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Arbeitsrecht aktuell: 10/236 Mehrfacher Verstoß gegen Anzeigepflicht kann verhaltensbedingte Kündigung rechtfertigen
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Verspätete Krankmeldung kann zu verhaltensbedingter Kündigung führen
Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt, Urteil vom 24.08.2010, 6 Sa 13/10
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Leitsätze der Redaktion: "Die Pflicht eines Arbeitnehmers, seine Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer dem Arbeitgeber unverzüglich mitzuteilen (§ 5 EntgFG), ist nur erfüllt, wenn eine entsprechende Nachricht den zuständigen Vorgesetzten erreicht. Es genügt nicht, die nötigen Informationen einem Kollegen mitzuteilen und darauf zu vertrauen, dass dieser die richtigen Ansprechpartner informiert."
02.12.2010. Die so genannte Anzeigepflicht aus § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) ist zwar juristisch gesehen eine so genannte "Nebenpflicht" aus dem Arbeitsverhältnis. Das bedeutet aber nur, dass sie neben den Leistungspflichten (also insbesondere der Pflicht zur Arbeitsleistung) steht und nicht, dass sie nebensächlich ist. Tatsächlich haben Arbeitgeber durchaus ein berechtigtes Interesse an den gesetzlich vorgeschriebenen Information. Nur auf diese Weise sind sie in der Lage, effektiv Ersatz für den ausgefallenen Arbeitnehmer finden zu können.
Deshalb ist ein Verstoß gegen diese Pflicht durchaus geeignet, Abmahnungen und im Wiederholungsfall sogar eine verhaltensbedingte Kündigung zu rechtfertigen. Das ist juristisch zwar nichts Neues, wird aber immer wieder von Arbeitnehmern in seiner vollen Tragweite zu spät erkannt.
In einem kürzlich vom Landesarbeitsgericht (LAG) Sachsen-Anhalt entschiedenen Fall hatte beispielsweise ein immerhin seit mehr als 15 Jahren für seinen Arbeitgeber tätiger Staplerfahrer innerhalb von zwei Jahren viermal seiner Anzeigepflicht verletzt. Jedes Mal wurde er hierfür abgemahnt, wobei er bei der dritten Abmahnung darauf hingewiesen wurde, dass es sich um die "letzte Abmahnung" handele. Ein weiterer Verstoß gegen die Informationspflicht werde "unweigerlich" zur Kündigung führen.
Während er bei den ersten drei Malen sein Arbeitgeber überhaupt nicht über seine Arbeitsunfähigkeit informiert hatte, teilte er beim vierten Mal lediglich einem Kollegen mit, er sei krank und gehe zum Arzt. Daraufhin erhielt eine ordentliche verhaltensbedingte Kündigung, gegen die er Kündigungsschutzklage erhob.
Damit hatte er jedoch keinen Erfolg. Das LAG Sachsen-Anhalt (Urteil vom 24.08.2010, 6 Sa 13/10) meinte überstimmend mit seiner Vorinstanz (Arbeitsgericht Halle, Urteil vom 25.11.2009, 3 Ca 2010/09 MNB), dass der Kläger ausreichend durch die drei im Ton immer schärfer werdenden Abmahnungen gewarnt gewesen sei. Er trage für die Übermittlung der nötigen Informationen das Risiko. Angesichts der Hartnäckigkeit, mit der die erteilten Warnungen missachtet wurden, sowie wegen der vergleichsweise engen zeitlichen näher der Verstöße konnte der Arbeitgeber nach Auffassung der beiden mit diesem Fall befassten Gerichte zu Recht prognostizieren, dass das es auch künftig mit gleicher Häufigkeit zu Regelverstößen dieser Art kommen wird.
Die Entscheidung ist rechtskräftig.
Fazit: Auch kleine und kleinste Verstöße gegen arbeitsvertragliche Pflichten können zu einer Gefahr für das Arbeitsverhältnis werden, wenn sie sich häufen. Arbeitnehmern kann daher nur empfohlen werden, auch nach vielen Jahren eines bestehenden Arbeitsverhältnisses noch alle ihre Pflichten sorgsam zu erfüllen. Dabei sollten Sie sich nicht auf Dritte verlassen, denn im Zweifel steht die eigene berufliche Zukunft, und nicht die des Dritten auf dem Spiel.
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Letzte Überarbeitung: 18. September 2011
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
Berlin, 16.03.2012 Bewerberdiskriminierung
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.03.2012, 8 AZR 160/11
Berlin, 15.03.2012 Urlaubsrecht:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.10.2011, 9 AZR 303/10
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