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BAG, Ur­teil vom 23.08.2017, 10 AZR 859/16

   
Schlagworte: Gratifikation, Pfändung, Pfändbarkeit von Zulagen, Zulagen
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 10 AZR 859/16
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 23.08.2017
   
Leitsätze: 1. Zulagen für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit sind Erschwerniszulagen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO und damit im Rahmen des Üblichen unpfändbar. Zulagen für Schicht-, Samstags- oder sog. Vorfestarbeit sind dagegen der Pfändung nicht entzogen.
2. Hinsichtlich der Frage, in welchem Umfang und welcher Höhe Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit als „üblich“ und damit unpfändbar iSv. § 850a Nr. 3 ZPO anzusehen sind, kann an die Regelung in § 3b EStG angeknüpft werden.

Vorinstanzen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 18.03.2016, 31 Ca 1437/16
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 20.07.2016, 20 Sa 639/16, 20 Sa 975/16
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

10 AZR 859/16
20 Sa 639/16
20 Sa 975/16
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Ber­lin-Bran­den­burg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
23. Au­gust 2017

UR­TEIL

Münch­berg, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin, An­schluss­be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te, An­schluss­be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23. Au­gust 2017 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dr. Linck, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Bru­ne, den Rich­ter

 

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am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Schlünder so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Züfle und Flu­ri für Recht er­kannt:

Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg vom 20. Ju­li 2016 - 20 Sa 639/16, 20 Sa 975/16 - auf­ge­ho­ben und die Sa­che zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung - auch über die Kos­ten des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens - an das Be­ru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Pfänd­bar­keit ta­rif­ver­trag­li­cher Zu­la­gen.

Die Kläge­rin ar­bei­tet bei der Be­klag­ten, die So­zi­al­sta­tio­nen be­treibt, als Haus­pfle­ge­rin. Auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en fin­det kraft ein­zel­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me der Ta­rif­ver­trag der V Lan­des­ver­band B e.V. und der So­zi­al­diens­te der V B gGmbH, ab­ge­schlos­sen mit der Ge­werk­schaft ver.di am 23. No­vem­ber 2009, idF des Ände­rungs­ta­rif­ver­trags Nr. 2 vom 29. De­zem­ber 2015 (TV) An­wen­dung. In § 8 TV sind ver­schie­de­ne Zu­schläge ua. für Nacht-, Sonn­tags-, Fei­er­tags-, Sams­tags-, Wech­sel­schicht­ar­beit so­wie Ar­beit am 24. und 31. De­zem­ber ge­re­gelt. In § 26 TV ist ei­ne Aus­schluss­frist von sechs Mo­na­ten zur schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen vor­ge­se­hen.

Nach ei­nem zwi­schen­zeit­lich auf­ge­ho­be­nen In­sol­venz­ver­fah­ren be­fand sich die Kläge­rin in der sog. Wohl­ver­hal­tens­pha­se, in der sie ih­re pfänd­ba­re Vergütung an ei­nen Treuhänder ab­ge­tre­ten hat­te. Im Zeit­raum Mai 2015 bis März 2016 führ­te die Be­klag­te von der je­wei­li­gen Net­to­vergütung der Kläge­rin den sich aus ih­rer Sicht er­ge­ben­den pfänd­ba­ren Teil an den Treuhänder ab. Da­bei berück­sich­tig­te sie auch die an die Kläge­rin zu zah­len­den ta­rif­ver­trag­li­chen Zu­schläge als pfänd­ba­res Ar­beits­ein­kom­men.

 

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Die Kläge­rin hat ge­meint, die Zu­schläge für Nacht-, Sonn­tags-, Fei­er­tags-, Sams­tags-, Wech­sel­schicht­ar­beit so­wie Ar­beit am 24. und 31. De­zem­ber sei­en unpfänd­ba­re Er­schwer­nis­zu­la­gen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO. Sie hätten da­her nicht bei der Be­rech­nung des an den Treuhänder ab­zuführen­den pfänd­ba­ren Teils ih­rer Vergütung berück­sich­tigt wer­den dürfen und müss­ten ihr nach­ge­zahlt wer­den. Un­ter den Be­griff „Er­schwer­nis“ iSv. § 850a Nr. 3 ZPO fal­le auch die ungüns­ti­ge La­ge der Ar­beits­zeit.

Die Kläge­rin hat zu­letzt be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 1.144,91 Eu­ro zuzüglich Zin­sen in ge­staf­fel­ter Höhe zu zah­len.

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. Sie hat ge­meint, aus dem Ge­samt­zu­sam­men­hang der Norm sei er­sicht­lich, dass Er­schwer­nis­zu­la­gen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO nur Tätig­kei­ten beträfen, die als sol­che be­schwer­lich sei­en.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen und auf ei­ne An­schluss­be­ru­fung der Kläge­rin die Be­klag­te hin­sicht­lich wei­te­rer Zeiträume zur Zah­lung ver­ur­teilt. Mit ih­rer vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on be­gehrt die Be­klag­te wei­ter­hin die Ab­wei­sung der Kla­ge.

Ent­schei­dungs­gründe

I. Die zulässi­ge Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist be­gründet. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­ge­be­nen Be­gründung kann die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts nicht zurück­ge­wie­sen und der kla­ge­er­wei­tern­den An­schluss­be­ru­fung der Kläge­rin nicht statt­ge­ge­ben wer­den. Das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil ist auf­zu­he­ben, da es sich nicht aus an­de­ren Gründen als rich­tig dar­stellt (§ 561 ZPO). Man­gels ent­spre­chen­der Fest­stel­lun­gen durch das Lan­des­ar­beits­ge­richt kann der Se­nat nicht in der Sa­che selbst ent­schei­den. Die

 

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Sa­che ist des­halb an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen (§ 562 Abs. 1, § 563 Abs. 1 ZPO).

1. Die Vor­in­stan­zen ha­ben oh­ne nähe­re Erörte­rung rechts­feh­ler­haft an­ge­nom­men, dass die auf die Nach­zah­lung ta­rif­ver­trag­li­cher Zu­la­gen ge­rich­te­te Kla­ge und ih­re Er­wei­te­run­gen zulässig und schlüssig sind. Al­lein der Um­stand, dass die Be­klag­te den Tat­sa­chen­vor­trag der Kläge­rin un­strei­tig ge­stellt hat, ent­hebt die Ge­rich­te aber nicht ei­ner Prüfung die­ser Kla­ge­vor­aus­set­zun­gen (vgl. Zöller/Gre­ger ZPO 31. Aufl. Vor § 253 Rn. 9, 23).

a) Die Kla­ge ist zum Teil un­zulässig, da der Streit­ge­gen­stand nicht hin­sicht­lich al­ler Streit­ge­genstände hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ist.

aa) Die Kläge­rin berück­sich­tigt bei ih­rer Be­rech­nung der Kla­ge­for­de­rung für die Zah­lungs­mo­na­te Ju­li bis Ok­to­ber 2015 je­weils meh­re­re ver­schie­de­ne Zu­la­gen. Sie geht da­bei da­von aus, dass die an den Treuhänder in die­sem Zeit­raum mo­nat­lich ab­geführ­ten Beträge ge­rin­ger sind als die ihr bei Unpfänd­bar­keit der ta­rif­ver­trag­li­chen Zu­la­gen zu­ste­hen­den Zah­lungs­ansprüche und be­schränkt ih­re For­de­rung auf den ab­geführ­ten Be­trag. Wel­cher von der Kläge­rin zur Zah­lung be­gehr­te Zu­schlag in wel­cher Höhe in dem ab­geführ­ten Be­trag ent­hal­ten ist, kann da­bei nicht nach­voll­zo­gen wer­den, zu­mal sich in ein­zel­nen Mo­na­ten auch oh­ne Berück­sich­ti­gung der ta­rif­ver­trag­li­chen Zu­schläge pfänd­ba­re Beträge er­ge­ben (vgl. zu den Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen: BAG 23. Fe­bru­ar 2016 - 9 AZR 226/15 - Rn. 15; BGH 6. Mai 2014 - II ZR 217/13 - Rn. 13; Zöller/ Gre­ger ZPO 31. Aufl. § 253 Rn. 15).

bb) Für den Zah­lungs­mo­nat No­vem­ber 2015 ver­langt die Kläge­rin den Ge­samt­be­trag der sich aus der Ab­rech­nung er­ge­ben­den Zu­schläge. Hier­bei han­delt es sich um ei­nen Brut­to­be­trag, da aus­weis­lich der Ab­rech­nung von der Wech­sel­schicht­zu­la­ge Steu­ern und So­zi­al­ver­si­che­rungs­beiträge ab­geführt wur­den. Die­sen Brut­to­be­trag ver­mengt die Kläge­rin bei der Be­rech­nung des Ge­samt­kla­ge­be­trags in un­zulässi­ger Wei­se mit den in an­de­ren Mo­na­ten zur Be­zif­fe­rung her­an­ge­zo­ge­nen und an den Treuhänder ab­geführ­ten Net­to­beträgen.

 

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Sie nimmt in ih­rem Kla­ge­an­trag auch kei­ne Un­ter­schei­dung zwi­schen Brut­to oder Net­to­beträgen vor.

cc) In den Kla­ge­er­wei­te­run­gen legt die Kläge­rin zum Teil geschätz­te „ca.-Wer­te“ zu­grun­de, de­nen die er­for­der­li­che Be­stimmt­heit fehlt.

b) Im Übri­gen ist die Kla­ge zum Teil un­schlüssig, da sich aus dem in­so­weit maßgeb­li­chen Vor­trag der Kläge­rin nicht die von ihr be­gehr­te Rechts­fol­ge er­gibt.

aa) Die Kläge­rin berück­sich­tigt bei ih­rer Be­rech­nung nicht, dass die Be­klag­te we­der die Brut­to- noch die Net­to­beträge der Zu­schläge an den Treuhänder ab­geführt, son­dern aus­weis­lich der in Be­zug ge­nom­me­nen Ab­rech­nun­gen le­dig­lich die Net­to­beträge der Zu­schläge zum pfänd­ba­ren Net­to­ein­kom­men der Kläge­rin hin­zu­ad­diert und aus dem sich so er­ge­ben­den Ge­samt­be­trag nach der Ta­bel­le zu § 850c ZPO den an den Treuhänder ab­zuführen­den Be­trag be­stimmt hat. Die Ta­bel­le zu § 850c ZPO sieht aber nicht vor, dass die Vergütung, die den ab­so­lut unpfänd­ba­ren Be­trag über­steigt (ab 1. Ju­li 2013: 1.045,04 Eu­ro net­to, ab 1. Ju­li 2015: 1.073,88 Eu­ro net­to), in vol­lem Um­fang gepfändet wer­den kann, son­dern höchs­tens - je nach Un­ter­halts­pflich­ten - 7/10 des über­stei­gen­den Be­trags. Die rest­li­chen 3/10 sind eben­falls unpfänd­bar (vgl. § 850c Abs. 2 Satz 1 ZPO), so­lan­ge nicht be­stimm­te Höchst­gren­zen über­schrit­ten sind (vgl. § 850c Abs. 2 Satz 2 ZPO), die vor­lie­gend kei­ne Rol­le spie­len. Zu­dem ist zu berück­sich­ti­gen, dass in ein­zel­nen ab­ge­rech­ne­ten Mo­na­ten die sich aus dem Brut­to­grund­ge­halt der Kläge­rin er­ge­ben­de Net­to­vergütung ge­rin­ger ist als der nach § 850c Abs. 1 ZPO ab­so­lut unpfänd­ba­re Be­trag. Das hat zur Fol­ge, dass auch bei der von der Be­klag­ten an­ge­nom­me­nen Pfänd­bar­keit der Zu­la­gen de­ren Hin­zu­rech­nung zum Net­to­grund­ge­halt nicht in vol­lem Um­fang zu ei­ner Erhöhung der an den Treuhänder ab­zuführen­den Vergütung führen kann.

bb) Des Wei­te­ren fehlt ein schlüssi­ger Vor­trag der Kläge­rin da­zu, dass ih­re Ansprüche nicht zum Teil nach dem ar­beits­ver­trag­lich in Be­zug ge­nom­me­nen Ta­rif­ver­trag ver­fal­len sind. Ei­ne an­zu­wen­den­de ta­rif­ver­trag­li­che Ver­fall­frist ist

 

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von Amts we­gen zu be­ach­ten, oh­ne dass sich der Schuld­ner dar­auf be­ru­fen muss (BAG 16. März 2016 - 4 AZR 421/15 - Rn. 14, BA­GE 154, 252).

(1) Nach § 26 TV ver­fal­len al­le wech­sel­sei­ti­gen Ansprüche aus dem Ta­rif­ver­trag, wenn sie nicht in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von sechs Mo­na­ten schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den. Al­ler­dings re­gelt § 26 TV nicht den Be­ginn des Frist­laufs. Da­bei ist es na­he lie­gend, im Rah­men ei­ner Aus­le­gung der Ta­rif­norm von der Fällig­keit des An­spruchs als Frist­be­ginn aus­zu­ge­hen (vgl. Schaub/Tre­ber ArbR-HdB 17. Aufl. § 209 Rn. 23).

(2) Nach § 11 Abs. 2 Satz 2 und Satz 3 TV wer­den die fes­ten Vergütungs­be­stand­tei­le am letz­ten Ar­beits­tag des Mo­nats fällig, die Zu­la­gen und Zu­schläge zeit­ver­setzt im zwei­ten Fol­ge­mo­nat. Die Be­klag­te hat mit der im Mai 2015 er­folg­ten Ab­rech­nung Zu­schläge für Ja­nu­ar, Fe­bru­ar und März 2015 ge­zahlt und teil­wei­se an den Treuhänder ab­geführt. Die sechs­mo­na­ti­ge Ver­fall­frist wäre für die­sen Ab­rech­nungs­mo­nat je­den­falls mit dem 30. No­vem­ber 2015 ab­ge­lau­fen. Die Gel­tend­ma­chung der Kläge­rin mit dem Schrei­ben vom 14. De­zem­ber 2015 er­folg­te außer­halb die­ser Frist. Wei­te­re Fest­stel­lun­gen zu ei­ner an­der­wei­ti­gen Gel­tend­ma­chung hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt nicht ge­trof­fen.

(3) Dem Ver­fall die­ser Ansprüche kann nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass sie durch die Ab­rech­nun­gen vor­be­halt­los aus­ge­wie­sen wur­den und es ei­ne überflüssi­ge Förm­lich­keit wäre, wenn die Kläge­rin die­sen Be­trag noch ein­mal gel­tend ma­chen müss­te (vgl. hier­zu BAG 29. Mai 1985 - 7 AZR 124/83 - zu I 2 b der Gründe; 21. April 1993 - 5 AZR 399/92 - zu II 1 der Gründe, BA­GE 73, 54). Dem steht ent­ge­gen, dass die Kläge­rin mit ih­rer Kla­ge nicht den ab­ge­rech­ne­ten Aus­zah­lungs­be­trag ver­langt, den die Be­klag­te be­reits der Kläge­rin über­wie­sen hat, son­dern ei­ne höhe­re Net­to­vergütung, die nicht Ge­gen­stand der er­teil­ten Ab­rech­nung ist.

2. Die teil­wei­se Un­zulässig­keit und Un­schlüssig­keit der Kla­ge führt al­ler­dings nicht zu ih­rer Ab­wei­sung in der Re­vi­si­ons­in­stanz. Nach­dem we­der die Par­tei­en die­se Fra­gen the­ma­ti­siert noch die Vor­in­stan­zen die Kläge­rin auf die­se Mängel gemäß § 139 Abs. 1 ZPO hin­ge­wie­sen ha­ben, ge­bie­tet es der Grund-

 

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satz des Ver­trau­ens­schut­zes und der An­spruch der Par­tei­en auf ein fai­res Ge­richts­ver­fah­ren, der Kläge­rin durch die Wie­de­reröff­nung der Be­ru­fungs­in­stanz Ge­le­gen­heit zu ge­ben, den in­so­weit be­ste­hen­den Be­den­ken Rech­nung zu tra­gen (vgl. BGH 22. Ja­nu­ar 2014 - I ZR 164/12 - Rn. 49 mwN). Hier­bei wird auch die Be­klag­te Ge­le­gen­heit ha­ben, die bis­lang nicht erörter­te Be­rech­nung der an den Treuhänder ab­geführ­ten Beträge näher zu erläutern, de­ren Höhe in meh­re­ren Mo­na­ten nicht in Ein­klang mit der Ta­bel­le zu § 850c ZPO steht.

II. So­weit die Kla­ge nach ergänzen­dem Vor­trag der Kläge­rin zulässig und schlüssig sein soll­te, hat das Be­ru­fungs­ge­richt bei der wei­te­ren Be­hand­lung der Fra­ge, in wel­cher Höhe der Kläge­rin ge­gen die Be­klag­te noch wei­te­re Zah­lungs­ansprüche zu­ste­hen und wel­che pfänd­ba­ren Beträge von der Vergütung der Kläge­rin an den Treuhänder ab­geführt wer­den müssen, Fol­gen­des zu be­ach­ten:

1. Das Be­ru­fungs­ge­richt ist zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass die Zu­schläge nach § 8 TV für Nacht-, Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit unpfänd­ba­re Er­schwer­nis­zu­la­gen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO sind und bei der Be­rech­nung des pfänd­ba­ren Ein­kom­mens der Kläge­rin kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den. Dies ent­spricht der in Recht­spre­chung und Schrift­tum über­wie­gend ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, wo­nach un­ter den Be­griff der Er­schwer­nis­zu­la­ge iSv. § 850a Nr. 3 ZPO auch Zu­la­gen für ungüns­ti­ge Ar­beits­zei­ten - je­den­falls für Nacht­ar­beit - fal­len und nicht nur Zu­schläge, die für be­son­de­re Er­schwer­nis­se der Ar­beits­leis­tung als sol­cher ge­zahlt wer­den (vgl. BGH 29. Ju­ni 2016 - VII ZB 4/15 - BGHZ 211, 46; OVG Lüne­burg 17. Sep­tem­ber 2009 - 5 ME 186/09 -; VG Düssel­dorf 4. Mai 2012 - 13 K 5526/10 -; Hes­si­sches LAG 14. No­vem­ber 2016 - 17 Sa 1142/15 -; LAG Ber­lin-Bran­den­burg 9. Ja­nu­ar 2015 - 3 Sa 1335/14 -; LG Kai­sers­lau­tern 4. März 2016 - 4 T 31/16 -; LG Han­no­ver 21. März 2012 - 11 T 6/12 -; zust. Gro­te ZIn­sO 2016, 1801, 1802 f.; Hk-ZPO/Kem­per 7. Aufl. § 850a Rn. 5; Hk-ZV/Mel­ler-Han­nich 3. Aufl. § 850a ZPO Rn. 21; Mu­sielak/Voit/Be­cker ZPO 14. Aufl. § 850a Rn. 5a; PG/Ah­rens ZPO 8. Aufl. § 850a Rn. 12; Tho­mas/Putzo/Sei­ler ZPO 38. Aufl. § 850a Rn. 4; Zöller/Stöber ZPO 31. Aufl. § 850a Rn. 10 [an­ders noch die 30. Aufl.]; aA Hes­si­sches LAG 25. No­vem­ber

 

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1988 - 13 Sa 359/88 -; Boewer Hand­buch zur Lohnpfändung und Lohn­ab­tre­tung 3. Aufl. Rn. 573; St­ein/Jo­nas/Brehm ZPO 22. Aufl. § 850a Rn. 24; Wiec­zo­rek/Schütze/Lüke ZPO 4. Aufl. § 850a Rn. 27; Kel­ler/Schrandt Hand­buch Zwangs­voll­stre­ckungs­recht Rn. 513; Stöber For­de­rungspfändung 16. Aufl. Rn. 997; kri­tisch zum Be­schluss des BGH vom 29. Ju­ni 2016 - VII ZB 4/15 - Wal­ker WuB 2016, 649, 651; ab­leh­nend je­den­falls für Sonn­tags- und Fei­er­tags­zu­schläge LAG Düssel­dorf 11. No­vem­ber 2016 - 10 Sa 324/16 -; dif­fe­ren­zie­rend MüKoZ­PO/Smid 5. Aufl. § 850a Rn. 15; un­klar Baum­bach/ Lau­ter­bach/Al­bers/Hart­mann ZPO 75. Aufl. § 850a Rn. 10).

a) Der Be­griff der Er­schwer­nis­zu­la­ge in § 850a Nr. 3 ZPO ist nicht ein­deu­tig und be­darf der Aus­le­gung. Der Wort­laut spricht eher für ein wei­tes, nicht auf die der Ausübung der Ar­beit in­ne­woh­nen­den Be­las­tun­gen be­grenz­tes Verständ­nis.

aa) „Er­schwer­nis“ im all­ge­mei­nen Sprach­ge­brauch wird syn­onym für „An­stren­gung“, „Be­las­tung“ oder „Mühsal“ ver­wen­det. Hier­von aus­ge­hend gehören Zu­la­gen, die als Aus­gleich für die durch Druck, Was­ser, Lärm, Staub oder Hit­ze körper­lich be­las­ten­de Ar­beit ent­rich­tet wer­den, of­fen­kun­dig zu den Er­schwer­nis­zu­la­gen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO. Der Be­griff Er­schwer­nis er­fasst aber eben­so die Ar­beit zu ei­ner ungüns­ti­gen zeit­li­chen La­ge, da auch sie mit Be­las­tun­gen oder Mühsal ver­bun­den ist. Im Be­griff Er­schwer­nis ist da­her kei­ne Ein­schränkung auf be­son­de­re Be­las­tun­gen bei der Ar­beits­leis­tung als sol­cher an­ge­legt (eben­so Ah­rens NJW 2016, 2812, 2814; ders. in PG ZPO 8. Aufl. § 850a Rn. 12).

bb) Al­ler­dings wer­den im ta­rif­ver­trag­li­chen Sprach­ge­brauch durch­aus „Er­schwer­nis­zu­schläge“ von „Zeit­zu­schlägen“ ab­ge­grenzt. Die Be­griff­lich­keit ist in­des nicht ein­heit­lich.

(1) § 8 Abs. 1 TVöD, dem § 8 Abs. 1 TV nach­ge­bil­det ist, be­trifft bspw. nur „Zeit­zu­schläge“. Dem­ge­genüber wer­den in § 19 TVöD „Er­schwer­nis­zu­schläge“ ge­re­gelt, die nur bei Ar­bei­ten mit be­son­de­rer Gefähr­dung, ex­tre­mer nicht kli­ma­be­ding­ter Hit­ze­ein­wir­kung, be­son­ders star­ker Schmutz- oder Staub­be­las­tung,

 

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be­son­ders star­ker Strah­len­ex­po­si­ti­on oder „un­ter sons­ti­gen ver­gleich­bar er­schwer­ten Umständen“ ge­zahlt wer­den. Da­mit fal­len Zu­schläge we­gen Ar­bei­ten zu ungüns­ti­gen Zei­ten im Sin­ne die­ser ta­rif­ver­trag­li­chen Re­ge­lung nur un­ter die Zeit­zu­schläge nach § 8 Abs. 1 TVöD, nicht aber un­ter die Er­schwer­nis­zu­schläge nach § 19 Abs. 1 TVöD.

(2) Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­zeich­nen Ar­beit zu ungüns­ti­gen Zei­ten zum Teil aber auch als Er­schwer­nis. Der Man­tel­ta­rif­ver­trag Nr. 2 für das Ka­bi­nen­per­so­nal der Deut­schen Luft­han­sa AG, gültig ab 16. Ja­nu­ar 2011, enthält bspw. in § 7 Abs. 3 ei­ne Re­ge­lung, wo­nach die Mit­ar­bei­ter „zur Ab­gel­tung der Er­schwer­nis­se durch Sonn-, Fei­er­tags- und Nacht­ar­beit ei­ne Schicht­zu­la­ge“ er­hal­ten und „sons­ti­ge Er­schwer­nis­se der flie­ge­ri­schen Tätig­keit“ durch die Grund­vergütung ab­ge­gol­ten sind.

(3) Aus der un­ein­heit­li­chen Ver­wen­dung des Be­griffs Er­schwer­nis in Ta­rif­verträgen kann da­her kein ent­schei­den­des Ar­gu­ment für die Aus­le­gung des § 850a Nr. 3 ZPO ge­won­nen wer­den. Denn sonst müss­te die Fra­ge, ob bspw. ein Zu­schlag für Nacht­ar­beit ei­ne Er­schwer­nis­zu­la­ge im Sin­ne die­ser Vor­schrift ist, un­ter­schied­lich je nach an­zu­wen­den­dem Ta­rif­ver­trag be­ant­wor­ten wer­den. Der Be­griff Er­schwer­nis in § 850a Nr. 3 ZPO ist des­halb au­to­nom und los­gelöst von der je­wei­li­gen ta­rif­ver­trag­li­chen Ein­ord­nung der Zu­la­gen aus­zu­le­gen.

b) Die Sys­te­ma­tik des § 850a ZPO führt zu kei­nem kla­ren Verständ­nis des Be­griffs „Er­schwer­nis­zu­la­ge“.

aa) In § 850a Nr. 3 ZPO wer­den „Ge­fah­ren­zu­la­gen so­wie Schmutz- und Er­schwer­nis­zu­la­gen“ als unpfänd­bar auf­geführt. Die­se sprach­li­che Ver­bin­dung könn­te dafür spre­chen, dass die Er­schwer­nis­zu­la­ge nur Leis­tun­gen für Tätig­kei­ten be­trifft, die - wie bei der Ge­fah­ren- und Schmutz­zu­la­ge - mit Be­las­tun­gen ein­her­ge­hen, die auf der Ar­beits­leis­tung als sol­cher, nicht aber ih­rer zeit­li­chen La­ge be­ru­hen. An­de­rer­seits kann in die­sem Satz­bau auch ei­ne be­wuss­te Tren­nung der rein tätig­keits­be­zo­ge­nen Ge­fah­ren- und Schmutz­zu­la­gen von den die­sen ge­genüber­ge­stell­ten Er­schwer­nis­zu­la­gen ge­se­hen wer­den. Die Ver­knüpfung der Be­grif­fe durch die Kon­junk­ti­on „so­wie“ deu­tet je­doch eher auf ei­ne

 

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gleich­ran­gi­ge Aufzählung hin. Berück­sich­tigt man wei­ter, dass es sich bei der Ge­fah­ren­zu­la­ge um ei­ne Leis­tungs­zu­la­ge für ei­ne gefähr­li­che Tätig­keit han­delt und die Schmutz­zu­la­ge dem­ge­genüber zu­min­dest auch Auf­wen­dungs­cha­rak­ter hat, wird deut­lich, dass sich aus dem sprach­li­chen Kon­text „Ge­fah­ren­zu­la­gen so­wie Schmutz- und Er­schwer­nis­zu­la­gen“ kein ent­schei­den­der Hin­weis für das Verständ­nis des Be­griffs Er­schwer­nis­zu­la­ge her­lei­ten lässt.

bb) Auch im Übri­gen enthält § 850a Nr. 3 ZPO ei­ne eher be­lie­bi­ge Zu­sam­men­stel­lung ver­schie­de­ner Vergütungs­be­stand­tei­le, die bspw. auch „Auf­wands­entschädi­gun­gen, Auslösungs­gel­der und sons­ti­ge so­zia­le Zu­la­gen für auswärti­ge Beschäfti­gun­gen“ be­trifft. Ei­ne „so­zia­le Zu­la­ge für auswärti­ge Beschäfti­gung“ be­zieht sich nicht auf ei­ne Er­schwer­nis, die aus der Ar­beit als sol­cher folgt, son­dern auf die (räum­li­chen) Umstände ih­rer Er­brin­gung. Dies spricht eher dafür, bei der Er­schwer­nis­zu­la­ge auch über die Tätig­keit als sol­che hin­aus­ge­hen­de Umstände der Ar­beits­leis­tung zu berück­sich­ti­gen.

cc) Be­trach­tet man § 850a ZPO ins­ge­samt, gibt es kei­ne kon­sis­ten­te Sys­te­ma­tik. Die Gründe, die zur Unpfänd­bar­keit ein­zel­ner Einkünf­te führen, sind viel­mehr vielfältig (PG/Ah­rens ZPO 8. Aufl. § 850a Rn. 1). Vom zusätz­li­chen Ur­laubs­geld (Nr. 2) über selbst­ge­stell­tes Ar­beits­ma­te­ri­al (Nr. 3) bis zu Ster­be-und Gna­den­bezügen (Nr. 7) so­wie der Blin­den­zu­la­ge (Nr. 8) wird ei­ne Viel­zahl von Vergütungs­be­stand­tei­len an­ge­spro­chen. Bei den in § 850a Nr. 5 und 6 ZPO auf­geführ­ten Er­zie­hungs­gel­dern, Ge­burts-, Hei­rats- und Stu­di­en­bei­hil­fen be­steht so­gar nur ein al­len­falls lo­ser Zu­sam­men­hang zum Ar­beits­verhält­nis und dem in § 850 ZPO als Aus­gangs­punkt ge­nann­ten Ar­beits­ein­kom­men. An­ge­sichts der un­ter­schied­li­chen Fall­ge­stal­tun­gen, die § 850a ZPO re­gelt, spricht je­den­falls nichts dafür, mit der Sys­te­ma­tik ei­ne Ein­schränkung des Wort­lauts zu be­gründen, der als Verständ­nis des Be­griffs Er­schwer­nis auch die ungüns­ti­ge La­ge der Ar­beits­zeit zulässt.

c) Die his­to­ri­sche Aus­le­gung gibt nur we­nig An­halts­punk­te für ei­ne Kon­kre­ti­sie­rung des Be­griffs Er­schwer­nis­zu­la­ge (zur Ent­ste­hungs­ge­schich­te des § 850a ZPO vgl. auch BGH 29. Ju­ni 2016 - VII ZB 4/15 - Rn. 12, BGHZ 211, 46).

 

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aa) Die Ver­ord­nung zur ein­heit­li­chen Re­ge­lung des Pfändungs­schut­zes für Ar­beits­ein­kom­men (LohnpfändungsV.1940) vom 30. Ok­to­ber 1940 (RGBl. I S. 1451), wel­che § 850a ZPO vor­an­ge­gan­gen ist, ist nicht er­gie­big, weil sie den Be­griff der Er­schwer­nis­zu­la­ge noch nicht ent­hal­ten hat (an­ders als et­wa die Front­zu­la­ge oder die Verstümme­lungs­zu­la­ge, § 3 Nr. 6 und 7 LohnpfändungsV.1940).

bb) Aus dem zu § 850a ZPO führen­den Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren selbst (vgl. da­zu insb. BR-Drs. Nr. 662/51 und Nr. 662/2/51 so­wie den Sit­zungs­be­richt der 69. Sit­zung des Deut­schen Bun­des­ra­tes vom 5. Ok­to­ber 1951, S. 43 f.) lässt sich nur ent­neh­men, dass der Ge­setz­ge­ber bei der Auf­nah­me der Er­schwer­nis­zu­la­gen in die Pfändungs­schutz­be­stim­mung da­von aus­ging, dass die Zu­la­gen als Aus­gleich für die be­son­de­re, über das Nor­ma­le hin­aus­ge­hen­de Ar­beits­be­las­tung ge­zahlt wer­den und ge­son­dert aus­ge­wie­sen sein müssen, um ei­ne Ab­gren­zung zum sons­ti­gen Lohn zu ermögli­chen. Dass da­mit al­lein un­mit­tel­bar körper­lich be­las­ten­de Tätig­kei­ten ge­meint sind, ein Aus­gleich für die ungüns­ti­ge La­ge der Ar­beits­zeit hin­ge­gen nicht aus­reicht, lässt sich der Ent­ste­hungs­ge­schich­te nicht ent­neh­men.

cc) Sol­ches er­gibt sich auch nicht aus ei­nem Be­scheid des Bun­des­mi­nis­ters der Jus­tiz vom 13. Au­gust 1952 (vgl. BB 1952, 859), der im Ein­ver­neh­men mit dem Bun­des­mi­nis­ter für Ar­beit er­gan­gen ist. Die­ser erläutert, dass un­ter „Schmutz- und Er­schwer­nis­zu­la­gen ... nur sol­che Lohn­zu­schläge zu ver­ste­hen sind, die zur Ab­gel­tung ei­ner durch die Ei­gentümlich­keit der Ar­beit ver­ur­sach­ten Er­schwer­nis gewährt wer­den.“ Zu­schläge für Nacht-, Sonn- und Fei­er­tags­ar­beit hin­ge­gen könn­ten nicht als Er­schwer­nis­zu­la­gen an­ge­se­hen wer­den. We­der dem Bun­des­mi­nis­ter der Jus­tiz noch dem Bun­des­mi­nis­ter für Ar­beit ob­liegt in­des ei­ne au­then­ti­sche In­ter­pre­ta­ti­on des § 850a Nr. 3 ZPO. Dass ei­ne sol­che Stel­lung­nah­me Ein­gang ins Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren ge­fun­den hat, ist nicht er­sicht­lich. Sie stellt al­lein ei­ne Mei­nung der Exe­ku­ti­ve dar und gibt kei­nen Auf­schluss über den Wil­len des Ge­setz­ge­bers.

d) Aus Sinn und Zweck der Pfändungs­schutz­vor­schrif­ten lässt sich je­doch der Be­griff Er­schwer­nis­zu­la­ge in § 850a Nr. 3 ZPO näher be­stim­men.

 

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aa) Das Schrift­tum geht zu­meist da­von aus, dass § 850a ZPO ei­nen viel­ge­stal­ti­gen Schuld­ner­schutz gewähre, der von so­zia­len Erwägun­gen ge­tra­gen wer­de. Zu­dem sol­le die Pfändung die Le­bens­freu­de des Schuld­ners und sei­ner Fa­mi­lie nicht all­zu stark be­ein­träch­ti­gen, ein be­son­de­rer Ar­beits­ein­satz ho­no­riert wer­den und der Schuld­ner we­nigs­tens teil­wei­se den ver­dien­ten Lohn be­hal­ten dürfen (vgl. Baum­bach/Lau­ter­bach/Al­bers/Hart­mann ZPO 75. Aufl. § 850a Rn. 2; ähn­lich Mu­sielak/Voit/Be­cker ZPO 14. Aufl. § 850a Rn. 1, der ne­ben dem So­zi­al­ge­dan­ken be­tont, dass der Schuld­ner im ei­ge­nen und im Gläubi­ger­inter­es­se zu „über­ob­li­ga­ti­onsmäßigen“ Leis­tun­gen be­wegt wer­den soll; PG/Ah­rens ZPO 8. Aufl. § 850a Rn. 1). Die­ser „So­zi­al­ge­dan­ke“ wird al­ler­dings be­reits im Rah­men des § 850c ZPO ver­wirk­licht, wo­nach ein Grund­be­trag des Ar­beits­ein­kom­mens - ge­staf­felt nach Un­ter­halts­pflich­ten - ab­so­lut pfändungs­frei und der über­stei­gen­de Be­trag nur zu ei­nem Teil pfänd­bar ist. Zusätz­li­che Ar­beit lohnt sich für den Schuld­ner al­so im­mer und sei­ne Ver­pflich­tun­gen ge­genüber Un­ter­halts­be­rech­tig­ten wer­den un­abhängig von § 850a ZPO berück­sich­tigt. Man kann auch nicht vor­be­halt­los an­neh­men, dass durch die Re­ge­lung in § 850a Nr. 3 ZPO der Schuld­ner im Gläubi­ger­inter­es­se zu „über­ob­li­ga­ti­onsmäßigen“ Leis­tun­gen be­wegt wer­den soll. Dies gilt ins­be­son­de­re in den Fällen, in de­nen bspw. ei­ne gefähr­li­che oder schmut­zi­ge Ar­beit zum re­gulären In­halt der ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit (zB Kampf­mit­tel­be­sei­ti­gungs­dienst) gehört. So­weit man den Sinn und Zweck der Re­ge­lung nicht in ei­ner Bes­ser­stel­lung „über­ob­li­ga­to­ri­scher“ Tätig­kei­ten son­dern ge­ne­rell „be­las­ten­der“ Ar­bei­ten sieht, spricht aber nichts da­ge­gen, auch Be­las­tun­gen, die sich aus der zeit­li­chen La­ge der Tätig­keit er­ge­ben, dar­un­ter zu fas­sen.

bb) Kann so­mit § 850a ZPO kein ein­heit­li­cher Re­ge­lungs­zweck ent­nom­men wer­den, sind zur Aus­le­gung die­ser Be­stim­mung Ziel und Funk­ti­on der Zwangs­voll­stre­ckung so­wie der Ein­schränkun­gen der Pfänd­bar­keit von Ar­beits­ein­kom­men in den Blick zu neh­men.

(1) Sinn und Zweck der Zwangs­voll­stre­ckungs­re­geln der ZPO be­ste­hen dar­in, dem Gläubi­ger ei­nen staat­lich ge­re­gel­ten Weg zu eröff­nen, um ei­ne ti­tu­lier­te For­de­rung auch tatsächlich durch­set­zen zu können (vgl. Zöller/Stöber

 

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ZPO 31. Aufl. Vor § 704 Rn. 1; PG/Ah­rens ZPO 8. Aufl. Vor §§ 704 ff. Rn. 1). Aus Gläubi­ger­sicht ist es da­bei wich­tig, wei­te Tei­le des Ar­beits­ein­kom­mens des Schuld­ners der Pfändung zu un­ter­wer­fen, da­mit die Zwangs­voll­stre­ckung er­folg­reich durch­geführt wer­den kann. Die­sem Gläubi­ger­inter­es­se steht das In­ter­es­se des Schuld­ners an ei­ner Si­che­rung sei­ner Exis­tenz­grund­la­ge ge­genüber. Ein sol­cher Schutz des Schuld­ners ist ver­fas­sungs­recht­lich aus dem all­ge­mei­nen Persönlich­keits­recht des Schuld­ners (Art. 1 und Art. 2 Abs. 1 GG) und dem So­zi­al­staats­prin­zip (Art. 20 Abs. 1 GG) ge­recht­fer­tigt und ge­bo­ten (Schusch­ke/ Wal­ker/Kes­sal-Wulf/Lo­renz ZPO 6. Aufl. § 850 Rn. 4; MüKoZ­PO/Smid 5. Aufl. § 850 Rn. 1). Er dient darüber hin­aus dem In­ter­es­se der All­ge­mein­heit, nicht durch So­zi­al­hil­fe­leis­tun­gen für den Un­ter­halt des Schuld­ners auf­kom­men zu müssen (Schusch­ke/Wal­ker/Kes­sal-Wulf/Lo­renz aaO; Hk-ZV/Mel­ler-Han­nich § 850 Rn. 1). Der Ge­setz­ge­ber hat die­sen Schutz­auf­trag in den §§ 850 ff. ZPO aus­geführt, hier­bei die Per­spek­ti­ve des Schuld­ners als Ar­beit­neh­mer ein­ge­nom­men und ver­sucht, ihm ei­nen an­ge­mes­se­nen Schutz vor der Pfändung des Ar­beits­ein­kom­mens zu gewähren. Da das Ar­beits­ein­kom­men des Schuld­ners je­doch häufig das wich­tigs­te Zu­griffs­ob­jekt in der Zwangs­voll­stre­ckung dar­stellt und die §§ 850 ff. ZPO die Durch­setz­bar­keit der von Art. 14 GG geschütz­ten vermögens­wer­ten sub­jek­ti­ven Rech­te des Gläubi­gers be­gren­zen, ist bei der Aus­le­gung und An­wen­dung die­ser Vor­schrif­ten über den Pfändungs­schutz von Ar­beits­ein­kom­men ei­ne Abwägung der wech­sel­sei­ti­gen In­ter­es­sen von Gläubi­ger und Schuld­ner ge­bo­ten (vgl. PG/Ah­rens ZPO 8. Aufl. § 850 Rn. 2).

(2) Hier­von aus­ge­hend ist die von Wort­laut und Sys­te­ma­tik ge­tra­ge­ne Aus­le­gung des Be­griffs Er­schwer­nis­zu­la­ge, die auch Zu­la­gen für Ar­beit zu ungüns­ti­gen Zei­ten ein­be­zieht, mit Sinn und Zweck des Pfändungs­schut­zes grundsätz­lich ver­ein­bar. Da bei den Pfändungs­vor­schrif­ten der ZPO aber eben­so die Gläubi­ger­inter­es­sen an­ge­mes­sen berück­sich­tigt wer­den müssen, kann die­ser Schutz nicht ufer­los sein, son­dern be­darf ei­ner Be­gren­zung (vgl. Baum­bach/Lau­ter­bach/Al­bers/Hart­mann ZPO 75. Aufl. § 850a Rn. 2). Für die da­nach er­for­der­li­che Be­stim­mung der Reich­wei­te des durch § 850a Nr. 3 ZPO ver­mit­tel­ten Schut­zes von Er­schwer­nis­zu­la­gen vor dem Gläubi­g­er­zu­griff sind an­der­wei­ti­ge ge­setz­ge­be­ri­sche Wer­tun­gen her­an­zu­zie­hen, aus de­nen ge-

 

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schlos­sen wer­den kann, dass der Ge­setz­ge­ber die La­ge der Ar­beits­zeit nicht nur als ungüns­tig, son­dern als be­son­ders be­las­tend an­sieht. Wenn und so­weit die Rechts­ord­nung in be­son­de­ren ge­setz­li­che Re­ge­lun­gen die Ar­beit zu be­stimm­ten Ar­beits­zei­ten als be­son­ders be­las­tend an­sieht, ist es nor­ma­tiv ge­recht­fer­tigt, dies auch im Rah­men des § 850a Nr. 3 ZPO bei der Aus­le­gung des Be­griffs Er­schwer­nis­zu­la­ge zu berück­sich­ti­gen.

e) Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Erwägun­gen sind Zu­la­gen für Nacht-, Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit als Er­schwer­nis­zu­la­gen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO an­zu­se­hen. Die Ar­beit zu die­sen Zei­ten ist mit her­aus­ge­ho­be­nen Be­las­tun­gen ver­bun­den bzw. un­ter­liegt ei­nem be­son­de­ren Schutz der Rechts­ord­nung. Dies gilt je­doch nicht für die Schicht-, Sams­tags- und Vor­fest­ar­beit.

aa) Für die Nacht­ar­beit kann auf die Wer­tung in Erwägungs­grund 7 und Art. 8 ff. der Richt­li­nie 2003/88/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 4. No­vem­ber 2003 über be­stimm­te As­pek­te der Ar­beits­zeit­ge­stal­tung (Ar­beits­zeit-RL) und in § 6 Abs. 5 Arb­ZG zurück­ge­grif­fen wer­den. Nacht­ar­beit ist nach ge­si­cher­ten ar­beits­wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen grundsätz­lich für je­den Men­schen schädlich und hat ne­ga­ti­ve ge­sund­heit­li­che Aus­wir­kun­gen (BAG 9. De­zem­ber 2015 - 10 AZR 423/14 - Rn. 17, BA­GE 153, 378; vgl. BGH 29. Ju­ni 2016 - VII ZB 4/15 - Rn. 13, BGHZ 211, 46). In­dem Nacht­ar­beit ver­teu­ert wird, wirkt sich der Nacht­ar­beits­zu­schlag mit­tel­bar auf die Ge­sund­heit aus. Außer­dem soll der Nacht­ar­beits­zu­schlag iSd. § 6 Abs. 5 Arb­ZG in ei­nem ge­wis­sen Um­fang den Ar­beit­neh­mer für die er­schwer­te Teil­ha­be am so­zia­len Le­ben entschädi­gen (BAG 9. De­zem­ber 2015 - 10 AZR 423/14 - Rn. 18, aaO). Der Ge­setz­ge­ber hat die Aus­gleichs­pflicht für Nacht­ar­beit als so be­deu­tend an­ge­se­hen, dass er den ent­spre­chen­den Zu­schlag - als ein­zi­gen Zu­schlag - ge­setz­lich ge­re­gelt hat. Da­mit wird un­ter­stri­chen, dass die­ser Zah­lung auch im In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers ei­ne be­son­de­re Stel­lung ein­geräumt wird. In­so­weit ha­ben im Rah­men ei­ner Pfändung Gläubi­ger­inter­es­sen zurück­zu­ste­hen.

bb) Der Sonn­tag und die staat­lich an­er­kann­ten Fei­er­ta­ge sind in Ausfüllung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben aus Art. 140 GG iVm. Art. 139 WRV nach § 1 Nr. 2 Arb­ZG als Ta­ge der Ar­beits­ru­he und der see­li­schen Er­he­bung der Ar-

 

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beit­neh­mer zu schützen. Da­mit ha­ben der Ver­fas­sungs­ge­ber und der Ge­setz­ge­ber in nach­drück­li­cher Wei­se ein Schutz­bedürf­nis zum Aus­druck ge­bracht. Vom Grund­satz her dürfen Ar­beit­neh­mer an Sonn- und ge­setz­li­chen Fei­er­ta­gen von 00:00 Uhr bis 24:00 Uhr nicht beschäftigt wer­den, § 9 Abs. 1 Arb­ZG. Nur auf­grund ge­setz­li­cher Aus­nah­me­re­ge­lun­gen ist dies er­laubt (vgl. § 9 Abs. 2 und 3, § 10 Arb­ZG), was dann aber be­son­de­re Aus­gleichs­maßnah­men er­for­dert (vgl. § 11 Arb­ZG). Dar­aus wird deut­lich, dass auch hier der Ge­setz­ge­ber Ar­beit an Sonn- und Fei­er­ta­gen als be­son­de­re Er­schwer­nis be­trach­tet.

cc) Die be­son­de­re Rol­le von Nacht-, Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit hat der Ge­setz­ge­ber bspw. auch im Rah­men von Beschäfti­gungs­ver­bo­ten in § 8 Abs. 1 MuSchG berück­sich­tigt (ab 1. Ja­nu­ar 2018: § 5 Abs. 1 und § 6 Abs. 1 MuSchG im Un­ter­ab­schnitt „Ar­beits­zeit­li­cher Ge­sund­heits­schutz“). Auch das recht­fer­tigt es, in ei­ner Ge­samt­schau Schuld­ner­in­ter­es­sen be­tref­fend Zu­la­gen für Ar­beit zu die­sen Zei­ten im Rah­men der Pfändungs­schutz­vor­schrift des § 850a Nr. 3 ZPO vor­ran­gig vor Gläubi­ger­inter­es­sen zu be­han­deln.

2. Dem­ge­genüber sind die Zu­schläge nach § 8 TV für Wech­sel­schicht-, Sams­tags- und Vor­fei­er­tags­ar­beit kei­ne Er­schwer­nis­zu­la­gen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO. Hier fehlt es an ei­ner gleich­ge­wich­ti­gen ge­setz­ge­be­ri­schen Wer­tung wie bei Nacht-, Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit, die ein Zurück­ste­hen der Gläubi­ger­inter­es­sen bei der Pfändung recht­fer­ti­gen könn­te.

a) Sams­tags­zu­schläge fal­len nicht un­ter den be­son­de­ren Pfändungs­schutz (Gro­te ZIn­sO 2016, 1801, 1803; aA Ah­rens NJW 2016, 2812, 2814). Im Ar­beits­recht ist der Sams­tag ein nor­ma­ler Werk­tag (vgl. § 3 Abs. 2 BUrlG). Be­son­de­re ge­sund­heit­li­che oder so­zia­le/fa­mi­liäre Be­ein­träch­ti­gun­gen sind nicht er­kenn­bar. Der Ge­setz­ge­ber hat hier­zu kei­ne Re­ge­lung ge­trof­fen.

aa) Die Wer­tung des Ver­ord­nungs­ge­bers aus § 3 Abs. 2 EZulV oder ent­spre­chen­den lan­des­recht­li­chen Vor­schrif­ten kann nicht auf Ar­beit­neh­mer über­tra­gen wer­den, da sie ei­ne be­am­ten­recht­li­che Re­ge­lung be­trifft. An­ge­sichts die­ser un­ter­schied­li­chen Beschäftig­ten­grup­pen gäbe es auch kei­nen An­spruch auf Gleich­be­hand­lung. Die EZulV ist ei­ne spe­zi­fisch be­sol­dungs­recht­li­che Re­ge-

 

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lung (vgl. § 1 EZulV), wie auch die un­ter­schied­li­chen Fall­ge­stal­tun­gen zei­gen, in de­nen bspw. ei­ne Zu­la­ge für Dienst zu ungüns­ti­gen Zei­ten zwar auch für Sams­ta­ge gewährt wird (al­ler­dings nur für Dienst ab 12:00 Uhr bzw. 13:00 Uhr, § 3 Abs. 2 Nr. 2 und 3 EZulV), be­stimm­te Be­am­te da­von aber aus­ge­nom­men sind (vgl. § 5 EZulV). Ei­ne all­ge­meingülti­ge, über be­sol­dungs­recht­li­che Fra­gen hin­aus­ge­hen­de Wer­tung, die auch für den Aus­gleich der un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen von Schuld­ner und Gläubi­ger bei ei­ner Pfändung von Be­deu­tung wäre, kann dem nicht ent­nom­men wer­den.

bb) Dem Ver­ord­nungs­ge­ber käme man­gels ent­spre­chen­der Kom­pe­tenz­zu­wei­sung iSv. Art. 80 Abs. 1 GG im Übri­gen eben­so we­nig wie den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en (vgl. oben II 1 a bb (3)) die Be­fug­nis zur ver­bind­li­chen De­fi­ni­ti­on des Be­griffs Er­schwer­nis­zu­la­ge in § 850a Nr. 3 ZPO zu.

b) Das glei­che wie für Sams­tags­zu­schläge gilt für Zu­schläge be­tref­fend die Ar­beit am 24. und 31. De­zem­ber. Auch hier han­delt es sich aus ge­setz­ge­be­ri­scher Sicht ar­beits­zeit­lich um re­guläre Werk­ta­ge.

c) Schicht- und Wech­sel­schicht­zu­la­gen sol­len zwar durch­weg be­son­de­re Be­las­tun­gen aus­glei­chen (BAG 19. März 2014 - 10 AZR 744/13 - Rn. 18; 25. Sep­tem­ber 2013 - 10 AZR 4/12 - Rn. 17; 24. Sep­tem­ber 2008 - 10 AZR 634/07 - Rn. 19, BA­GE 128, 21), was auch in § 6 Abs. 1 Arb­ZG an­klingt. Ei­ne Son­der­stel­lung wie die Nacht-, Sonn­tags- und Fei­er­tags­ar­beit hat der Ge­setz­ge­ber der rei­nen Schicht­ar­beit aber nicht ein­geräumt. Er hat - an­ders als bei der Nacht­ar­beit - ins­be­son­de­re kei­nen An­lass ge­se­hen, ge­setz­lich ver­pflich­tend Zu­la­gen oder an­de­re Aus­gleichs­leis­tun­gen hierfür zu re­geln. Die Be­las­tun­gen der Wech­sel­schicht­ar­beit wer­den je­den­falls zum Teil be­reits durch Nacht­ar­beits­zu­schläge aus­ge­gli­chen. Im Übri­gen gibt es kein zu­verlässi­ges Ab­gren­zungs­kri­te­ri­um dafür, was - an­ge­sichts ei­ner Viel­zahl denk­ba­rer Ar­beits­zeit­mo­del­le - als Schicht­ar­beit mit der Fol­ge ei­nes pfändungs­recht­lich pri­vi­le­gier­ten Zu­schlags an­zu­se­hen ist. An­ge­sichts der dro­hen­den Ufer­lo­sig­keit die­ses Be­griffs hat hier das im Pfändungs­recht auch zu berück­sich­ti­gen­de Gläubi­ger­inter­es­se vor­ran­gi­ge Be­deu­tung. Schicht­zu­la­gen als sol­che können so­mit nicht als Er­schwer­nis­zu­la­gen iSv. § 850a Nr. 3 ZPO an­ge­se­hen wer­den.

 

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3. Bei dem in § 850a Nr. 3 ZPO an­ge­spro­che­nen „Rah­men des Übli­chen“, in dem Er­schwer­nis­zu­schläge der Höhe nach pfändungs­frei sind, kann aus Gründen der Prak­ti­ka­bi­lität und in An­leh­nung an die ge­setz­ge­be­ri­sche Wer­tung an die Re­ge­lung in § 3b EStG an­ge­knüpft wer­den (vgl. BGH 29. Ju­ni 2016 - VII ZB 4/15 - Rn. 14, BGHZ 211, 46). So­weit der Ge­setz­ge­ber dort Nacht-, Sonn­tags- und Fei­er­tags­zu­schläge in ei­nem be­stimm­ten Um­fang steu­er­frei ge­stellt hat, sind die­se Zu­schläge im Rah­men des § 850a Nr. 3 ZPO als unpfänd­bar an­zu­se­hen.

III. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat auch über die Kos­ten der Re­vi­si­on zu ent­schei­den.

Linck
Bru­ne
Schlünder
Ri­go
Züfle
Ste­fan Flu­ri

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