HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

HANDBUCH ARBEITSRECHT

Be­wer­bungs­kos­ten

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Be­wer­bungs­kos­ten: Hen­sche Rechts­an­wäl­te, Kanz­lei für Ar­beits­recht
Bewerbungsmappe mit darauf liegender Fahrkarte

Auf die­ser Sei­te fin­den Sie In­for­ma­tio­nen dar­über, wer die Kos­ten für die Be­wer­bungs­un­ter­la­gen tra­gen muss, wie der Ar­beit­ge­ber mit ihm über­sand­ten Be­wer­bungs­un­ter­la­gen um­ge­hen muss und wer die Kos­ten für ein Vor­stel­lungs­ge­spräch zu tra­gen hat.

Au­ßer­dem fin­den Sie prak­ti­sche Hin­wei­se da­zu, wie Sie sich als Ar­beit­ge­ber und als Be­wer­ber ver­hal­ten soll­ten, um Miss­ver­ständ­nis­se und recht­li­che Un­klar­hei­ten über die Pflicht zur Tra­gung von Vor­stel­lungs- bzw. Fahrt­kos­ten zu ver­mei­den.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Wer trägt die Kos­ten für Be­wer­bungs­un­ter­la­gen?

Die Kos­ten für die Er­stel­lung Ih­rer Be­wer­bungs­map­pe, d.h. für Fo­tos, Pa­pier, Ko­pi­en und Be­schein­gun­gen, müssen Sie als Be­wer­ber tra­gen, d.h. die hierfür an­fal­len­den Kos­ten - ein­sch­ließlich der Por­to­kos­ten für die Über­mitt­lung der Un­ter­la­gen - können Sie nicht vom Ar­beit­ge­ber er­setzt ver­lan­gen.

An­ders ist aber dann, wenn es sich um un­gewöhn­li­che Un­ter­la­gen han­delt und dafür außer­gewöhn­lich ho­he Kos­ten an­fal­len wie zum Bei­spiel bei ei­nem psy­cho­lo­gi­schen Eig­nungs­gut­ach­ten. Hier muß der Ar­beit­ge­ber die Kos­ten tra­gen.

Was muss der Ar­beit­ge­ber bei Um­gang mit Be­wer­bungs­un­ter­la­gen be­ach­ten?

Der Ar­beit­ge­ber muß die ihm aus­gehändig­ten Be­wer­bungs­un­ter­la­gen sorgfältig auf­be­wah­ren und sie nach Ab­schluß des Be­wer­bungs­ver­fah­rens auf sei­ne Kos­ten un­beschädigt zurück­ge­ben bzw. zurück­sen­den.

Dies gilt je­den­falls dann, wenn die Be­wer­bung auf sei­ne Initia­ti­ve zurück­geht, wenn al­so der Ar­beit­ge­ber ein Zei­tungs­in­se­rat auf­ge­setzt oder beim Ar­beits­amt an­ge­fragt hat.

Was gilt bei Initia­tiv­be­wer­bun­gen?

An­ders ist es al­ler­dings bei ei­ner Be­wer­bung, die auf Initia­ti­ve des Be­wer­bers zurück­geht. Hier wer­den dem Ar­beit­ge­ber un­auf­ge­for­dert Un­ter­la­gen über­sandt, die er nach all­ge­mei­nen Rechts­grundsätzen nicht auf­zu­be­wah­ren und auch nicht auf sei­ne Kos­ten zurück­zu­sen­den braucht.

Bei Initia­tiv­be­wer­bun­gen soll­te man da­her ei­nen aus­rei­chend großen Frei­um­schlag für die Rück­sen­dung der Un­ter­la­gen bei­zufügen. Da­mit erhöht sich natürlich fak­tisch das Ver­lust­ri­si­ko um das Rück­por­to. Al­ler­dings kann man in ei­nem sol­chen Fall auch bes­ser nach­ha­ken, wenn die Un­ter­la­gen nicht bald zurück­ge­schickt wer­den.

Wer muß die Kos­ten für das Vor­stel­lungs­gespräch tra­gen?

Die Kos­ten für das Vor­stel­lungs­gespräch trägt nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung gemäß § 670 Bürger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) der Ar­beit­ge­ber, wenn er ei­nen Be­wer­ber zur Vor­stel­lung auf­ge­for­dert hat. Er muß dem Be­wer­ber dann al­le Auf­wen­dun­gen er­set­zen, die die­ser den Umständen nach für er­for­der­lich hal­ten durf­te.

Der Be­wer­ber ist nämlich im Hin­blick auf das Vor­stel­lungs­gespräch als ein "Be­auf­trag­ter" an­zu­se­hen und der (po­ten­ti­el­le) Ar­beit­ge­ber als "Auf­trag­ge­ber". Da gemäß § 670 BGB zum der Auf­trag­ge­ber zum Er­satz der Auf­wen­dun­gen ver­pflich­tet ist, die der Be­auf­trag­te zum Zweck der Ausführung des Auf­trags macht und die er "den Umständen nach für er­for­der­lich hal­ten darf", kann der Be­wer­ber vom Ar­beit­ge­ber im all­ge­mei­nen, d.h. falls nichts an­de­res ver­ein­bart ist, die Kos­ten der An­rei­se ver­lan­gen.

Was gehört zu den Kos­ten für das Vor­stel­lungs­gespräch?

Zu den zu er­stat­ten­den Auf­wen­dun­gen gehören vor al­lem die Fahrt­kos­ten, falls der Be­wer­ber "mit Wis­sen und Wol­len" des Ar­beit­ge­bers von ei­nem wei­ter ent­fernt lie­gen­den Wohn­ort zum Vor­stel­lungs­gespräch an­reist. Bei An­fahrt mit dem Pkw kann der Be­wer­ber sei­ne Kos­ten ent­spre­chend der steu­er­li­chen Pau­scha­le für die Pkw-Nut­zung ab­rech­nen. Flug­kos­ten sind in der Re­gel nur nach vor­he­ri­ger Ab­spra­che mit dem Ar­beit­ge­ber zu er­stat­ten. Der Ar­beit­ge­ber muß auch die Kos­ten für ei­ne Über­nach­tung er­stat­ten, wenn dem Be­wer­ber auf­grund der großen Ent­fer­nung zwi­schen Wohn­ort und Ort des Vor­stel­lungs­gesprächs ei­ne An- und Ab­rei­se an ei­nem Tag nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann, und wenn dem Ar­beit­ge­ber die große Ent­fer­nung zwi­schen dem Wohn­ort und dem Ort des Vor­stel­lungs­gesprächs be­kannt ist.

Ver­schie­de­ne Mei­nun­gen gibt es darüber, ob der Be­wer­ber auch sei­nen Zeit­auf­wand für das Vor­stel­lungs­gespräch er­setzt ver­lan­gen kann, et­wa in Form des Ver­dienst­aus­falls, den er auf­grund der An­rei­se zum Vor­stel­lungs­gespräch er­lit­ten hat. Ge­gen ei­ne Er­satzfähig­keit auf­grund Ver­kehrsüblich­keit spricht, daß der Be­wer­ber - je­den­falls dann, wenn er noch bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber beschäftigt ist - von sei­nem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber be­zahl­te Frei­zeit zur Stel­len­su­che ver­lan­gen kann (§ 629 BGB).

Die­se Fra­ge soll­ten Sie als Be­wer­ber da­her vor­sichts­hal­ber mit dem Ar­beit­ge­ber vor der An­rei­se zum Vor­stel­lungs­gespräch klären.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 4. August 2016

Bewertung: Be­wer­bungs­kos­ten 3.5 von 5 Sternen (3 Bewertungen)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de