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BAG, Ur­teil vom 20.11.2019, 5 AZR 578/18

   
Schlagworte: Freistellung: Urlaub, Überstunden, Urlaubsgewährung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 5 AZR 578/18
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 20.11.2019
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Münster, Urteil vom 28. 09.2017 - 2 Ca 572/17,
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 19.06.2018 - 12 Sa 218/18
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

5 AZR 578/18
12 Sa 218/18
Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
20. No­vem­ber 2019

UR­TEIL

Münch­berg, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

 

Kläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

 

pp.

 

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

 

hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 20. No­vem­ber 2019 durch den Vi­ze­präsi­den­ten des Bun­des­ar­beits­ge­richts Dr. Linck, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Biebl, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Volk so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schad und Prof. Dr. Schu­bert für Recht er­kannt:

 

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    1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 19. Ju­ni 2018 - 12 Sa 218/18 - auf­ge­ho­ben.
    2. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Müns­ter vom 28. Sep­tem­ber 2017 - 2 Ca 572/17 - wird zurück­ge­wie­sen mit der Klar­s­tel­lung, dass die Be­klag­te ver­ur­teilt wird, an die Kläge­rin 1.317,28 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Fe­bru­ar 2017 zu zah­len.
    3. Die Be­klag­te hat die Kos­ten der Be­ru­fung und der Re­vi­si­on zu tra­gen.

 

Von Rechts we­gen!

 

Tat­be­stand

 

Die Par­tei­en strei­ten über die Ab­gel­tung ei­nes Zeit­gut­ha­bens und da­bei ins­be­son­de­re darüber, ob das Ar­beits­zeit­kon­to der Kläge­rin durch die in ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich im Kündi­gungs­schutz­pro­zess ver­ein­bar­te Frei­stel­lung aus­ge­gli­chen wor­den ist.

Die Kläge­rin war bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin seit dem 1. Ja­nu­ar 2014 als Se­kretärin beschäftigt und hat zu­letzt 3.250,00 Eu­ro brut­to mo­nat­lich ver­dient. Nach­dem die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis frist­los gekündigt hat­te, schlos­sen die Par­tei­en im Kündi­gungs­schutz­pro­zess am 15. No­vem­ber 2016 ei­nen ge­richt­li­chen Ver­gleich. Da­nach en­de­te das Ar­beits­verhält­nis durch or­dent­li­che Ar­beit­ge­berkündi­gung mit Ab­lauf des 31. Ja­nu­ar 2017. Außer­dem heißt es in dem Ver­gleich un­ter Ziff. 3:

„Die Be­klag­ten stel­len die Kläge­rin un­wi­der­ruf­lich von der Pflicht der Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung bis ein­sch­ließ­lich 31.01.2017 un­ter Fort­zah­lung der ver­ein­bar­ten Vergü­tung frei. Ur­laubs­ansprüche der Kläge­rin für 2016 und 2017 wer­den mit der Frei­stel­lung in Na­tu­ra gewährt.“

 

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Da­mit soll­te der Rechts­streit er­le­digt sein, ei­ne all­ge­mei­ne Ab­gel­tungs- bzw. Aus­gleichs­klau­sel enthält der Ver­gleich hin­ge­gen nicht.

3

Bei der Be­klag­ten wur­de für die Kläge­rin ein (elek­tro­ni­sches) Ar­beits­zeit­kon­to geführt. Soll­ten dort er­fass­te Ar­beits­stun­den aus­ge­gli­chen wer­den, muss­te über das Zeit­er­fas­sungs­pro­gramm ein An­trag auf Frei­zeit­aus­gleich ge­stellt wer­den, der der Ge­neh­mi­gung der Be­klag­ten be­durf­te. Zum 30. Sep­tem­ber 2016 wies das Ar­beits­zeit­kon­to der Kläge­rin ei­nen Sal­do zu ih­ren Guns­ten von 67,10 St­un­den auf. Des­sen Ab­gel­tung ver­lang­te die Kläge­rin nach der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses er­folg­los.

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Mit der am 27. März 2017 anhängig ge­mach­ten Kla­ge hat die Kläge­rin die Ab­gel­tung des Gut­ha­bens auf ih­rem Ar­beits­zeit­kon­to be­gehrt und ge­meint, die­ses sei vor der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht durch Frei­zeit aus­ge­gli­chen wor­den.

5

Die Kläge­rin hat zu­letzt sinn­gemäß be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 1.317,28 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Fe­bru­ar 2017 zu zah­len.

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Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt und die Auf­fas­sung vert­re­ten, durch die im ge­richt­li­chen Ver­gleich ver­ein­bar­te un­wi­der­ruf­li­che Freis­tel­lung sei - ne­ben der Ur­laubs­gewährung - auch der An­spruch der Kläge­rin auf Frei­zeit­aus­gleich zum Ab­bau des Ar­beits­zeit­kon­tos erfüllt. Ei­ner aus­drück­li­chen Ver­ein­ba­rung hier­zu ha­be es nicht be­durft.

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Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on be­gehrt die Kläge­rin die Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils.

 

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Ent­schei­dungs­gründe

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Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das der Kla­ge statt­ge­ben­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu Un­recht ent­spro­chen. Die Kla­ge ist zulässig und be­gründet.

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I. Die Kla­ge rich­tet sich nach dem Zu­sam­men­schluss der ursprüng­lich als Ge­samt­schuld­ner ver­klag­ten natürli­chen Per­so­nen zu ei­ner Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mbB ge­gen die­se. Dem­ent­spre­chend hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung oh­ne Einwände der Par­tei­en das Pas­sivru­brum be­rich­tigt (vgl. BAG 21. Au­gust 2019 - 7 AZR 572/17 - Rn. 15 mwN). Des­halb war bei Wie­der­her­stel­lung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils klar­zu­stel­len, dass sich die aus­ge­ur­teil­te Zah­lungs­ver­pflich­tung ge­gen die jet­zi­ge Be­klag­te rich­tet.

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II. Die Kläge­rin hat An­spruch auf Ab­gel­tung des Zeit­gut­ha­bens auf dem für sie bei der Be­klag­ten geführ­ten Ar­beits­zeit­kon­to, das nach den nicht an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts zu­letzt 67,10 St­un­den be­trug. Weil die­ser Po­si­tiv­sal­do nicht bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch Frei­zeit ab­ge­baut wur­de, kann die Kläge­rin des­sen Aus­gleich in Geld ver­lan­gen. Das folgt aus ei­ner kon­klu­den­ten Ab­re­de der Par­tei­en bei der Er­rich­tung des Ar­beits­zeit­kon­tos.

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1. Ein Ar­beits­zeit­kon­to hält im All­ge­mei­nen fest, in wel­chem zeit­li­chen Um­fang der Ar­beit­neh­mer sei­ne Haupt­leis­tungs­pflicht nach § 611a Abs. 1 Satz 1 BGB er­bracht hat oder auf­grund ei­nes Ent­gelt­fort­zah­lungs­tat­be­stands nicht er­brin­gen muss­te und des­halb Vergütung be­an­spru­chen kann bzw. in wel­chem Um­fang er noch Ar­beits­leis­tung für die ver­ein­bar­te und ge­zahl­te Ver­gütung er­brin­gen muss (BAG 29. Ju­ni 2016 - 5 AZR 617/15 - Rn. 17, BA­GE 155, 310). Abhängig von der zu­grun­de lie­gen­den Ab­re­de der Ver­trags­par­tei­en kann ein Ar­beits­zeit­kon­to den Vergütungs­an­spruch ver­bind­lich be­stim­men (vgl. BAG 19. März 2008 - 5 AZR 328/07 - Rn. 10 mwN; 10. No­vem­ber 2010 - 5 AZR 766/09 - Rn. 16, BA­GE 136, 152) oder für die Höhe ei­nes An-

 

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spruchs auf Frei­zeit­aus­gleich oder die Höhe ei­nes Vor­schus­ses maßge­bend sein (BAG 21. März 2012 - 5 AZR 676/11 - Rn. 26, BA­GE 141, 88).

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2. Be­gehrt der Ar­beit­neh­mer die Ab­gel­tung ei­nes Gut­ha­bens auf sei­nem Ar­beits­zeit­kon­to, macht er folg­lich (nur) den Vergütungs­an­spruch für vor­ge­leis-te­te Ar­beit gel­tend (BAG 23. Sep­tem­ber 2015 - 5 AZR 767/13 - Rn. 20 mwN, BA­GE 152, 315). Auf die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen „ech­ter“ Über­stun­den­ver­gütung - ent­spre­chen­de aus­drück­li­che ar­beits­ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung der Vergütung von Über­stun­den oder die Fik­ti­on ei­ner still­schwei­gen­den Ver­ein­ba­rung nach § 612 Abs. 1 BGB - kommt es des­halb nicht an. Auch die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­wi­ckel­ten Grundsätze zur Dar­le­gungs- und Be­weis­last für die Leis­tung von Über­stun­den und de­ren ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Ver­an­las­sung und Zu­rech­nung im Über­stun­den­pro­zess (vgl. da­zu zu­letzt BAG 26. Ju­ni 2019 - 5 AZR 452/18 - Rn. 39, 44 mwN) spie­len kei­ne Rol­le. Denn der Ar­beit­ge­ber stellt mit der vor­be­halt­lo­sen Aus­wei­sung in ei­nem für den Ar­beit­neh­mer geführ­ten Ar­beits­zeit­kon­to des­sen Sal­do streit­los und bringt da­mit re­gelmäßig zum Aus­druck, dass be­stimm­te Ar­beits­stun­den tatsächlich und mit sei­ner Bil­li­gung ge­leis­tet wur­den (BAG 23. Sep­tem­ber 2015 - 5 AZR 767/13 - Rn. 23, aaO).

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3. Der Ab­bau ei­nes Ar­beits­zeit­kon­tos, der nicht spie­gel­bild­lich zu sei­nem Auf­bau er­fol­gen muss (BAG 17. März 2010 - 5 AZR 296/09 - Rn. 15), rich­tet sich nach der der Führung des Ar­beits­zeit­kon­tos zu­grun­de lie­gen­den Ver­ein­ba­rung (Ar­beits­ver­trag, Be­triebs­ver­ein­ba­rung, Ta­rif­ver­trag). Im Streit­fall er­folg­te der Ab­bau des Ar­beits­zeit­kon­tos nach den nicht an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts durch Frei­zeit­aus­gleich. Dass während des voll­zo­ge­nen Ar­beits­verhält­nis­ses Zeit­gut­ga­ben - auch - durch Geld­leis­tung aus­ge­gli­chen wor­den wäre, hat die Kläge­rin nicht be­haup­tet. An ei­ner aus­drück­li­chen Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en über den Um­gang mit Po­si­tiv- oder Ne­ga­tiv­sal­den auf dem Ar­beits­zeit­kon­to im Fal­le der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses fehlt es.

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4. Mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses geht re­gelmäßig die Sch­ließung des Ar­beits­zeit­kon­tos ein­her, ein Frei­zeit­aus­gleich ist nach dem Aus­schei­den des Ar­beit­neh­mers nicht mehr möglich (BAG 26. Ju­ni 2013

 

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- 5 AZR 428/12 - Rn. 22 f.). Wenn nicht aus­drück­lich an­de­res ver­ein­bart ist, enthält die ein­ver­nehm­li­che Er­rich­tung ei­nes Ar­beits­zeit­kon­tos die kon­klu­den­te Ab­re­de, dass das Kon­to spätes­tens mit Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­zu­glei­chen ist (BAG 13. De­zem­ber 2000 - 5 AZR 334/99 - zu II 2 c der Gründe; so im Er­geb­nis auch die hM im Schrift­tum, vgl. et­wa MüKoBGB/ Müller-Glöge 7. Aufl. § 611 BGB Rn. 1059; Stau­din­ger/Ri­char­di/Fi­schin­ger [2016] § 611 BGB Rn. 1080; MHdB ArbR/Reichold 4. Aufl. § 40 Rn. 82; Schaub ArbR-HdB/Vo­gel­sang 18. Aufl. § 160 Rn. 48; so­weit der ge­setz­li­che Min­dest­lohn be­trof­fen ist, sieht § 2 Abs. 2 Satz 2 Mi­LoG bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nun­mehr - zusätz­lich - ei­nen ge­setz­li­chen Aus­gleichs­an­spruch vor). Denn re­gelmäßig will we­der der Ar­beit­neh­mer dem Ar­beit­ge­ber vor­ge­leis-te­te Ar­beit „schen­ken“ noch der mit der Zah­lung ei­ner ver­ste­tig­ten Vergütung vor­leis­ten­de Ar­beit­ge­ber auf ei­ne fi­nan­zi­el­le Er­stat­tung sei­ner Vor­schuss­leis­tung ver­zich­ten (zu Letz­te­rem sh. BAG 13. De­zem­ber 2000 - 5 AZR 334/99 - zu II 2 c der Gründe). Ge­lingt es vor der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht, ein po­si­ti­ves Gut­ha­ben des Ar­beit­neh­mers durch ent­spre­chen­de Frei­zeit ab­zu­bau­en, hat der Ar­beit­ge­ber den Po­si­tiv­sal­do fi­nan­zi­ell aus­zu­glei­chen.

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5. Da­von aus­ge­hend ist mit der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en am 31. Ja­nu­ar 2017 der streit­ge­genständ­li­che Ab­gel­tungs­an­spruch ent­stan­den und fällig ge­wor­den. Denn bis da­hin ist der aus dem Gut­ha­ben auf dem Ar­beits­zeit­kon­to fol­gen­de An­spruch der Kläge­rin auf Frei­zeit­aus­gleich nicht durch Erfüllung (§ 362 Abs. 1 BGB) er­lo­schen.

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a) Frei­zeit ist im ar­beits­recht­li­chen Sin­ne das Ge­gen­teil von Ar­beits­zeit (BAG 17. März 2010 - 5 AZR 296/09 - Rn. 17). Die Erfüllung des Frei­zeit­aus-gleichs­an­spruchs er­folgt da­her durch Frei­stel­lung des Ar­beit­neh­mers von sei­ner Pflicht, Ar­beits­leis­tun­gen zu er­brin­gen. Die Um­set­zung er­folgt da­durch, dass der Ar­beit­ge­ber den Ar­beit­neh­mer zum Ab­bau ei­nes vor­han­de­nen Frei­zeit­gut­ha­bens an Ta­gen, die für die­sen „an sich“ Ar­beits­ta­ge wären, von sei­ner Pflicht, Ar­beits­leis­tun­gen zu er­brin­gen, be­freit (BAG 11. Fe­bru­ar 2009 - 5 AZR 341/08 - Rn. 13; vgl. auch BAG 17. März 2010 - 5 AZR 296/09 - Rn. 17; 19. Sep­tem­ber 2018 - 10 AZR 496/17 - Rn. 22).

 

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b) Die Kläge­rin war zwar je­den­falls im An­schluss an den ge­richt­li­chen Ver­gleich bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses von der Pflicht zur Er-brin­gung der Ar­beits­leis­tung un­ter Fort­zah­lung ih­rer Vergütung un­wi­der­ruf­lich frei­ge­stellt. Doch hat­te die Be­klag­te da­mit den Frei­zeit­aus­gleichs­an­spruch der Kläge­rin zum Ab­bau des Ar­beits­zeit­kon­tos nicht erfüllt.

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aa) Al­ler­dings hätte die Be­klag­te Frei­zeit­aus­gleich zum Zwe­cke des Ab­baus des Ar­beits­zeit­gut­ha­bens ein­sei­tig fest­le­gen können (zum Frei­zeit­aus­gleich als Wei­sung des Ar­beit­ge­bers zur Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit sh. BAG 19. Mai 2009 - 9 AZR 433/08 - Rn. 28 mwN, BA­GE 131, 30). Es ist nicht er­sicht­lich und von der Kläge­rin auch nicht be­haup­tet wor­den, der Be­klag­ten wäre sol­ches nach der der Führung des Ar­beits­zeit­kon­tos zu­grun­de lie­gen­den Ver­ein­ba­rung ver­wehrt ge­we­sen. Das Er­for­der­nis ei­nes An­trags der Kläge­rin auf Frei­zeit­aus­gleich be­deu­tet le­dig­lich, dass sie da­mit - ähn­lich wie es § 7 Abs. 1 Satz 1 BUrlG für den Ur­laub vor­sieht - ih­ren Wunsch für die zeit­li­che La­ge des Frei­zeit­aus­gleichs zum Aus­druck brach­te.

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bb) Mit der Frei­stel­lung der Kläge­rin im An­schluss an den ge­richt­li­chen Ver­gleich hat die Be­klag­te in­des nur ih­re Ver­pflich­tung aus dem Ver­gleich er­füllt, nicht je­doch zu­gleich die ihr aus der der Führung des Ar­beits­zeit­kon­tos zu­grun­de lie­gen­den Ver­ein­ba­rung ob­lie­gen­de Leis­tung „Frei­zeit­aus­gleich zum Ab­bau des Ar­beits­zeit­kon­tos“ iSd. § 362 Abs. 1 BGB be­wirkt (zum Ein­tritt der Erfüllungs­wir­kung vgl. BAG 17. Ja­nu­ar 2018 - 5 AZR 69/17 - Rn. 14 mwN). Da­für ist die bloße Frei­stel­lung als sol­che nicht aus­rei­chend. We­gen der un­ter­schied­li­chen Rechts­fol­gen, die ei­ne Frei­stel­lung ha­ben kann, muss der Ar­beit­neh­mer er­ken­nen können, dass der Ar­beit­ge­ber ihn zur Erfüllung des An­spruchs auf Frei­zeit­aus­gleich zum Ab­bau des Ar­beits­zeit­kon­tos von der Ar­beits­pflicht frei­stel­len will. An­de­ren­falls ist nicht fest­stell­bar, ob der Ar­beit­ge­ber als Schuld­ner des Frei­zeit­aus­gleichs­an­spruchs ei­ne Erfüllungs­hand­lung be­wir­ken, (nur) den Beschäfti­gungs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers - zB weil er an der Wei­ter­ar­beit nach Aus­spruch ei­ner Kündi­gung kein In­ter­es­se hat - aus­sch­ließen oder aus sons­ti­gen Gründen als Gläubi­ger der Ar­beits­leis­tung auf de­ren An­nah­me mit den in § 615 BGB be­zeich­ne­ten Fol­gen - ins­be­son­de­re der An­rech-

 

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nung an­der­wei­ti­gen Ver­diens­tes nach § 615 Satz 2 BGB - ver­zich­ten will (eben­so zum Ur­laubs­an­spruch BAG 10. Fe­bru­ar 2015 - 9 AZR 455/13 - Rn. 19 mwN, BA­GE 150, 355; 20. Au­gust 2019 - 9 AZR 468/18 - Rn. 18). Dar­an fehlt es vor­lie­gend. In dem ge­richt­li­chen Ver­gleich ist we­der aus­drück­lich noch kon-klu­dent mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit fest­ge­hal­ten, dass die Be­klag­te die Klä­ge­rin (auch) un­ter An­rech­nung des Frei­zeit­aus­gleichs­an­spruchs zum Ab­bau des Ar­beits­zeit­kon­tos von der Pflicht zur Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung frei­stellt. Die Be­klag­te hat auch nicht in Voll­zug des ge­richt­li­chen Ver­gleichs durch an­der­wei­ti­ge Erklärun­gen zum Aus­druck ge­bracht, dass die Frei­stel­lung zum Zwe­cke der Erfüllung des Frei­zeit­aus­gleichs­an­spruchs er­fol­ge.

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cc) An­ders als für den Ur­laub, der nach Ziff. 3 Satz 2 des ge­richt­li­chen Ver­gleichs „mit der Frei­stel­lung in Na­tu­ra gewährt“ sein soll, fehlt es zum Ab­bau des Po­si­tiv­sal­dos auf dem Ar­beits­zeit­kon­to an ei­ner aus­drück­li­chen An­rech­nungs­klau­sel et­wa da­hin­ge­hend, dass die Frei­stel­lung un­ter An­rech­nung auf den An­spruch auf Frei­zeit­aus­gleich zum Ab­bau des Ar­beits­zeit­kon­tos er­folgt oder die­ser mit der Frei­stel­lung (mit)erfüllt sein soll. Ei­ne da­hin­ge­hen­de kon­klu-den­te Ver­ein­ba­rung lässt sich dem Pro­zess­ver­gleich nicht hin­rei­chend deut­lich durch Aus­le­gung ent­neh­men. Die ge­gen­tei­li­ge Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts hält der re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung nicht stand.

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(1) Nach §§ 133, 157 BGB sind Verträge - auch Pro­zess­ver­glei­che - so aus­zu­le­gen, wie die Par­tei­en sie nach Treu und Glau­ben un­ter Berück­sich­ti­gung der Ver­kehrs­sit­te ver­ste­hen muss­ten. Da­bei ist zunächst vom Wort­laut aus­zu­ge­hen. Zur Er­mitt­lung des wirk­li­chen Wil­lens der Par­tei­en sind je­doch auch die außer­halb der Ver­ein­ba­rung lie­gen­den Umstände ein­zu­be­zie­hen, so­weit sie ei­nen Schluss auf den Sinn­ge­halt der Erklärung zu­las­sen. Eben­so sind die be­ste­hen­de In­ter­es­sen­la­ge und der mit dem Rechts­geschäft ver­folg­te Zweck zu berück­sich­ti­gen (st. Rspr., vgl. nur BAG 25. Ja­nu­ar 2017 - 4 AZR 522/15 - Rn. 25; 24. Sep­tem­ber 2015 - 2 AZR 716/14 - Rn. 35, BA­GE 153, 20, je­weils mwN). Da­bei un­ter­liegt die Aus­le­gung ty­pi­scher Klau­seln in Pro­zess­ver­glei­chen, die zur Bei­le­gung ei­ner Viel­zahl von Rechts­strei­tig­kei­ten ver­wen­det wer­den, selbst wenn der ma­te­ri­el­le Re­ge­lungs­ge­halt des Ver­gleichs aus-

 

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schließlich in­di­vi­du­ell be­stimmt ist, der vol­len re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung (BAG 27. Mai 2015 - 5 AZR 137/14 - Rn. 18 mwN, BA­GE 151, 382; GMP/ Müller-Glöge ArbGG 9. Aufl. § 73 Rn. 22; ErfK/Koch 19. Aufl. ArbGG § 73 Rn. 8; Düwell/Lip­ke/Düwell ArbGG 5. Aufl. § 73 Rn. 53; aA et­wa GK-ArbGG/ Mi­kosch Stand Ju­ni 2018 § 73 Rn. 43a mwN auch zu abw. Rspr.). Um ei­ne sol­che ty­pi­sche Klau­sel han­delt es sich bei der Frei­stel­lungs­ver­ein­ba­rung in Ziff. 3 des Pro­zess­ver­gleichs (vgl. BAG 23. Ja­nu­ar 2008 - 5 AZR 393/07 - Rn. 2, 12).

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(2) Die Frei­stel­lung knüpft an die zu­vor ge­re­gel­te Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses an. Da­bei wa­ren sich die Par­tei­en ei­nig, dass ihr Ar­beits­verhält­nis nicht mit dem Zu­gang der frist­lo­sen Kündi­gung vom 27. Sep­tem­ber 2016, son­dern durch ei­ne (um­ge­deu­te­te) or­dent­li­che Kündi­gung en­den soll­te, und zwar nicht mit der Frist des § 622 Abs. 2 Nr. 1 BGB, son­dern erst zu dem bei Ab­schluss des Ver­gleichs noch in der Zu­kunft lie­gen­den Ter­min 31. Ja­nu­ar 2017. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts zog die Kläge­rin die­se „Verlänge­rung“ ei­ner Ab­fin­dung vor. Weil aber - wie ty­pi­scher­wei­se in sol­chen Kon­stel­la­tio­nen - of­fen­sicht­lich von bei­den Sei­ten kein In­ter­es­se an ei­ner Wei­ter­ar­beit der Kläge­rin bis zum ver­ein­bar­ten Be­en­di­gungs­zeit­punkt be­stand, ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­ne Frei­stel­lung „von der Pflicht zur Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung ... un­ter Fort­zah­lung der ver­ein­bar­ten Vergütung“. Die­se be­zahl­te Frei­stel­lung hat da­mit nach dem Wil­len der Par­tei­en bei Ver­gleichs­schluss pri­mär „Ab­fin­dungs­cha­rak­ter“. Mit ihr wird le­dig­lich die Ar­beits­pflicht der Kläge­rin auf­ge­ho­ben, wei­te­re Rechts­fol­gen re­gelt sie nicht (vgl. BAG 23. Ja­nu­ar 2008 - 5 AZR 393/07 - Rn. 13). Kon­se­quen­ter­wei­se nah­men die Par­tei­en des­halb in Ziff. 3 Satz 2 des Ver­gleichs auf, dass mit der Frei­stel­lung auch der (rest­li­che) Ur­laub „in Na­tu­ra gewährt“ wird. Da­ge­gen ist we­der in Ziff. 3 noch an sons­ti­ger Stel­le des Ver­gleichs vom Ab­bau des Gut­ha­bens auf dem Ar­beits­zeit­kon­to oder ähn­li­chem die Re­de. Fer­ner er­gibt sich we­der aus den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts noch aus dem Vor­brin­gen der Par­tei­en, dass der Po­si­tiv­sal­do auf dem Ar­beits­zeit­kon­to bei den Ver­gleichs­ver­hand­lun­gen auch nur an­ge­spro­chen wor­den wäre.

 

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(3) Der Ver­gleich enthält zu­dem kei­ne Ab­gel­tungs- bzw. Aus­gleichs­klau­sel da­hin­ge­hend, dass mit ihm al­le oder zu­min­dest al­le fi­nan­zi­el­len Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und des­sen Be­en­di­gung ab­ge­gol­ten sind (zum Rechts­cha­rak­ter der­ar­ti­ger Klau­seln in ge­richt­li­chen Ver­glei­chen vgl. zB BAG 27. Mai 2015 - 5 AZR 137/14 - Rn. 21 mwN, BA­GE 151, 382) und auf die­se Wei­se hin­rei­chend deut­lich er­kenn­bar wäre, dass die ver­ein­bar­te Frei­stel­lung auch zum Zwe­cke der Erfüllung des Frei­zeit­aus­gleichs­an­spruchs zum Ab­bau des Ar­beits­zeit­kon­tos er­fol­gen soll­te. Woll­ten die Par­tei­en - wor­auf das Lan­des­ar­beits­ge­richt sei­ne ge­gen­tei­li­ge Aus­le­gung maßgeb­lich stützt - mit dem Ver­gleich „al­le Streit­fra­gen ... an­ti­zi­pie­ren und ei­ner Lösung zuführen“, wäre es zwin­gend er­for­der­lich ge­we­sen, ei­ne ent­spre­chen­de um­fas­sen­de Ab­gel­tungs- bzw. Aus­gleichs­klau­sel auf­zu­neh­men. Das ha­ben die Par­tei­en je­doch - un­er­heb­lich, ob be­wusst im Hin­blick auf bei Ver­gleichs­schluss nicht be­kann­te oder nicht be­dach­te Sach­ver­hal­te oder aus Nachlässig­keit - un­ter­las­sen. Da­mit ver­bie­tet sich ei­ne Aus­le­gung, die fak­tisch die feh­len­de Ab­gel­tungs- bzw. Aus­gleichs­klau­sel er­set­zen würde.

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6. Der Ab­gel­tungs­an­spruch der Kläge­rin ist nicht nach der ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­schluss­fris­ten­re­ge­lung ver­fal­len. Ist - wie im Streit­fall - zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers ein Sal­do auf dem Ar­beits­zeit­kon­to vor­be­halt­los aus­ge­wie­sen und bis zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses nicht durch be­zahl­te Frei­zeit oder zusätz­li­ches Ent­gelt ab­ge­baut wor­den, sind die Gut­ha­ben­stun­den streit­los ge­stellt und müssen nicht in­ner­halb von Aus­schluss­fris­ten gel­tend ge­macht wer­den (BAG 20. Ju­ni 2018 - 5 AZR 262/17 - Rn. 39, BA­GE 163, 89). Die Not­wen­dig­keit zur Gel­tend­ma­chung des auf dem Ar­beits­zeit­kon­to der Kläge­rin aus­ge­wie­se­nen Gut­ha­bens leb­te auch nicht wie­der auf, als sich die­ses bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses in ei­nen Zah­lungs­an­spruch wan­del­te (vgl. BAG 23. Sep­tem­ber 2015 - 5 AZR 767/13 - Rn. 34 mwN, BA­GE 152, 315).

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6. Die Höhe des sich aus dem Ar­beits­zeit­gut­ha­ben er­ge­ben­den Ab­gel­tungs­be­trags hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt als un­strei­tig fest­ge­stellt. An­grif­fe da­ge­gen hat die Be­klag­te nicht er­ho­ben.

 

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8. Der An­spruch der Kläge­rin auf die vom Ar­beits­ge­richt zu­ge­spro­che­nen Zin­sen folgt aus § 288 Abs. 1 BGB iVm. § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB.

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III. Die Be­klag­te hat nach § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten der Be­ru­fung und der Re­vi­si­on zu tra­gen.

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Linck

Volk 

Biebl

Schad 

J. Schu­bert 

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