vor­lie­gend nicht.

cc) Die in der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung ent­hal­te­ne Be­stim­mung zum Ver­sor­gungs­recht be­nach­tei­ligt den Kläger auch nicht ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen (§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB).

(1) Die Be­stim­mun­gen in der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung sind un­ein­ge­schränkt kon­trollfähig.

(a) Nach § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB fin­det ei­ne un­ein­ge­schränk­te In­halts­kon­trol­le nur statt, wenn durch Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de oder die­se ergänzen­de Re­ge­lun­gen ver­ein­bart wer­den. Da­nach sind for­mu­larmäßige Ab­re­den zu den Haupt­leis­tungs­pflich­ten aus Gründen der Ver­trags­frei­heit gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB re­gelmäßig von der ge­setz­li­chen In­halts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB aus­ge­nom­men (st. Rspr., vgl. nur BAG 24. Fe­bru­ar 2016 - 5 AZR 258/14 - Rn. 37 mwN). Auch Klau­seln, die Rechts­vor­schrif­ten nur wie­der­ho­len oder in je­der Hin­sicht mit ih­nen übe­rein­stim­men (sog. de­kla­ra­to­ri­sche Klau­seln) sind ei­ner In­halts­kon­trol­le ent­zo­gen (vgl. et­wa BAG 15. Sep­tem­ber 2009 - 3 AZR 17/09 - Rn. 35, BA­GE 132, 100).

(b) Die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung enthält Rechts­vor­schrif­ten ergänzen­de Be­stim­mun­gen.

(aa) Zu den Rechts­vor­schrif­ten iSd. § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB gehören ne­ben dem dis­po­si­ti­ven Ge­set­zes­recht auch an­er­kann­te, un­ge­schrie­be­ne Rechts­grundsätze und Prin­zi­pi­en so­wie die Ge­samt­heit der we­sent­li­chen Rech­te und Pflich­ten, die sich aus der Na­tur des Ver­trags er­ge­ben (vgl. et­wa BAG

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19. Fe­bru­ar 2014 - 5 AZR 920/12 - Rn. 22 mwN; 18. Ja­nu­ar 2012 - 10 AZR 612/10 - Rn. 20 mwN, BA­GE 140, 231; BGH 14. Ok­to­ber 1997 - XI ZR 167/96 - zu I 2 a der Gründe mwN, BGHZ 137, 27). Hier­zu zählt auch das sich aus § 779 BGB er­ge­ben­de ge­setz­li­che Ver­trags­leit­bild. Da­nach ist ei­ne Un­ge­wiss­heit über die Rechts­la­ge oder ein Rechts­verhält­nis durch ge­gen­sei­ti­ges Nach­ge­ben zu be­sei­ti­gen. Die Re­ge­lung des § 779 BGB be­stimmt nicht nur, wann Ver­glei­che un­wirk­sam sind, son­dern enthält zu­dem ein ge­setz­li­ches Leit­bild für Ver­ein­ba­run­gen, mit de­nen ein im Hin­blick auf ein Schuld­verhält­nis ins­ge­samt oder in ein­zel­nen Punk­ten be­ste­hen­der Streit oder ei­ne recht­li­che Un­ge­wiss­heit be­sei­tigt wer­den soll. Vor­aus­set­zung ist, dass tatsächlich ei­ne Rechts­un­si­cher­heit be­sei­tigt wer­den soll. Dies er­for­dert, dass sich der Ar­beit­ge­ber als Ver­wen­der All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen im Vor­feld der Ver­tragsände­rung im Hin­blick auf die geänder­ten Re­ge­lun­gen ei­ner Rechts­po­si­ti­on berühmt. Die bloße Rechts­ge­stal­tung ist da­ge­gen nicht am Leit­bild des § 779 BGB zu mes­sen (vgl. auch BAG 13. Mai 1998 - 7 ABR 65/96 - zu B I der Gründe).

(bb) Da­nach un­ter­lie­gen die Be­stim­mun­gen in der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung der un­ein­ge­schränk­ten In­halts­kon­trol­le. Die Be­klag­te hat­te vor Ab­schluss der Ver­ein­ba­rung gel­tend ge­macht, die Richt­li­ni­en der Ver­sor­gungs­kas­se über ei­ne Ver­sor­gung nach be­am­ten­recht­li­chen Grundsätzen mit Ab­lauf des 31. De­zem­ber 2009 mit Wir­kung für die Zu­kunft wi­der­ru­fen zu dürfen und den Ar­beit­neh­mern da­her bei Ein­tritt ei­nes Ver­sor­gungs­falls Leis­tun­gen nur noch ent­spre­chend § 2 Abs. 1 Be­trAVG gewähren zu müssen. Zu­dem hat­te sie sich des Rechts berühmt, die Er­tei­lung von Ver­sor­gungs­rech­ten ein­sei­tig ein­stel­len zu dürfen. Ob die von ihr ein­ge­nom­me­nen Rechts­po­si­tio­nen zu­tref­fend wa­ren, war nicht ab­sch­ließend geklärt. Die­se recht­li­che Un­si­cher­heit wur­de durch die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung be­sei­tigt.

(2) Der Kläger wird durch die Be­stim­mun­gen in der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung nicht un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt iSv. § 307 Abs. 1 Satz 1 iVm. Abs. 2 BGB.

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(a) Un­an­ge­mes­sen iSv. § 307 Abs. 1 BGB ist je­de Be­ein­träch­ti­gung ei­nes recht­lich an­er­kann­ten In­ter­es­ses des Ar­beit­neh­mers, die nicht durch be­gründe­te und bil­li­gens­wer­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ge­recht­fer­tigt ist oder durch gleich­wer­ti­ge Vor­tei­le aus­ge­gli­chen wird. Die Fest­stel­lung ei­ner un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung setzt ei­ne wech­sel­sei­ti­ge Berück­sich­ti­gung und Be­wer­tung recht­lich an­zu­er­ken­nen­der In­ter­es­sen der Ver­trags­part­ner vor­aus. Da­bei be­darf es ei­ner um­fas­sen­den Würdi­gung der bei­der­sei­ti­gen Po­si­tio­nen un­ter Berück­sich­ti­gung des Grund­sat­zes von Treu und Glau­ben. Bei der Be­ur­tei­lung der Un­an­ge­mes­sen­heit ist ein ge­ne­rel­ler, ty­pi­sie­ren­der, vom Ein­zel­fall los­gelöster Maßstab an­zu­le­gen. Ab­zuwägen sind die In­ter­es­sen des Ver­wen­ders ge­genüber den In­ter­es­sen der ty­pi­scher­wei­se be­tei­lig­ten Ver­trags­part­ner. Im Rah­men der In­halts­kon­trol­le sind Art und Ge­gen­stand, Zweck und be­son­de­re Ei­gen­art des je­wei­li­gen Geschäfts zu berück­sich­ti­gen. Zu prüfen ist, ob der Klau­sel­in­halt bei der in Re­de ste­hen­den Art des Rechts­geschäfts ge­ne­rell und un­ter Berück­sich­ti­gung der ty­pi­schen In­ter­es­sen der be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners er­gibt (st. Rspr., vgl. et­wa BAG 21. April 2016 - 8 AZR 474/14 - Rn. 67; 10. De­zem­ber 2013 - 3 AZR 796/11 - Rn. 41 mwN, BA­GE 147, 1).

Nach § 307 Abs. 2 BGB ist ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Zwei­fel an­zu­neh­men, wenn ei­ne Be­stim­mung mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, von der ab­ge­wi­chen wird, nicht zu ver­ein­ba­ren ist (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB) oder sie we­sent­li­che Rech­te oder Pflich­ten, die sich aus der Na­tur des Ver­trags er­ge­ben, so ein­schränkt, dass die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks gefähr­det ist (§ 307 Abs. 2 Nr. 2 BGB).

Bei Ver­brau­cher­verträgen - zu de­nen auch vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­te Verträge mit Ar­beit­neh­mern gehören (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - zu V der Gründe, BA­GE 115, 19) - sind bei der Be­ur­tei­lung der un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung iSv. § 307 Abs. 1 und Abs. 2 BGB nach § 310 Abs. 3 Nr. 3 BGB auch die den Ver­trags­schluss be­glei­ten­den Umstände zu berück­sich­ti­gen. Die Berück­sich­ti­gung die­ser Umstände kann so­wohl zur Un­wirk­sam­keit ei­ner nach ge­ne­rell-abs­trak­ter Be­trach­tung wirk­sa­men Klau­sel als auch zur Wirk­sam­keit ei­ner nach ty­pi­sier­ter In­halts­kon­trol­le un­wirk­sa­men Klau­sel

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führen (vgl. BAG 21. April 2016 - 8 AZR 474/14 - Rn. 69; 21. Au­gust 2012 - 3 AZR 698/10 - Rn. 27, BA­GE 143, 30).

(b) Da­nach liegt kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Klägers vor. 

(aa) Die Be­stim­mun­gen in der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung sind mit dem ge­setz­li­chen Leit­bild des § 779 BGB nicht un­ver­ein­bar.

§ 779 BGB geht da­von aus, dass ein im Hin­blick auf ein Rechts­verhält­nis be­ste­hen­der Streit oder ei­ne recht­li­che Un­ge­wiss­heit durch ge­gen­sei­ti­ges Nach­ge­ben be­sei­tigt wer­den soll. Ei­ne le­dig­lich ein­sei­ti­ge Um­ge­stal­tung ei­nes Rechts­verhält­nis­ses steht mit die­sem Mo­dell in Wi­der­spruch, weil ihr kein ge­gen­sei­ti­ges Nach­ge­ben zu­grun­de liegt (vgl. auch BAG 21. April 2016 - 8 AZR 474/14 - Rn. 74; 15. März 2005 - 9 AZR 502/03 - zu II 2 c bb (3) der Gründe, BA­GE 114, 97). Ent­schei­dend ist, ob bei wer­ten­der Be­trach­tung un­ter Ein­be­zie­hung auch der den Ver­trags­schluss be­glei­ten­den Umstände ei­ne un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen­de ein­sei­ti­ge Fest­set­zung der Be­din­gun­gen vor­liegt (vgl. BAG 21. April 2016 - 8 AZR 474/14 - Rn. 76).

Das ist vor­lie­gend nicht der Fall. Die Be­klag­te be­fand sich in den Jah­ren 2008 und 2009 in ei­ner ih­re Exis­tenz be­dro­hen­den wirt­schaft­li­chen La­ge. An­ge­sichts die­ser Umstände war ih­re An­nah­me, die Zu­sa­ge ei­ner Ver­sor­gung nach be­am­ten­recht­li­chen Grundsätzen durch die Ver­sor­gung­kas­se hin­sicht­lich der zukünf­ti­gen Zuwächse wi­der­ru­fen zu können, recht­lich nicht fern­lie­gend. Auch die Fra­ge, ob die Be­klag­te ih­re bis­he­ri­ge Pra­xis, un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen Ver­sor­gungs­rech­te zu er­tei­len, ein­sei­tig ein­stel­len durf­te, war bei Ab­schluss der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung höchst­rich­ter­lich noch nicht ab­sch­ließend geklärt. Auf­grund ih­rer er­heb­li­chen wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten hat­te die Be­klag­te zu­dem ein In­ter­es­se dar­an, ihr bis­lang gel­ten­des be­am­tenähn­li­ches Ver­sor­gungs­sys­tem ins­ge­samt rechts­si­cher ab­zulösen. Vor die­sem Hin­ter­grund enthält die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung - ge­mes­sen am Grund­satz ge­gen­sei­ti­gen Nach­ge­bens - kei­ne un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen­de ein­sei­ti­ge Fest­set­zung der Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen. Durch die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung wer­den das bis­he­ri­ge be­am­tenähn­li­che Ver­sor­gungs­sys­tem und da­mit auch ei­ne mögli­che Ver­pflich­tung der Be­klag­ten auf Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs-

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ver­trags nicht er­satz­los auf­ge­ho­ben. Viel­mehr gewährt die Be­klag­te den be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern auch für die Zu­kunft wei­ter­hin Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung nach Maßga­be der VO 2010. Da­mit ha­ben die Ar­beit­neh­mer, die das An­ge­bot an­ge­nom­men ha­ben, wei­ter­hin die Möglich­keit, für zukünf­ti­ge Beschäfti­gungs­zei­ten Ver­sor­gungs­an­wart­schaf­ten zu er­wer­ben.

Der Ein­wand des Klägers, er ha­be im Fall der Ab­leh­nung des An­ge­bots der Be­klag­ten ei­ne Ver­sor­gungslücke für sich und sei­ne Fa­mi­lie befürch­tet, recht­fer­tigt kein an­de­res Er­geb­nis. Es be­stand nicht nur für die Ar­beit­neh­mer, son­dern auch für die Be­klag­te zum Zeit­punkt des Ände­rungs­an­ge­bots ei­ne un­geklärte Rechts­la­ge, die für bei­de Sei­ten mit wirt­schaft­li­chen Ri­si­ken ver­bun­den war. Die Be­klag­te hat auch nicht da­durch un­an­ge­mes­se­nen Druck auf die Ar­beit­neh­mer aus­geübt, dass sie sich ei­ner ein­deu­tig nicht be­rech­tig­ten Rechts­po­si­ti­on berühmt hat. Vor die­sem Hin­ter­grund dien­te da­her der Ab­schluss der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung der Pla­nungs­si­cher­heit bei­der Par­tei­en. Durch die An­nah­me des An­ge­bots hat der Kläger es vor­ge­zo­gen, Ge­wiss­heit über den Um­fang sei­ner Ver­sor­gungs­ansprüche zu er­lan­gen.

(bb) Das im Schuld­recht ver­an­ker­te und an­er­kann­te Äqui­va­lenz­prin­zip ge­bie­tet vor­lie­gend kein an­de­res Er­geb­nis.

Das Äqui­va­lenz­prin­zip, das zu den Rechts­grundsätzen iSd. § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB gehört, dient da­zu, das ursprüng­lich von den Par­tei­en fest­ge­leg­te Verhält­nis von Leis­tung und Ge­gen­leis­tung zu er­hal­ten (vgl. et­wa BAG 19. Fe­bru­ar 2014 - 5 AZR 920/12 - Rn. 22 mwN). Ver­ein­ba­run­gen, durch die der Ar­beit­neh­mer durch ein­sei­ti­gen Ver­zicht oder Er­lass oh­ne recht­fer­ti­gen­de sach­li­che Gründe und kom­pen­sa­to­ri­sche Ge­gen­leis­tung be­reits ent­stan­de­ne Ansprüche ver­liert, sind hier­mit nicht in Ein­klang zu brin­gen (vgl. BAG 19. Fe­bru­ar 2014 - 5 AZR 920/12 - Rn. 22 ff.; 21. Ju­ni 2011 - 9 AZR 203/10 - Rn. 44 mwN, BA­GE 138, 136). Et­was an­de­res gilt je­doch dann, wenn zwi­schen den Par­tei­en Streit oder ei­ne recht­li­che Un­ge­wiss­heit über das Rechts­verhält­nis be­steht. Ei­ne der­ar­ti­ge Un­si­cher­heit kann - wie vor­lie­gend - ent­spre­chend dem Rechts­ge­dan­ken des § 779 BGB im We­ge des ge­gen­sei­ti­gen Nach­ge­bens be-

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rei­nigt wer­den. Schon des­halb kommt es nicht dar­auf an, in­wie­weit durch die ver­trag­li­che Neu­re­ge­lung er­dien­te Ren­ten­an­wart­schaf­ten be­trof­fen sind.

(cc) Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung durch die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung er­gibt sich auch we­der dar­aus, dass die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer nicht hin­rei­chend deut­lich darüber auf­geklärt wur­den, wie sich ei­ne Ab­leh­nung des An­ge­bots auf ih­re Ver­sor­gung aus­wirkt, noch dar­aus, dass die Be­klag­te die Möglich­keit zur An­nah­me des An­ge­bots zeit­lich be­fris­tet hat.

Die Be­klag­te hat die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer in dem Be­gleit­schrei­ben vom 5. Fe­bru­ar 2010 über die ih­rer An­sicht nach ein­tre­ten­den Fol­gen bei ei­ner nicht in­ner­halb der Frist er­fol­gen­den An­nah­me des An­ge­bots aus­rei­chend un­ter­rich­tet. Die den Ar­beit­neh­mern ein­geräum­te An­nah­me­frist von über vier Wo­chen war hin­rei­chend lang. Im Übri­gen be­stand noch nach Ab­lauf der Frist bis zum 31. De­zem­ber 2014 die Möglich­keit, dem Wech­sel in die VO 2010 zu­zu­stim­men.

d) Die Ände­rungs­ver­ein­ba­rung verstößt auch nicht ge­gen § 3 Be­trAVG. Die Vor­schrift fin­det nur auf Ver­ein­ba­run­gen An­wen­dung, die im Zu­sam­men­hang mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­trof­fen wer­den. Ver­ein­ba­run­gen im lau­fen­den Ar­beits­verhält­nis - wie im Streit­fall - wer­den nicht er­fasst (vgl. BAG 19. Ju­li 2016 - 3 AZR 88/15 - Rn. 34 mwN).

e) Die Be­klag­te hat nicht ge­gen den aus § 242 BGB fol­gen­den Grund­satz des Ver­bots wi­dersprüchli­chen Ver­hal­tens („ve­ni­re con­tra fac­tum pro­pri­um“) ver­s­toßen. Auch wenn sie die Rechts­po­si­ti­on ein­ge­nom­men hat, sie dürfe die Er­tei­lung von Ver­sor­gungs­rech­ten ein­sei­tig ein­stel­len, ist es nicht miss­bräuch­lich, wenn sie zur Ab­si­che­rung ih­rer Rechts­auf­fas­sung ei­ne Klärung im We­ge ei­ner ver­gleichs­wei­sen Ei­ni­gung her­beiführt. Die Rechts­ord­nung lässt wi­dersprüchli­ches Ver­hal­ten grundsätz­lich zu. Ei­ne Par­tei darf ih­re Rechts­an­sicht ändern (vgl. BAG 11. No­vem­ber 2014 - 3 AZR 849/11 - Rn. 64 mwN). Wi­dersprüchli­ches Ver­hal­ten ist nur dann miss­bräuch­lich, wenn für den an­de­ren Teil ein Ver­trau­en­stat­be­stand ent­stan­den ist oder wenn an­de­re be­son­de­re Umstän-

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de die Rechts­ausübung als treu­wid­rig er­schei­nen las­sen (BAG 19. Ju­li 2016 - 3 AZR 134/15 - Rn. 57 mwN). Bei­des ist nicht der Fall.

2. Auf ei­ne we­sent­li­che Ände­rung der Geschäfts­grund­la­ge nach § 313 Abs. 1, Abs. 3 Satz 1 BGB kann der Kläger sei­ne Ansprüche in der Re­vi­si­on nicht stützen.

a) In der Re­vi­si­ons­in­stanz ist die Einführung neu­er pro­zes­sua­ler Ansprüche bzw. die An­trags­er­wei­te­rung in der Re­gel aus­ge­schlos­sen. Das Re­vi­si­ons­ge­richt prüft, ob die Vor­in­stanz über die Kla­ge rechts­feh­ler­frei ent­schie­den hat. Der Be­ur­tei­lung des Re­vi­si­ons­ge­richts un­ter­liegt da­bei nach § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO nur das­je­ni­ge Par­tei­vor­brin­gen, das aus dem Be­ru­fungs­ur­teil oder dem Sit­zungs­pro­to­koll er­sicht­lich ist. Mit dem En­de der Be­ru­fungs­ver­hand­lung wird die Ur­teils­grund­la­ge ab­ge­schlos­sen. Ei­ne Kla­ge­er­wei­te­rung, mit der ein neu­er Streit­ge­gen­stand ein­geführt wird, ist des­halb in der Re­vi­si­ons­in­stanz grundsätz­lich nicht möglich (vgl. et­wa BAG 10. März 2015 - 3 AZR 36/14 - Rn. 21 mwN).

b) Der Kläger hat sich in den Vor­in­stan­zen dar­auf gestützt, die Aus­le­gung sei­ner Erklärun­gen er­ge­be, dass er nicht auf das Ver­sor­gungs­recht ha­be ver­zich­ten wol­len; ein der­ar­ti­ger Ver­zicht sei auch un­wirk­sam, je­den­falls an­fecht­bar. Ihm ste­he je­den­falls Scha­dens­er­satz we­gen vorsätz­li­cher und fahrlässi­ger Täuschung durch die Be­klag­te zu. Auf ei­ne Störung der Geschäfts­grund­la­ge hat er sich nicht be­ru­fen. In­so­weit liegt ein neu­er pro­zes­sua­ler An­spruch vor, weil der Kläger da­mit nicht an Umstände beim Ver­trags­schluss, son­dern an die Ent­schei­dun­gen des Se­nats vom 15. Mai 2012 an­knüpft. Dies ist ein an­de­rer Le­bens­sach­ver­halt.

3. Dem Kläger steht auch kein An­spruch auf Auf­he­bung der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung un­ter dem Ge­sichts­punkt des Scha­dens­er­sat­zes nach § 280 Abs. 1, § 241 Abs. 2, § 249 BGB zu. Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on hat die Be­klag­te kei­ne Ne­ben­pflich­ten iSd. § 241 Abs. 2 BGB ver­letzt.

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a) Der Ar­beit­ge­ber ist auf­grund ei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ne­ben­pflicht ver­pflich­tet, die im Zu­sam­men­hang mit dem Ar­beits­verhält­nis ste­hen­den In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers so zu wah­ren, wie dies un­ter Berück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen und Be­lan­ge bei­der Ver­trags­par­tei­en nach Treu und Glau­ben ver­langt wer­den kann. Die Schutz- und Rück­sicht­nah­me­pflicht des Ar­beit­ge­bers gilt auch für die Vermögens­in­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer. Dar­aus können sich Hin­weis- und In­for­ma­ti­ons­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers er­ge­ben (vgl. BAG 21. Ja­nu­ar 2014 - 3 AZR 807/11 - Rn. 15 mwN, BA­GE 147, 155).

Die ar­beits­ver­trag­li­chen Ne­ben­pflich­ten des Ar­beit­ge­bers be­schränken sich zwar nicht dar­auf, den Ar­beit­neh­mern kei­ne fal­schen und un­vollständi­gen Auskünf­te zu er­tei­len. Der Ar­beit­ge­ber kann zur Ver­mei­dung von Rechts­nach­tei­len auch ge­hal­ten sein, von sich aus ge­eig­ne­te Hin­wei­se zu ge­ben. Grundsätz­lich hat al­ler­dings je­de Par­tei für die Wahr­neh­mung ih­rer In­ter­es­sen selbst zu sor­gen und sich Klar­heit über die Fol­gen ih­res Han­delns zu ver­schaf­fen. Hin­weis- und Aufklärungs­pflich­ten be­ru­hen auf den be­son­de­ren Umständen des Ein­zel­falls und sind das Er­geb­nis ei­ner um­fas­sen­den In­ter­es­sen­abwägung. Die er­kenn­ba­ren In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis­se des Ar­beit­neh­mers ei­ner­seits und die Be­ra­tungsmöglich­kei­ten des Ar­beit­ge­bers an­de­rer­seits sind stets zu be­ach­ten. Wie groß das In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis des Ar­beit­neh­mers ist, hängt ins­be­son­de­re von der Schwie­rig­keit der Rechts­ma­te­rie so­wie dem Aus­maß der dro­hen­den Nach­tei­le und de­ren Vor­her­seh­bar­keit ab (vgl. BAG 21. Ja­nu­ar 2014 - 3 AZR 807/11 - Rn. 16 mwN, BA­GE 147, 155).
b) Nach die­sen Grundsätzen liegt kein pflicht­wid­ri­ges Ver­hal­ten der Be­klag­ten vor.

aa) Ent­ge­gen der An­sicht der Re­vi­si­on muss­te die Be­klag­te den Kläger nicht über das recht­li­che Ri­si­ko bei der ein­sei­ti­gen Ein­stel­lung der be­am­tenähn­li­chen Ver­sor­gung oder ei­ne mögli­che Er­for­der­lich­keit der in­di­vi­du­el­len Zu­stim­mung hierfür un­ter­rich­ten. Die Fra­ge der Zulässig­keit des Vor­ge­hens der Be­klag­ten war Ge­gen­stand zahl­rei­cher ge­richt­li­cher Ver­fah­ren. Im Hin­blick auf die­se lau­fen­den Ver­fah­ren be­stand für die Be­klag­te kei­ne Ob­lie­gen­heit, auf ei-

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ne mögli­che Feh­ler­haf­tig­keit ih­rer so­wohl in als auch außer­halb der Ver­fah­ren ver­tre­te­nen Rechts­auf­fas­sung hin­zu­wei­sen.

Zu­dem war für die Be­klag­te nicht er­kenn­bar, dass bei dem Kläger in so­weit ein In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis be­stand. Kurz vor Über­sen­dung der An­ge­bo­te auf Überführung der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung hat­te das Ar­beits­ge­richt München zwei Kla­gen von Ar­beit­neh­mern auf Er­tei­lung von Ver­sor­gungs­rech­ten statt­ge­ge­ben. Die Be­klag­te durf­te sich dar­auf ver­las­sen, dass der Kläger die zu die­sem The­ma im In­tra­net veröffent­lich­te Stel­lung­nah­me der Be­klag­ten zur Kennt­nis nimmt und sich vor Un­ter­zeich­nung der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung über den Stand der Dis­kus­si­on in­for­miert und ggf. recht­li­chen Rat ein­holt.

bb) Die Be­klag­te war auch nicht ge­hal­ten, den Kläger noch wei­ter über den In­halt und die Be­deu­tung der be­am­tenähn­li­chen Ver­sor­gung so­wie über die Un­ter­schie­de zwi­schen dem Sys­tem nach der VO 2010 und der al­ten be­am­tenähn­li­chen Ver­sor­gung zu un­ter­rich­ten. Für die Be­klag­te be­stand kei­ne Ver­an­las­sung an­zu­neh­men, dass der Kläger in­so­weit noch ein in­di­vi­du­el­les In­for­ma­ti­ons­bedürf­nis hat­te. Der In­halt des „neu­en“ Sys­tems nach der VO 2010 stand im In­tra­net zur Verfügung. Die Be­klag­te durf­te sich dar­auf ver­las­sen, dass der Kläger die­sen zur Kennt­nis neh­men würde. Selbst wenn man zu­guns­ten des Klägers annähme, dass ihm nicht al­le mit dem Ab­schluss ei­nes Ver­sor­gungs­ver­trags ver­bun­de­nen Vor­tei­le be­kannt ge­we­sen sind, muss­te die Be­klag­te nicht mit ei­nem wei­ter ge­hen­den Un­ter­rich­tungs­be­darf bei dem Kläger rech­nen. Der In­halt der be­am­tenähn­li­chen Ver­sor­gung er­gab sich aus dem Mit­ar­bei­ter­hand­buch. An­ge­sichts der zu­dem im In­tra­net veröffent­lich­ten Fra­gen und Ant­wor­ten durf­te die Be­klag­te dar­auf ver­trau­en, dass den Ar­beit­neh­mern die we­sent­li­chen In­hal­te des Ver­sor­gungs­rechts be­kannt wa­ren.

cc) Die Be­klag­te muss­te den Kläger nicht dar­auf hin­wei­sen, dass es sich bei der Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en um ei­ne Art „Kla­ge­ver­zichts­ver­trag oder Ver­gleich“ han­del­te. Vor dem Hin­ter­grund der bei der Be­klag­ten be­ste­hen­den Si­tua­ti­on war an­ge­sichts des In­halts der An­la­ge 3a für den Kläger er­kenn­bar, dass der dar­in an­ge­bo­te­nen Ver­ein­ba­rung ei­ne ent­spre­chen­de Wir­kung zu­kam.

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dd) An­ders als von der Re­vi­si­on an­ge­nom­men, hat die Be­klag­te dem Kläger kei­ne Falschauskünf­te er­teilt. So­weit sich die Be­klag­te trotz der da­mit ver­bun­de­nen recht­li­chen Ri­si­ken für be­rech­tigt ge­hal­ten hat, den Ab­schluss von Ver­sor­gungs­verträgen für die Zu­kunft ein­sei­tig ein­zu­stel­len, hat sie er­kenn­bar le­dig­lich ei­ne - wenn auch letzt­lich un­zu­tref­fen­de - Rechts­mei­nung ver­tre­ten, nicht je­doch die Ar­beit­neh­mer über ei­ne be­stimm­te - ob­jek­ti­ve - Rechts­la­ge un­ter­rich­ten wol­len. Die Be­klag­te hat die­se Rechts­auf­fas­sung auch nicht wi­der bes­se­res Wis­sen kund­ge­tan. Zwar gab es bei ihr in­ter­ne Stel­lung­nah­men, die ge­gen die Rechts­an­sicht der Be­klag­ten spra­chen. Die Be­klag­te hat je­doch ein ex­ter­nes Rechts­gut­ach­ten in Auf­trag ge­ge­ben, wel­ches im Mai 2009 zu dem Er­geb­nis kam, die Be­klag­te könne ih­re bis­he­ri­ge Pra­xis zur Er­tei­lung von Ver­sor­gungs­rech­ten be­en­den. Die Be­klag­te war be­rech­tigt, sich die­se Rechts­an­sicht des ex­ter­nen Gut­ach­ters zu ei­gen zu ma­chen. An­ge­sichts der zahl­rei­chen anhängi­gen Ge­richts­ver­fah­ren und der bei­den noch vor Ab­schluss der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer er­gan­ge­nen ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen muss­te der Kläger da­mit rech­nen, dass die Auf­fas­sung der Be­klag­ten un­zu­tref­fend sein konn­te.

B. Ei­ner Vor­la­ge an den EuGH nach Art. 267 AEUV be­darf es nicht. Die Fra­ge, ob es mit der Richt­li­nie 2002/14/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 11. März 2002 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Un­ter­rich­tung und Anhörung der Ar­beit­neh­mer in der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft so­wie mit Art. 27 und Art. 28 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on ver­ein­bar wäre, wenn von den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tun­gen veröffent­lich­te In­for­ma­tio­nen dem Ar­beit­ge­ber zu­ge­rech­net wer­den, ist für den Rechts­streit nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Auf vom Per­so­nal­rat veröffent­lich­te In­for­ma­tio­nen kommt es vor­lie­gend nicht ent­schei­dend an.

C. Die Hilfs­wi­der­kla­ge der Be­klag­ten ist dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an­ge­fal­len.

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D. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO. 

Zwan­zi­ger
Ah­rendt
Wem­heu­er
Wi­sch­nath
Hor­mel

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