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Arbeitsrecht aktuell: 11/177 Kündigung eines Chefarztes wegen Wiederverheiratung?
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Dem Chefarzt eines katholischen Krankenhauses kann wegen Wiederverheiratung nicht gekündigt werden, wenn das Krankenhaus seine kirchenrechtlichen nicht konsequent anwendet
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10
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12.09.2011. In einem aktuellen Urteil hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) über die Frage entschieden, ob ein katholisches Krankenhaus einem Chefarzt aus verhaltensbedingten Gründen kündigen kann, weil dieser nach seiner Scheidung zunächst in einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft zusammengelebt und seine Lebenspartnerin einige Zeit später standesamtlich geheiratet hatte (BAG, Urteil vom 08.09.2011, 2 AZR 543/10).
Einerseits repräsentiert der Chefarzt das Krankenhaus und verstößt mit der Wiederverheiratung massiv gegen die Grundordnung des kirchlichen Dienstes, andererseits gehört die Wiederverheiratung zu seiner Privatsphäre und ist durch die Ehefreiheit (Art. 6 Grundgesetz - GG) grundrechtlich geschützt.
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Berlin
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Auch Arbeitnehmer kirchlicher Einrichtungen können sich auf den Kündigungsschutz nach dem KSchG berufen, müssen aber auch kirchliche Rechtsregeln beachten, die gemäß dem Arbeitsvertrag gelten. Daher können alltagsmoralische „Pflichtverstöße“ von Kirchenmitarbeitern eine verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigen.
Bei Kündigungsschutzklagen ist dann das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen, das durch Art. 140 GG in Verb. mit Art 173 Abs. 3 Weimarer Rechtsverfassung (WRV) und die Religionsfreiheit (Art. 4 GG) geschützt wird, mit dem staatlichen Arbeits- und Kündigungsschutzrecht in Einklang zu bringen. Hat der gekündigte Arbeitnehmer eine untergeordnete Position, ziehen kirchliche Arbeitgeber meist den kürzeren. Aber wie ist es mit dem Chefarzt eines katholischen Krankenhauses - kann ihm wegen Wiederverheiratung gekündigt werden? Darum dreht sich ein Urteil des BAG vom 08.09.2011 (2 AZR 543/10).
Ein Chefarzt an einem katholischen Krankenhaus wurde 2006 geschieden und lebte seitdem mit seiner neuen Lebenspartnerin in eheähnlicher Gemeinschaft. Dies wusste und duldete das Krankenhaus seit 2006 stillschweigend. 2008 heiratete er seine Lebensgefährtin standesamtlich. Das Krankenhaus erklärte daraufhin die ordentliche verhaltensbedingte Kündigung. Nach der Grundordnung des kirchlichen Dienstes hatte der Chefarzt durch die ungültige (zweite) Ehe einen erheblichen Pflichtverstoß begangen.
Mit seiner Kündigungsschutzklage hatte der Chefarzt vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf Erfolg (Urteil vom 30.07.2009, 6 Ca 2377/09) und auch in der Berufung vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf (Urteil vom 01.07.2010, 5 Sa 996/09 - wir berichteten in: Arbeitsrecht aktuell 10/205 Zweite Heirat als Kündigungsgrund?).
Auch das BAG entschied für den Chefarzt. In der Pressemitteilung vom 08.09.2011 heißt es dazu, dass ein verhaltensbedingter Kündigungsgrund im Sinne von § 1 KSchG nicht vorlag. Der Chefarzt hatte zwar einen erheblichen Loyalitätsverstoß begangen, der „an sich“ eine Kündigung rechtfertigen würde. Dennoch überwogen letztlich seine Interessen. Denn zum einen hatte das Krankenhaus seine Grundsätze nicht konsequent angewandt, indem es die nichteheliche Gemeinschaft des Chefarztes von 2006 bis 2008 schweigend geduldet hatte. Und zum anderen bekannte sich der Chefarzt nach wie vor zur katholischen Glaubens- und Sittenlehre. Dann aber gehen seine Privatsphäre und seine Ehefreiheit (Art.6 GG) vor.
Fazit: Wer als Führungskraft eine kirchliche Einrichtung repräsentiert, muss kirchliche Grundregeln der Lebensführung beachten, mögen sie auch noch so konservativ sein. Auf diese Regeln kann die Kirche eine Kündigung aber nur stützen, wenn sie den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz und das Verbot widersprüchlichen Verhaltens beachtet. Daran kann eine Kündigung im Einzelfall scheitern.
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Letzte Überarbeitung: 2. April 2012
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Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
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