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Arbeitsrecht aktuell: 09/151 Abmahnung wegen islamischer Baskenmütze in der Schule rechtens
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Beschäftigten öffentlicher Einrichtungen kann es verboten werden, sich religiös zu äußern
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.08.2009, 2 AZR 499/08
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von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Über welche Rechtsfrage hat das Bundesarbeitsgericht entschieden?
24.08.2009. In einer Entscheidung aus dem Jahre 2003 stellte das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) für den Bereich des öffentlichen Dienstes klar, dass ein Verbot religiöser Bekundungen in öffentlichen Schulen nur auf einer gesetzlichen Grundlage möglich ist (BVerfG, Urteil vom 24.09.2003, 2 BvR 1436/02). Soll daher in öffentlichen Schulen ein sogenanntes Kopftuchverbot gelten, braucht es dafür eine (landes-)gesetzliche Grundlage.
Auf der Grundlage dieses Urteils des BVerfG erließ der Landesgesetzgeber in Nordrhein-Westfalen zum 01.08.2006 ein gesetzliches Neutralitätsgebot für Lehrer an staatlichen Schulen. Das Neutralitätsgebot ist in § 57 Abs.4 Satz 1 des nordrhein-westfälischen Schulgesetzes geregelt und lautet:
„Lehrerinnen und Lehrer dürfen in der Schule keine politischen, religiösen, weltanschaulichen oder ähnliche äußere Bekundungen abgeben, die geeignet sind, die Neutralität des Landes gegenüber Schülerinnen und Schülern sowie Eltern oder den politischen, religiösen, weltanschaulichen Schulfrieden zu gefährden oder zu stören.“
In der Folge wurde über die Frage gestritten, ob diese landesgesetzliche Vorgabe mit den Vorgaben des Grundgesetzes (GG) zu vereinbaren ist und ob bzw. unter welchen Voraussetzungen Sanktionen der Schulverwaltung bei Verstößen gegen das Neutralitätsgebot zulässig sind - oder vielleicht eine verbotene Diskriminierung aus Gründen der Religion darstellen. Über einen solchen Fall hatte das Bundesarbeitsgericht (BAG) vor einigen Tagen zu entscheiden (Urteil vom 20.08.2009, 2 AZR 499/08).
Welcher Sachverhalt lag der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts zugrunde?
In einem aus Nordrhein-Westfalen stammenden Fall hatte eine moslemische Sozialarbeiterin, die seit 1997 an einer öffentlichen Schule arbeitete und immer schon ein „moslemisches Kopftuch“ trug, dieses gegen eine andere Art der Kopfbedeckung eingetauscht, als sie nach Erlass des gesetzlichen Neutralitätsgebots von der Schulverwaltung zum Ablegen des Kopftuchs aufgefordert worden war.
Als Ersatz des Kopftuchs diente eine Baskenmütze mit Strickbund, die das Haar, den Haaransatz und die Ohren komplett verdeckte. Nachdem die Sozialarbeiterin in einem Personalgespräch einräumt hatte, das Kopftuch stets aus religiösen Gründen getragen zu haben und Fragen nach den Gründen für die Baskenmütze unbeantwortet ließ, erteilte ihr das Land Nordrhein-Westfalen eine Abmahnung wegen Verstoßes gegen das Neutralitätsgebot.
Hiergegen zog die Sozialarbeiterin vor das Arbeitsgericht Düsseldorf, das die gegen die Abmahnung gerichtete Klage ebenso wie das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf in der Berufungsinstanz zurückwies (LAG Düsseldorf, Urteil vom 10.04.2008, 5 Sa 1836/07). Wir berichteten über den Fall in Arbeitsrecht aktuell: 08/066 Abmahnung wegen Tragens einer „islamischen Baskenmütze“. Nunmehr hatte ihn das Bundesarbeitsgericht zu entscheiden.
Wie hat das Bundesarbeitsgericht entschieden?
Auch das Bundesarbeitsgericht entschied zulasten der Sozialarbeiterin, die damit in drei Instanzen verlor. In der derzeit nur vorliegenden Pressemitteilung des BAG heißt es zur Begründung:
Das 2006 geschaffene landesgesetzliche Neutralitätsgebot steht, so das BAG, im Einklang mit dem GG sowie den nationalen und europäischen Diskriminierungsverboten. Eine Kopfbedeckung wie die von der Klägerin im vorliegenden Fall getragene Baskenmütze mit Strickbund, die die Haare, den Haaransatz und die Ohren einer Frau vollständig bedeckt, ist nach Ansicht des BAG als „religiöse Bekundung“ zu bewerten, wenn sie „erkennbar als Ersatz für ein islamisches Kopftuch getragen“ wird. Von einem modischen Accessoire könne daher nicht die Rede sein.
Nähere Informationen zu dem Vorgang finden Sie hier:
Hinweis: In der Zwischenzeit, d.h. nach Erstellung dieses Artikels, hat das Gericht seine Entscheidungsgründe schriftlich abgefasst und veröffentlicht. Die Entscheidungsgründe im Volltext finden Sie hier:

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Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2011
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hannover, 08.02.2012 Chefarzt
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.09.2011, 8 AZR 846/09
Frankfurt, 07.02.2012 Fristlose Kündigung
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 29.08.2011, 7 Sa 248/11
Berlin, 03.02.2012 Kündigungsschutz:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 07.07.2011, 2 AZR 12/10
München, 02.02.2012 Altersdiskriminierung:
Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 01.02.2012, 8 C 24.11
Berlin, 31.01.2012 Betriebsrat:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 04.11.2011, 13 Sa 1549/11
Berlin, 27.01.2012 Befristung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 26.01.2012, Rs. C-586/10 (Kücük)
Berlin, 25.01.2012 Europarecht:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 24.01.2012, C-282/10 (Dominguez)
Frankfurt, 23.01.2012 Mobbingklage:
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.01.2012, 11 Sa 722/10
Berlin, 20.01.2012 Geschäftsführer:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Beschluss vom 08.12.2011, 11 Ta 230/11
Hannover, 19.01.2012 Weihnachtsgeld
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 667/10
Berlin, 17.01.2012 Bewerberdiskriminierung
Schlussanträge des Generalanwalts Paolo Mengozzi vom 12.01.2012, Rs. C-415/10 - Meister
Berlin, 13.01.2012 Betriebsratswahl:
Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 27.07.2011, 7 ABR 61/10
Berlin, 11.01.2012 BAT Altersstufen:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 10.11.2011, 6 AZR 148/09 und 6 AZR 481/09
Berlin, 10.01.2012 CGZP-Tarifverträge:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 09.01.2012, 24 TaBV 1285/11
München, 05.01.2012 Aufhebungsvertrag:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2011, 9 AZR 203/10
Berlin, 03.01.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 21.12.2011, 10 Sa 19/11
Berlin, 20.12.2011 Sozialauswahl:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.12.2011, 2 AZR 42/10
Stuttgart, 05.12.2011 Kündigung:
Arbeitsgericht Stuttgart, Urteil vom 16.03.2011, 30 Ca 1772/10
Berlin, 23.11.2011 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 22.11.2011, C-214/10 - KHS gg. Schulte
Berlin, 05.11.2011 Kündigungsschutzklage:
Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 12.08.2011, 28 Ca 9265/11
München, 02.11.2011 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 03.03.2011, 3 Sa 641/10
Frankfurt, 26.10.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 01.07.2011, 10 Sa 245/11
Frankfurt, 21.10.2011 Fristlose Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 25.07.2011, 17 Sa 1739/10
Hamburg, 23.09.2011 Kündigung:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 11.05.2011, 5 Sa 1/11
Berlin, 14.09.2011 BAT-TVöD:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 08.09.2011, C-297/10 und C-298/10 (Hennings und Mai)
Frankfurt, 13.09.2011 Altersgrenzen:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 13.09.2011, C-447/09 (Prigge u.a.)
Berlin, 12.09.2011 Chefarzt:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
Hannover, 09.09.2011 Arbeitszeitbetrug:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 09.06.2011, 2 AZR 381/10
Berlin, 08.09.2011 Whistleblowing:
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Urteil vom 21.07.2011, 28274/08 (Heinisch)
Berlin, 06.09.2011 Bonus - Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 12.04.2011, 1 AZR 412/09
Frankfurt, 05.09.2011 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.08.2011, 8 AZR 230/10
Berlin, 02.09.2011 GlobeGround Berlin:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
Frankfurt, 31.08.2011 Kündigung:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 18.01.2011, 12 Sa 522/10
Hamburg, 25.08.2011 Probezeitkündigung:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.06.2011, 3 Sa 95/11
Frankfurt, 23.08.2011 Kündigung und Vollmacht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.04.2011, 6 AZR 727/09
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