HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

LAG Hamm, Ur­teil vom 21.10.1997, 4 Sa 707/97

   
Schlagworte: Abmahnung, Vorsorgliche Abmahnung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Aktenzeichen: 4 Sa 707/97
Typ: Urteil
Entscheidungsdatum: 21.10.1997
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Dortmund, Urteil vom 20.02.1997, 6 Ca 4566/96
   

Geschäfts-Nr.:

4 Sa 707/97
6 Ca 4566/96
ArbG Dort­mund

Verkündet am:
21.10.1997

gez.
Spon­da
Reg.-Ang.
Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT HAMM
IM NA­MEN DES VOL­KES
UR­TEIL

 

hat die 4. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts H A M M
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 21. Ok­to­ber 1997
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­scheid
und die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schwa­be­dis­sen und Reppe­kus
für Recht er­kannt:

 

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Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 20.02.1997 (6 Ca 4566/96) teil­wei­se ab­geändert:

Es wird fest­ge­stellt, daß das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en erst mit dem 30.09.1996 sein En­de ge­fun­den hat.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 6.400,-- DM brut­to abzüglich 216,22 DM net­to nebst 4% Zin­sen aus dem sich aus 3.200,-- DM brut­to abzüglich 216,22 DM net­to er­ge­ben­den Rest­net­to­be­trag seit dem 01.09.1996 und 4% Zin­sen aus dem sich aus wei­te­ren 3.200,-- DM brut­to er­ge­ben­den Net­to­be­trag seit dem 01.10.1996 zu zah­len.

Im übri­gen wird die Be­ru­fung zurück­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Rechts­streits ha­ben die Kläge­rin zu 5/8 und die Be­klag­te zu 3/8 zu tra­gen.

Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 29.112,08 DM fest­ge­setzt.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

T a t b e s t a n d

Die Par­tei­en strei­ten über die Rechts­wirk­sam­keit ei­ner außer­or­dent­li­chen und vor­sorg­lich or­dent­li­chen Kündi­gung.

Die Be­klag­te ist ein Her­ren­aus­stat­ter mit Haupt­sitz in H.............. Sie un­terhält in meh­re­ren deut­schen Großstädten, dar­un­ter in D............., Fi­lia­len. Die so­ge­nann­te Klas­sik­ab­tei­lung er­streckt sich in D............. über zwei Eta­gen. Sie war im Jah­re 1996 wie folgt per­so­nell be­setzt:

M......... (Sub­sti­tut),
Z..... (Voll­zeit­kraft),
T....... (Voll­zeit­kraft – Kläge­rin),
C........ (Teil­zeit­kraft – 3 Ta­ge),

 

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A..... (Voll­zeit­kraft),
K....... (Aus­zu­bil­den­der),
K------------ (Aus­hilfs­kraft),
P............... (Aus­hilfs­kraft),
M.......... (Aus­hilfs­kraft).  

Die am 24.09.1966 ge­bo­re­ne Kläge­rin, die ei­nem Kind zum Un­ter­halt ver­pflich­te­tet ist, war in der Fi­lia­le D............. seit dem 22.05.1992 als Verkäufe­r­in beschäftigt und hat zu­letzt 3.500,-- DM brut­to ver­dient.

Am 03.07.1996 hat sie ei­ne Flug­rei­se nach Mal­lor­ca für die Zeit vom 09. bis zum 20.08.1996 bu­chen las­sen. Zwi­schen den Par­tei­en ist strei­tig, ob der Kläge­rin für die­sen Zeit­raum Er­ho­lungs­ur­laub be­wil­ligt wor­den ist oder nicht. Die Kläge­rin hat­te mit Schrei­ben vom 09.08.1996 der Fi­li­al­lei­tung in D............. fol­gen­des mit­ge­teilt:

Hier­mit möch­te ich Ih­nen noch­mals mit­tei­len, daß ich be­reits vor zwei Mo­na­ten mit Herrn M......... über mei­nen Ur­laub vom 09.08.1996 bis 21.09.1996 ge­spro­chen hat­te. Nach Durch­sicht der Ar­beitspläne und nach Rück­spra­che mit un­se­rer Teil­ar­beits­kraft, Frau C......, die sich be­reit erklärte in die­sem Zeit­raum durch­ge­hend zu ar­bei­ten, ver­blieb le­dig­lich noch 1 Tag, der durch ei­ne Aus­hil­fe gefüllt wer­den soll­te. Des­halb deu­te­te mit Herr M......... an, daß ei­ner Ur­laubs­ge­neh­mi­gung durch Sie wahr­schein­lich nichts im We­ge ste­hen würde. Über die­sen Sach­ver­halt wa­ren Sie auch in­for­miert.

Auf­grund die­ser Si­tua­ti­on wur­de der an­ste­hen­de Ur­laub mei­ner Fa­mi­lie ge­bucht, zu­mal mei­ne Toch­ter am 21.08.1996 ein­ge­schult wird und wir so­mit kei­ne an­de­re Möglich­keit ha­ben un­se­ren Som­mer­ur­laub zu neh­men.

Lei­der erklärten sie mir dann am gest­ri­gen Tag, daß mein Ur­laub nicht möglich sei. Falls ich trotz­dem fah­ren soll­te, würde es sich dann um ei­nen un­be­zahl­ten Ur­laub han­deln.

Bit­te berück­sich­ti­gen Sie, daß ich in der Ver­gan­gen­heit stets ein of­fe­nes Ohr für Ih­re Pro­ble­me hat­te und di­ver­se Zeiträume durch­ge­ar­bei­tet ha­be, an de­nen ich nor­ma­ler­wei­se frei ge­habt hätte!

Aus die­sem Grund hof­fe ich auf Ihr Verständ­nis für mei­ne ur­laubs­be­ding­te Ab­we­sen­heit und bit­te hier­mit noch­mals um ei­ne ku­lan­te Über­prüfung die­ser An­ge­le­gen­heit.

 

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Mit Schrei­ben vom 14.08.1996 kündig­te die Be­klag­te der Kläge­rin frist­los und vor­sorg­lich frist­gemäß wie folgt:

Da Sie trotz noch­ma­li­ger Auf­for­de­rung ab dem 09.08.1996 der Ar­beit fern­ge­blie­ben sind und außer­dem noch erklärten, Sie würden Ih­re Ar­beit nicht auf­neh­men und Ih­ren an­gekündig­ten, nicht ge­neh­mig­ten Ur­laub an­tre­ten, se­hen wir uns ver­an­laßt, das Ar­beits­verhält­nis hier­mit frist­los zu kündi­gen.

Nur vor­sorg­lich kündi­gen wir hier­mit das Ar­beits­verhält­nis auch zum nächst­zulässi­gen or­dent­li­chen Kündi­gungs­ter­min.

Hier­ge­gen hat­te die Kläge­rin sich mit ih­rer Kla­ge vom 26.08.1996 zur Wehr ge­setzt.

Sie hat vor­ge­tra­gen, An­fang Ju­ni 1996 ha­be sie den Zeu­gen M........., ih­ren un­mit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten, über den ge­plan­ten Ur­laub ab 09.08.1996 in­for­miert. Dar­auf­hin ha­be die­ser ge­sagt, der Ur­laub ge­he in Ord­nung. Dies sei be­triebsüblich als Ge­neh­mi­gung an­zu­se­hen. Zwar sei für die Ge­neh­mi­gung des Ur­laubs der Fi­li­al­lei­ter des Hau­ses in D............. zuständig, dies sei je­doch ei­ne rei­ne Form­sa­che. Im übri­gen ge­be es bei der Be­klag­ten we­der Ur­laubs­schei­ne noch wer­de ein Ur­laubs­ka­len­der zeit­nah geführt. Et­wa ei­ne Wo­che vor An­tritt des Ur­laubs ha­be der Zeu­ge M......... sie mit dem Be­mer­ken an­ge­spro­chen, daß der Zeu­ge H......... ih­ren Ur­laub nicht ge­neh­mi­gen wol­le, ob­wohl er nichts da­ge­gen ha­be. Grund dafür sei, daß die Zen­tra­le in H............. die An­wei­sung er­teilt ha­be, daß zwei Mit­ar­bei­ter nicht gleich­zei­tig in Ur­laub ge­hen könn­ten. Im fol­gen­den ha­be es dann Gespräche auch mit dem Fi­li­al­lei­ter H......... darüber ge­ge­ben, ob die von ihr gewünsch­te Ur­laubs­wo­che durch Über­brückungs­maßnah­men ge­re­gelt wer­den könn­te. Fa­zit des Gespräches sei ge­we­sen, daß der Zeu­ge H......... noch ein­mal auf sie zu­kom­men wer­de. Als sie ihn zwei Ta­ge später er­neut an­ge­spro­chen ha­be, ha­be er wie­der erklärt, daß er auf sie zu­kom­men wer­de. Endgültig drei Ta­ge vor dem ge­plan­ten Ur­laubs­an­tritt ha­be er dann mit­ge­teilt, daß sie nicht in Ur­laub fah­ren könne. Er ha­be ihr an­ge­bo­ten, un­be­zahl­ten Ur­laub zu neh­men. Der ge­neh­mig­te Ur­laub ha­be von der Be­klag­ten schon des­we­gen nicht wi­der­ru­fen wer­den können, da sie, die Kläge­rin, auf die­sen Ur­laub we­gen der na­hen­den Ein­schu­lung ih­rer Toch­ter nicht ha­be ver­zich­ten können. Auch zu an­de­ren Zeit­punk­ten hätten meh­re­re Mit­ar­bei­ter gleich­zei­tig Ur­laub ge­macht.

 

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Die Kläge­rin hat be­an­tragt:

1. fest­zu­stel­len, daß das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch die mit Schrei­ben der Be­klag­ten vom 14.08. 1996 ge­genüber der Kläge­rin erklärte Kündi­gung auf­gelöst wor­den ist;

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin fol­gen­de Brut­to­beträge zu zah­len,

a) 3.200,-- DM brut­to abzüglich 216,22 DM net­to nebst 4% Zin­sen auf den sich hier­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag seit dem 01.09.1996,

b) 3.200,-- DM nebst 4% Zin­sen auf den sich hier­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag seit dem 01.10.1996,

c) 3.200,-- DM nebst 4% Zin­sen auf den sich hier­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag seit dem 01.11.1996,

d) 3.200,-- DM abzüglich 1.484,28 DM über­ge­gan­ge­nen Ar­beits­lo­sen­gel­des nebst 4% Zin­sen auf den sich hier­aus er­ge­ben­den Ge­samt­net­to­be­trag seit dem 01.12.1996,

e) 3.200,-- DM abzüglich 1.187,42 DM nebst 4% Zin­sen auf den sich hier­aus er­ge­ben­den Ge­samt­net­to­be­trag seit dem 01.01. 1997;

3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin wei­ter­zu­beschäfti­gen, und zwar zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen als Verkäufe­r­in im Ein­zel­han­del mit 37,5 Std. in der Wo­che.

Die Be­klag­ten hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat vor­ge­tra­gen, re­gelmäßig fin­de En­de des Jah­res, nämlich in der Zeit No­vem­ber/De­zem­ber, ein Tref­fen der Führungs­kräfte im Mo­de­haus in D............. statt, bei dem die Pla­nung des Ur­laubs für das nächs­te Jahr be­spro­chen wer­de. Bei die­ser Pla­nung würden 75% des Jah­res­ur­laubs fest­ge­legt und als­dann dem Fi­li­al­lei­ter H......... zur Ge­samt­pla­nung vor­ge­legt. In die­sem Rah­men ha­be die Kläge­rin Ur­laub für die Zeit vom 22.01. bis 03.02.1996 so­wie vom 01.04. bis 13.04.1996 be­an­tragt, wo­bei sie den erst­ge­nann­ten Ur­laub nicht an­ge­tre­ten ha­be. Im Ver­lauf der ers­ten Hälf­te des Jah­res 1996 ha­be die Kläge­rin dann noch kurz­fris­tig Ur­laub für die Zeit vom 03.06. bis 08.06.1996 be­an­tragt, der auch

 

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be­wil­ligt wor­den sei. En­de Ju­ni ha­be sie sich so­wohl bei dem zuständi­gen Ab­tei­lungs­lei­ter M......... als auch bei dem Fi­li­al­lei­ter H......... we­gen ei­nes Ur­laubs ab dem 09.08.1996 er­kun­digt. Bei­de Zeu­gen hätten ihr al­ler­dings da­mals erklärt, ein der­ar­ti­ger Ur­laub ab dem 09.08.1996 sei we­gen Per­so­nal­engpässen im Ver­kaufs­be­reich nicht möglich. In der Fol­ge­zeit ha­be sich die Kläge­rin in Abständen wie­der­holt bei ih­rem Fach­vor­ge­setz­ten M......... er­kun­digt, ob ihr Ur­laub nicht doch ge­neh­migt wer­den könne. Bei je­der An­fra­ge ha­be der Zeu­ge M......... ihr un­mißverständ­lich erklärt, daß dies nicht möglich sei, weil sich die in Re­de ste­hen­den Per­so­nal­engpässe in die­ser Zeit nicht geändert hätten. Ab dem 08.08.1996 sei ein wei­te­res Gespräch mit der Kläge­rin in den Geschäftsräum­en in D............. geführt wor­den. Da­bei ha­be der Zeu­ge H......... die Kläge­rin er­neut un­mißverständ­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, daß für sie kein Ur­laub ab 09.08.1996 ge­neh­migt sei und sie bei ei­nem ei­genmäch­ti­gen Ur­laubs­an­tritt mit der Ent­las­sung rech­nen müsse. Als die Kläge­rin am 09.08.1996 ih­re Ar­beit nicht auf­ge­nom­men ha­be, ha­be der Zeu­ge H......... auf den An­ruf­be­ant­wor­ter der Kläge­rin die Bit­te um Rück­ruf hin­ter­las­sen. In dem ge­gen Mit­tag un­strei­tig er­folg­ten Te­le­fon­gespräch ha­be die Kläge­rin mit­ge­teilt, daß sie auf kei­nen Fall zu Ar­beit er­schei­nen wer­de, son­dern daß am Nach­mit­tag ihr Flug­zeug gin­ge. Da­bei ha­be der Zeu­ge H......... die Kläge­rin noch ein­mal dar­auf hin­ge­wie­sen, daß ein Ur­laub nicht ge­neh­migt sei und sie bei ei­nem ei­genmäch­ti­gen Ur­laubs­an­tritt mit ih­rer Ent­las­sung zu rech­nen ha­be. Der Ur­laub der Kläge­rin sei auch we­gen per­so­nel­ler Engpässe nicht ge­neh­mi­gungsfähig ge­we­sen. Die ein­zig in Be­tracht zu zie­hen­de Möglich­keit, daß die an drei Ta­gen beschäftig­te Mit­ar­bei­te­rin C........ sich be­reit erklärt hätte, ei­ne Wo­che voll zu ar­bei­ten, ha­be nicht rea­li­siert wer­den können. Dies ha­be ei­ne Nach­fra­ge der Geschäfts­lei­tung bei der Zeu­gin C........ er­ge­ben.

Das Ar­beits­ge­richt Dort­mund hat Be­weis er­ho­ben durch die un­eid­li­che Ver­neh­mung des Sub­sti­tu­ten W........... M......... und des Fi­li­al­lei­ters T............. H...-....... We­gen des Er­geb­nis­ses die­ser Be­weis­auf­nah­me wird auf den In­halt der Sit­zungs­nie­der­schrift vom 20.02.1997 ver­wie­sen.

Das Ar­beits­ge­richt Dort­mund hat durch Ur­teil vom 20.07.1997 (6 Ca 4566/96), auf wel­ches voll­in­halt­lich Be­zug ge­nom­men wird, die Kla­ge ab­ge­wie­sen, der Kläge­rin

 

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die Kos­ten des Rechts­streits auf­er­legt und den Wert des Streit­ge­gen­stan­des auf 29.328,30 DM fest­ge­setzt.

Ge­gen das ihr am 19.03.1997 zu­ge­stell­te Ur­teil hat­te die Kläge­rin am 10.04.1997 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se gleich­zei­tig be­gründet.

Sie hält das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil für rechts­feh­ler­haft und meint die Be­ru­fung müsse Er­folg ha­ben, weil die von der Be­klag­ten aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung un­be­gründet sei. Dies fol­ge schon dar­aus, daß die Be­klag­te ihr Ur­laub hätte ge­neh­mi­gen müssen, weil kein vernünf­ti­ger Grund be­stan­den ha­be, den Ur­laub nicht zu gewähren. Der von ihr be­an­trag­te Ur­laub sei in die Zeit nach dem En­de des Som­mer­schlußver­kaufs ge­fal­len. Die­ser ha­be be­kannt­lich von 29.07.1996 zwei Wo­chen lang ge­dau­ert und sei am Sams­tag, dem 10.08.1996, zu En­de ge­gan­gen. Der be­an­trag­te Ur­laub ab Frei­tag, dem 09.08.1996, bis Diens­tag, dem 20.08.1996, sei in ei­ne „to­te Zeit“, wie es die Zeit nach dem Som­mer­schlußver­kauf all­ge­mein sei, ge­fal­len. Es sei hin­zu­ge­kom­men, daß Som­mer­fe­ri­en ge­we­sen sei­en, so daß auch aus die­sem Grun­de kaum mit Kun­den zu rech­nen ge­we­sen sei. In die­ser Zeit sei­en al­le Kräfte im Geschäft vor­han­den ge­we­sen mit Aus­nah­me von ihr, der Kläge­rin, und ei­nes Kol­le­gen. So ha­be die Zeu­gin C........ in die­ser Zeit an drei Ta­gen, für die sie an­ge­stellt sei, nämlich mitt­wochs, don­ners­tags und sams­tags ge­ar­bei­tet. Des wei­te­ren sei die Zeu­gin Z..... in der Zeit vom 09.08. bis 20.08.1996 als Voll­zeit­kraft an­we­send ge­we­sen. Auch der Zeu­ge K......., ei­ne wei­te­re Voll­zeit­kraft, sei eben­falls die gan­ze Zeit an­we­send ge­we­sen. Der Zeu­ge M........., der als Sub­sti­tut auch Ver­kaufstätig­kei­ten über­neh­me, ha­be in dem frag­li­chen Zeit­raum kei­nen Ur­laub ge­habt. Ab­ge­se­hen da­von ha­be der Fi­li­al­lei­ter H......... zur Verfügung ge­stan­den, der auch Ver­kaufstätig­kei­ten zu über­neh­men pfle­ge. Im übri­gen ha­be die Zeu­gin C........ sich be­reit erklärt, auch an den bei­den Frei­ta­gen zu kom­men, al­so am 09.08. und 16.08.1996. An an­de­ren Ta­gen zu kom­men sei die Zeu­gin C........ nicht be­reit ge­we­sen, weil sie man­gels Kun­den­an­drang an je­nen Ta­gen nichts hätte ver­die­nen können. Schon hier­aus erkläre sich, daß die an­de­ren Ta­ge ab­so­lut „tot“ sei­en und die Be­klag­te sich gut und gern oh­ne sie, die Kläge­rin, hätte be­hel­fen können. Es entspräche nicht der Wahr­heit, wenn die Be­klag­te vor­tra­gen las­se, man ha­be sich

 

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durch Aus­hil­fen oder auf an­de­re Wei­se nicht be­hel­fen können. Wenn Not ge­we­sen wäre, hätte die Be­klag­te auf die Aus­hil­fen zurück­grei­fen können, auf die Zeu­gin C........ für den Frei­tag, ab­ge­se­hen da­von sei­en die Zeu­gen K....... und Z..... oh­ne­hin da ge­we­sen (Be­weis für al­les: Zeug­nis C........).

Hier­nach hätte die Be­klag­te ihr, der Kläge­rin, den Ur­laub gewähren müssen. Für ei­ne Ab­sa­ge an sie sei kein Raum ge­we­sen, wes­halb die Kla­ge schon aus die­sem Grun­de Er­folg ha­ben müsse. Hin­zu­kom­me, daß ihr nie­mals vor­her die Kündi­gung an­ge­droht wor­den sei. Selbst die in ers­ter In­stanz ver­nom­me­nen Zeu­gen, die er­sicht­lich dar­um bemüht ge­we­sen sei­en, der Be­klag­ten zu hel­fen, hätten nicht mit al­ler Deut­lich­keit erklären können, daß ihr die Kündi­gung an­ge­droht wor­den sei. So­gar der Zeu­ge H......... ha­be sich le­dig­lich zu der Be­haup­tung ver­stei­gert, er ha­be ge­sagt: „Es ge­be Möglich­kei­ten daß wir uns tren­nen müssen“. Dies sei nach ih­rer Dar­stel­lung un­wahr, zei­ge aber, wie schwer sich der Zeu­ge H......... tue, auch nur den An­schein ei­ner form­ge­rech­ten Ab­mah­nung zu kon­stru­ie­ren. Im übri­gen ver­blei­be sie bei ih­rer bis­he­ri­gen Dar­stel­lung und neh­me Be­zug auf den ge­sam­ten erst­in­stanz­li­chen Sach­vor­trag. Es stim­me nicht, daß der Ur­laub ihr nicht zu­ge­sagt wor­den sei. Das Ge­gen­teil sei rich­tig. Der Zeu­ge M......... ha­be auch ihr ge­genüber nicht ge­sagt, er sei ge­gen den Ur­laub und er ha­be dies auch nicht ge­genüber dem Zeu­gen H......... ge­sagt, son­dern er, der Zeu­ge M........., ha­be ihr ge­genüber im­mer den Ein­druck er­weckt, er sei für den Ur­laub und wer­de dies auch dem Zeu­gen H......... so mit­tei­len. Sie ha­be den Ur­laub schließlich von dem Zeu­gen M......... zu­ge­sagt be­kom­men, wie dies in ers­ter In­stanz be­reits vor­ge­tra­gen wor­den sei. Der Um­stand, daß die frist­lo­se Kündi­gung sei­tens der Be­klag­ten je­den­falls nicht auf den Gründen be­ru­he, die die­se im Pro­zeß vor­brin­ge, zei­ge sich schon dar­an, daß die frist­lo­se Kündi­gung selbst im In­ter­es­se der Be­klag­ten wohl kaum das rich­ti­ge Mit­tel ge­we­sen sei, wenn die Be­klag­te, wie sie vor­ge­be, ei­ne der­ar­ti­ge Per­so­nal­not ge­habt ha­ben wol­le, die sie oh­ne sie, die Kläge­rin, an­geb­lich nicht ha­be be­he­ben können. Außer­dem sei nach den Be­kun­dun­gen des Zeu­gen H......... je­den­falls ei­ne frist­lo­se Kündi­gung in kei­ner Form an­ge­droht wor­den, so daß die Kündi­gung schon aus die­sem Grun­de nicht zu hal­ten sei.

 

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Die Kläge­rin be­an­tragt:

1. fest­zu­stel­len, daß das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch die mit Schrei­ben der Be­klag­ten vom 14.08.1996 ge­genüber der Kläge­rin erklärte Kündi­gung auf­gelöst wor­den ist;

2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin fol­gen­de Brut­to­beträge zu zah­len:

a) 3.200,-- DM abzüglich 216,22 DM net­to nebst 4% Zin­sen auf den sich hier­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag seit 01.09.1996;

b) 3.200,-- DM nebst 4% Zin­sen auf den sich hier­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag seit 01.10.1996;

c) 3.200,-- DM nebst 4% Zin­sen auf den sie hier­aus er­ge­ben­den Net­to­be­trag seit 01.11.1996;

d) 3.200,-- DM abzüglich 1.484,28 DM Ar­beits­lo­sen­geld nebst 4% Zin­sen auf den sich hier­aus er­ge­ben­den Ge­samt­net­to­be­trag seit 01.12.1996;

e) 3.200,-- DM abzüglich 1.187,42 DM nebst 4% Zin­sen auf den sich hier­aus er­ge­ben­den Ge­samt­net­to­be­trag seit 01.01.1997;

3. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin wei­ter­zu­beschäfti­gen, und zwar zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen als Verkäufe­r­in im Ein­zel­han­del mit 34,5 Std. in der Wo­che;

4. den Wert des Streit­ge­gen­stan­des fest­zu­set­zen.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Dort­mund vom 20.02.1997 (6 Sa 4566/96) kos­ten­pflich­tig zurück­zu­wei­sen und den Wert des Streit­ge­gen­stan­des fest­zu­set­zen.

Sie ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil und meint, die ge­gen die­se in je­der Hin­sicht rechts­feh­ler­freie Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Dort­mund ge­rich­te­te Be­ru­fung ent­hal­te im we­sent­li­chen kei­ne neu­en Sach­ar­gu­men­te und Tat­sa­chen. Darüber hin­aus sei­en die Be­haup­tun­gen der Kläge­rin bezüglich der da­ma­li­gen be­trieb­li­chen Si­tua­ti­on, ins­be­son­de­re der Per­so­nal­be­set­zung im Hau­se D............., im we­sent­li­chen un­zu­tref­fend, wie dies be­reits erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen wor­den sei. Selbst wenn der Ur­laub – was im Streit­fall aber kei-

 

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nes­wegs der Fall ge­we­sen sei – oh­ne aus­rei­chen­den Grund ab­ge­lehnt wor­den sei, so könne der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer durch Leis­tungs­kla­ge oder durch Ver­fah­ren im einst­wei­li­gen Rechts­schutz sei­ne Ansprüche ge­richt­lich durch­set­zen. Auf­grund des um­fas­sen­den Sys­tems ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes sei ein Selbst­be­ur­lau­bungs­recht des Ar­beit­neh­mers grundsätz­lich ab­zu­leh­nen. Im übri­gen ste­he nach dem Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me vom 20.02.1997 gemäß den in sich schlüssi­gen, glaub­haf­ten und kei­nes­wegs im Wi­der­spruch ste­hen­den Aus­sa­gen der Zeu­gen H......... und M......... – an de­ren Glaubwürdig­keit kei­ner­lei kon­kre­te und trif­ti­ge Zwei­fel bestünden – fest, daß sie ih­re aus­drück­li­che Ab­leh­nung ge­genüber der Kläge­rin wie­der­holt zu­tref­fend un­ter Hin­weis auf tatsächlich ge­ge­be­ne per­so­nel­le Engpässe im Ver­kaufs­be­reich be­gründet hätten, weil eben ein an­de­rer Mit­ar­bei­ter, nämlich der Zeu­ge A....., sich zum in Re­de ste­hen­den Zeit­punkt in Ur­laub be­fun­den ha­be. Die ent­ge­gen­ste­hen­den un­zu­tref­fen­den Be­haup­tun­gen der Kläge­rin würden in­so­weit durch ständi­ges Wie­der­ho­len si­cher­lich nicht rich­ti­ger. Die vom Ar­beits­ge­richt Dort­mund sorgfältig durch­geführ­te Be­weis­auf­nah­me ha­be ein­deu­tig er­ge­ben, daß der Zeu­ge M......... von An­fang an den Ur­laub der Kläge­rin ab­ge­lehnt ha­be. Er ha­be glaub­haft be­kun­det, der Kläge­rin von vorn­her­ein ge­sagt zu ha­ben, daß der Ur­laub aus sei­ner Sicht nicht ge­neh­migt wer­den könne. Er ha­be mit dem Zeu­gen H......... zu­sam­men den Ur­laub ge­plant und ihm erklärt, daß Ver­su­che, den Ur­laub durch Aus­hil­fen ab­zu­fan­gen, ge­schei­tert sei­en und daß aus sei­ner Sicht der Ur­laub der Kläge­rin nicht ge­neh­migt wer­den könne. Im übri­gen ha­be der Zeu­ge H......... der Kläge­rin für den Fall, daß sie am 09.08.1996 ei­genmäch­tig in Ur­laub ge­hen würde, ge­sagt, daß ihr Feh­len Kon­se­quen­zen ha­ben wer­de und die Möglich­keit der Kündi­gung be­ste­he. Die Kläge­rin ha­be dann ge­sagt: „Sie ken­nen mei­ne Ent­schei­dung, mein Ent­schluß steht fest, mein Flie­ger geht am Nach­mit­tag.“

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat Be­weis er­ho­ben durch die un­eid­li­che Ver­neh­mung der Ver­kaufs­be­ra­te­rin H............. C......... We­gen des Er­geb­nis­ses die­ser Be­weis­auf­nah­me wird auf den In­halt der Sit­zungs­nie­der­schrift vom 21.10.1997 Be­zug ge­nom­men.

 

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We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf den münd­lich vor­ge­tra­ge­nen In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze so­wie auf die zu den Ge­richts­ak­ten ge­reich­ten Ur­kun­den Be­zug ge­nom­men.

 

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e

Die auf­grund ent­spre­chen­der Be­schwer statt­haf­te, form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te so­wie recht­zei­tig ord­nungs­gemäß be­gründe­te Be­ru­fung der Kläge­rin hat teil­wei­se Er­folg und führt un­ter Zurück­wei­sung des Rechts­mit­tels im übri­gen zu ei­ner ent­spre­chen­den Abände­rung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils.

Die Kündi­gung der Be­klag­ten gemäß Schrei­ben vom 14.08.1996 ist als außer­or­dent­li­che, frist­lo­se rechts­un­wirk­sam, hat aber das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en frist­ge­recht zum 30.09.1996 auf­gelöst.

1. Wo Men­schen auf der Ba­sis von Ar­beits­verträgen zur Er­rei­chung ei­nes vom Ar­beit­ge­ber vor­ge­ge­be­nen Be­triebs­zwe­ckes zu­sam­men­wir­ken, kommt es im­mer wie­der vor, daß das Ver­hal­ten ei­nes Ar­beit­neh­mers An­laß zu Be­an­stan­dun­gen gibt (Mey­er, Be­trieb­li­che Rügen und ih­re Fol­gen, 1987, S. 9). Ver­letzt ein Ar­beit­neh­mer die ihm nach Ge­setz, Ta­rif­ver­trag, Be­triebs­ver­ein­ba­rung oder Ar­beits­ver­trag ob­lie­gen­de Pflich­ten, so braucht der Ar­beit­ge­ber die­ses nicht be­an­stan­dungs­los hin­zu­neh­men. Es ste­hen ihm ver­schie­de­ne Möglich­keit zur Verfügung, auf die Pflicht­ver­let­zung an­ge­mes­sen zu re­agie­ren:

– Er kann zunächst das Fehl­ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers be­an­stan­den und die­sen an sei­ne ge­setz­li­chen, ta­rif­li­chen und ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten er­in­nern, ihn al­so er­mah­nen.

– Er kann den Ar­beit­neh­mer auch auf­for­dern, auf­ge­tre­te­ne Leis­tungsmängel oder ge­zeig­te Pflicht­verstöße ab­zu­stel­len und für den Wie­der­ho­lungs­fall ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen an­dro­hen, den Ar­beit­neh­mer mit­hin ab­mah­nen.

 

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– Als Re­ak­ti­on auf schwe­re­re Pflicht­ver­let­zun­gen steht dem Ar­beit­ge­ber das Recht zur Ver­set­zung kraft sei­nes Di­rek­ti­ons­rechts oder bei feh­len­dem Ver­set­zungs­vor­be­halt im We­ge der Ände­rungskündi­gung (§ 2 KSchG) zu.

– Als Re­ak­ti­on auf schwer­wie­gen­de Pflicht­ver­let­zun­gen steht dem Ar­beit­ge­ber das Recht zur or­dent­li­chen Be­en­di­gungkündi­gung (§ 622 BGB) zu, die so­zi­al ge­recht­fer­tigt sein muß (§ 1 Abs. 2 KSchG).

– In kras­sen Fällen, nämlich bei Vor­lie­gen ei­nes wich­ti­gen Grun­des, kommt auch ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung nach § 626 Abs. 1 BGB in Be­tracht.

1.1. Nach § 626 Abs. 1 BGB kann der Ar­beit­ge­ber ein Ar­beits­verhält­nis aus wich­ti­gem Grund oh­ne Ein­hal­tung ei­ner Kündi­gungs­frist kündi­gen, wenn Tat­sa­chen vor­lie­gen, auf­grund de­rer ihm auch un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­fal­les und un­ter Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Ar­beit­neh­mer bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist nicht zu­ge­mu­tet wer­den kann. Kündi­gungs­grund im Sin­ne des § 626 Abs. 1 BGB ist da­mit je­der Sach­ver­halt, der ob­jek­tiv das Ar­beits­verhält­nis mit dem Ge­wicht ei­nes wich­ti­gen Grun­des be­las­tet (BAG vom 04.06.1964, AP Nr. 13 zu § 626 BGB Ver­dacht straf­ba­rer Hand­lung [A. Hu­eck] = AR-Blat­tei ES 1010.9 Nr. 28 = D-Blatt „Kündi­gung IX: Entsch. 28“ = EzA § 626 BGB Nr. 5; BAG vom 26.08.1976, AP Nr. 68 zu § 626 BGB = AR-Blat­tei ES 1230 Nr. 7 = D-Blatt „Ne­bentätig­keit des Ar­beit­neh­mers: Entsch. 7“ = EzA § 626 BGB n.F. Nr. 49). Im Rah­men der In­ter­es­sen­abwägung ist dann noch zu prüfen, ob ein an sich ge­eig­ne­ter Grund die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist un­zu­mut­bar macht oder nicht. Die außer­or­dent­li­che Kündi­gung ist nur ge­recht­fer­tigt, wenn sie als un­aus­weich­lich letz­te Maßnah­me not­wen­dig ist, weil die Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses für den Ar­beit­ge­ber schlecht­hin un­zu­mut­bar ge­wor­den ist (BAG vom 30.05.1978, AP Nr. 70 zu § 626 BGB [G. Hu­eck] = AR-Blat­tei ES 980 Nr. 14 = D-Blatt „Kraft­fah­rer: Entsch. 14“ = EzA § 626 BGB n.F. Nr. 66 [Käpp­ler]; BAG vom 22.02.1980, AP Nr. 6 zu § 1 KSchG 1969 Krank­heit [G. Hu­eck] = AR-Blat­tei ES 1020 Nr. 200 = D-Blatt „Kündi­gungs­schutz: Entsch. 200“ [Her­schel] = EzA § 1 KSchG Krank­heit Nr. 5 [v. May­dell/Ey­lert]). Die Rechts­wirk­sam­keit der Kündi­gung er­for­dert gemäß § 626 Abs. 2 BGB wei­ter, daß die Kündi­gung in­ner­halb ei­ner Zwei-Wo­chen-Frist nach Kennt­nis­er­lan­gung von den für die Kündi­gung maßge­ben­den Tat­sa­chen er­folgt.

 

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1.1.1. Es hängt von der Schwe­re des Fehl­ver­hal­tens im Ein­zel­fall ab, ob der Grund „an sich“ ge­eig­net ist, ei­ne or­dent­li­che oder ei­ne außer­or­dent­li­che Kündi­gung zu recht­fer­ti­gen. In bei­den Fällen geht die Ab­mah­nung nach dem Grund­satz der Verhält­nismäßig­keit der Kündi­gung vor, da die Kündi­gung nach dem ul­ti­ma-ra­tio-Prin­zip nur er­for­der­lich ist, wenn an­de­re Mit­tel nicht mehr aus­rei­chen (BAG vom 18.01.1980, AP Nr. 3 zu § 1 KSchG 1969 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung = AR-Blat­tei ES 20 Nr. 1 = D-Blatt „Ab­mah­nung: Entsch. 1“ = EzA § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 7 [Pe­te­rek]). Die ne­ga­ti­ve Zu­kunfts­pro­gno­se läßt sich bei der ver­hal­tens­be­ding­ten or­dent­li­chen oder außer­or­dent­li­chen Kündi­gung aus der Be­harr­lich­keit ver­gan­ge­ner Pflicht­ver­let­zun­gen und der Höhe des Ver­schul­dens des Ar­beit­neh­mers ab­lei­ten. In der Re­gel wird erst nach ei­ner ver­geb­li­chen Ab­mah­nung die er­for­der­li­che Wahr­schein­lich­keit dafür be­ste­hen, daß sich der Ar­beit­neh­mer auch in Zu­kunft nicht ver­trags­treu ver­hal­ten wird. Die Ab­mah­nung führt zu ei­nem Ar­beits­verhält­nis „auf Bewährung“. Sie ist die „Gel­be Kar­te“, der bei Fort­set­zung der Pflicht­wid­rig­kei­ten die Kündi­gung als „Ro­te Kar­te“ fol­gen kann (Münch­Komm-Schwerdt­ner, vor § 620 Rz. 256). Sie soll den Ar­beit­neh­mer an sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten er­in­nern und er­mah­nen, künf­tig wie­der ver­trags­ge­recht zu ar­bei­ten. Sie stellt ihm zu­gleich für wei­te­re Pflicht­wid­rig­kei­ten ar­beits­recht­li­che Kon­se­quen­zen für den In­halt oder den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses in Aus­sicht (BAG vom 10.11. 1988, AP Nr. 3 zu § 1 KSchG 1969 Ab­mah­nung = AR-Blat­tei ES 20 Nr. 18 = D-Blatt „Ab­mah­nung: Entsch. 18“ = EzA § 611 BGB Ab­mah­nung Nr. 18 [Pe­te­rek]). Die Ab­mah­nung ist da­mit die „Weg­be­rei­te­rin“ ei­ner or­dent­li­chen oder außer­or­dent­li­chen Kündi­gung aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen.

1.1.2. Um­strit­ten ist die Fra­ge, ob ei­ner Kündi­gung we­gen ei­genmäch­ti­gen Ur­laubs­an­tritts (LAG Hamm vom 25.06.1985, LA­GE § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 5; LAG Köln vom 23.08.1989, LA­GE § 7 BUrlG Nr. 19) oder ei­genmäch­ti­ger Ur­laubsüber­schrei­tung bzw. -verlänge­rung (LAG Düssel­dorf vom 26.03.1985, NZA 1985, 779) des Ar­beit­neh­mers ei­ne Ab­mah­nung vor­aus­zu­ge­hen hat (so ArbG Ver­den vom 07.11.1980, ARST 1981, 127) oder ent­behr­lich ist (vgl. da­zu BAG vom 25.02.1983, AP Nr. 14 zu § 626 BGB Aus­schlußfrist = AR-Blat­tei

 

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ES 1010.8 Nr. 59 = D-Blatt „Kündi­gung VIII: Entsch. 59“ = EzA § 626 n.F. BGB Nr. 83; BAG vom 31.01.1985, AP Nr. 6 zu § 8 a MuSchG 1968 [Bemm] = AR-Blat­tei ES 1220 Nr. 78 = D-Blatt „Mut­ter­schutz: Entsch. 78“ = EzA § 8 a MuSchG Nr. 5). Bei der Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge ist zu be­ach­ten, daß die Be­stim­mung des Ur­laubs­zeit­punk­tes nicht et­wa bil­li­gem Er­mes­sen des Ar­beit­ge­bers im Sin­ne von § 315 BGB ob­liegt. Der Ar­beit­ge­ber ist als Schuld­ner des Ur­laubs­an­spruchs ver­pflich­tet, nach § 7 Abs. 1 Satz 1 Hs. 1 BUrlG die Ur­laubswünsche des Ar­beit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen und da­her auch den Ur­laub für den vom Ar­beit­neh­mer an­ge­ge­be­nen Ter­min fest­zu­set­zen, je­den­falls dann, wenn kei­ne drin­gen­den be­trieb­li­che Be­lan­ge oder Ur­laubs- oder Frei­stel­lungswünsche an­de­rer Ar­beit­neh­mer, die un­ter so­zia­len Ge­sichts­punk­ten den Vor­rang ver­dien­ten, ent­ge­gen­ste­hen. Die Fest­le­gung des Ur­laubs­zeit­punk­tes gehört da­mit zur Kon­kre­ti­sie­rung der dem Ar­beit­ge­ber ob­lie­gen­den, durch die Re­ge­lun­gen des § 7 BUrlG auch im übri­gen be­stimm­ten Pflicht (BAG vom 18.12.1986, AP Nr. 10 zu § 7 BUrlG [Lei­pold] = AR-Blat­tei ES 1640 Nr. 290 = D-Blatt „Ur­laub: Entsch. 290“ = EzA § 7 BUrlG Nr. 48). Mit die­ser Ent­schei­dung wird die Po­si­ti­on des Ar­beit­ge­bers auf ein nur auf Ein­re­de zu berück­sich­ti­gen­des „Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht“ be­schränkt. Mit an­de­ren Wor­ten, der Ar­beit­ge­ber hat nur noch ein „Ab­leh­nungs­recht“, denn § 7 Abs. 1 Satz 1 Hs. 2 BUrlG stellt sich nicht le­dig­lich als Be­gren­zung des Di­rek­ti­ons­rechts des Ar­beit­ge­bers dar, son­dern als nähe­re Um­schrei­bung ei­nes Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­rechts. Der Ar­beit­ge­ber ist mit­hin als Schuld­ner des Ur­laubs­an­spruchs ver­pflich­tet, nach § 7 Abs. 1 Satz 1 Hs. 1 BUrlG die Ur­laubswünsche des Ar­beit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen und hat da­her auch den Ur­laub für den vom Ar­beit­neh­mer an­ge­ge­be­nen Zeit­raum fest­zu­set­zen, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­rechts gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1 Hs. 2 BUrlG nicht ge­ge­ben sind (BAG vom 31.01.1996, EzA § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 47 = BuW 1996, 410). Wenn der Ar­beit­neh­mer im An­schluß an ei­ne Maßnah­me der me­di­zi­ni­schen Vor­sor­ge oder Re­ha­bi­li­ta­ti­on sei­nen Ur­laub ver­langt, re­du­ziert sich das Ab­leh­nungs­recht des Ar­beit­ge­bers so­gar auf Null (§ 7 Abs. 1 Satz 2 BUrlG).

1.1.3. Ei­ne außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kündi­gung we­gen ei­genmäch­ti­gen Ur­laubs­an­tritts oder ei­genmäch­ti­ger Ur­laubsüber­schrei­tung bzw. Ur­laubs­verlän-

 

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ge­rung des Ar­beit­neh­me kommt oh­ne Ab­mah­nung nicht in Be­tracht, wenn die Sa­che ei­nem un­ent­schul­dig­ten Feh­len gleich­steht, weil nur ein Tag oder nur we­ni­ge Ta­ge be­trof­fen sind (LAG Hamm vom 12.09.1996, LA­GE § 626 BGB Nr. 105 = Ez­BAT § 54 BAT Nr. 45), es sei denn, der Ar­beit­ge­ber hat zu Recht von sei­nem Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht aus § 7 Abs. 1 Satz 1 BUrlG Ge­brauch ge­macht (LAG Ber­lin vom 05.12.1994, LA­GE § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 45 = ARST 1995, 156 = NZA 1995, 1043). Bei ei­ner Selbst­be­ur­lau­bung von ei­ner Wo­che oder von zwei Wo­chen liegt in der Re­gel ein wich­ti­ger Grund vor, der den Ar­beit­ge­ber an sich zu ei­ner außer­or­dent­li­chen, frist­lo­sen Kündi­gung be­rech­ti­gen würde vor, oh­ne daß ei­ne Ab­mah­nung vor­aus­zu­ge­hen hätte. Ei­ne außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kündi­gung kommt vor al­lem dann in Be­tracht, wenn der Ar­beit­ge­ber ei­nen Ur­laubs­an­trag ab­ge­lehnt und dem Ar­beit­neh­mer für den Fall der Selbst­be­ur­lau­bung ei­ne Kündi­gung an­ge­droht hat. Dies ist ein zulässi­ger Fall der sog. Vor­weg­nah­me der Ab­mah­nung (LAG Hamm vom 12.09.1996, LA­GE § 626 BGB Nr. 105 = Ez­BAT § 54 BAT Nr. 45). Ei­ne vor­weg­ge­nom­me­ne Ab­mah­nung kann ei­ne Ab­mah­nung nach Tat­be­ge­hung aus­nahms­wei­se er­set­zen, nämlich dann, wenn sich das (nach­fol­gen­de) Tun des Ar­beit­neh­mers letzt­lich un­ter Berück­sich­ti­gung des vor­weg­ge­nom­me­nen Fin­ger­zeigs als be­harr­li­che Ar­beits­ver­wei­ge­rung her­aus­stellt. Zwar er­wei­tert der Hin­weis in ei­ner Ar­beits­ord­nung oder durch Aus­hang oder im Ar­beits­ver­trag oder in ei­nem Ein­zel­schrei­ben, ein be­stimm­tes Ver­hal­ten zie­he die frist­lo­se Ent­las­sung nach sich, nicht die ge­setz­li­chen Kündi­gungsmöglich­kei­ten, er kann aber – wenn er ent­spre­chend kon­kre­ti­siert ist und da­mit ei­ne Warn­funk­ti­on erfüllt – im Ein­zel­fall ei­ne Ab­mah­nung als Kündi­gungs­vor­aus­set­zung ent­behr­lich ma­chen (LAG Köln vom 12.11.1993, LA­GE § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 40). Da der Ar­beit­neh­mer in ei­nem sol­chen Fall er­kenn­bar nicht ge­willt ist, von ei­nem be­vor­ste­hen­den Fehl­ver­hal­ten Ab­stand zu neh­men, ist ei­ne Ab­mah­nung ent­behr­lich (vgl. auch BAG vom 18.05.1994, AP Nr. 3 zu § 108 BPers­VG = AR-Blat­tei ES 20 Nr. 28 = EzA § 611 BGB Ab­mah­nung Nr. 31 [Bähr­le]).

1.2. Bei ei­ner frist­ge­rech­ten und auch bei ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung we­gen Selsbt­be­ur­lau­bung ist je­doch stets zu berück­sich­ti­gen, ob der be­an­trag­te, aber

 

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nicht be­wil­lig­te Ur­laub zu Recht ab­ge­lehnt wor­den ist (LAG Köln vom 29.03. 1994, ARST 1994, 196 = RzK I 6a Nr. 108; LAG Hamm vom 12.09.1996, LA­GE § 626 BGB Nr. 105 = Ez­BAT § 54 BAT Nr. 45). Er­teilt der Ar­beit­ge­ber den Ur­laub oh­ne An­ga­be von Gründen nach Be­an­tra­gung durch den Ar­beit­neh­mer nicht oder lehnt er ihn oh­ne aus­rei­chen­den Grund ab und hat er den Be­triebs­ab­lauf nicht von vorn­her­ein so or­ga­ni­siert, daß die Ur­laubswünsche des Ar­beit­neh­mers nach den ge­setz­li­chen oder ta­rif­li­chen Vor­schrif­ten erfüllt wer­den können, dann muß der Ar­beit­neh­mer zwar grundsätz­lich ge­richt­li­che Hil­fe zur Durch­set­zung sei­nes Ur­laubs­an­spruchs in An­spruch neh­men (sie­he zur Pro­ble­ma­tik der Fest­le­gung ei­nes be­stimm­ten Ur­laubs­zeit­punk­tes LAG Hamm vom 31.01.1995, EzA-SD 1995, Nr. 9, S. 9), je­doch kann in Aus­nah­mefällen auch ein­mal ein Selbst­be­ur­lau­bungs­recht in Be­tracht kom­men (BAG vom 20.01.1994, AP Nr. 115 zu § 626 BGB = AR-Blat­tei ES 1640.6.1 Nr1 = EzA § 626 BGB n.F. Nr. 153; sie­he zu Ein­zel­hei­ten der Selbst­be­ur­lau­bung GK-BUrlG-Bach­mann, § 7 Rz. 70–73, mit um­fang­rei­chen Nach­wei­sen; KR-Hil­le­brecht, § 626 BGB Rz. 336). Auch darf der Ar­beit­ge­ber bei ei­ge­nem ge­setz­wid­ri­gem Han­deln dar­aus kei­nen Vor­teil zie­hen. Ver­wei­gert er dem Ar­beit­neh­mer den Ur­laub grund­los, dann kann im Fal­le ei­ner an­sch­ließen­den Selbst­be­ur­lau­bung die außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kündi­gung ei­ne Über­re­ak­ti­on dar­stel­len und da­mit den das ge­sam­te Kündi­gungs­recht be­herr­schen­den Verhält­nismäßig­keits­grund­satz ver­let­zen (LAG Hamm vom 12.09.1996, LA­GE § 626 BGB Nr. 105 = Ez­BAT § 54 BAT Nr. 45). Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze muß die außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kündi­gung der Be­klag­ten gemäß Schrei­ben vom 14.08.1996 als rechts­un­wirk­sam an­ge­se­hen wer­den.

1.2.1.Vor­lie­gend steht zwar nach der erst­in­stanz­lich durch­geführ­ten Be­weis­auf­nah­me fest, daß der Kläge­rin für die Zeit vom 09.-20.08.1996 von dem Zeu­gen H......... kein Ur­laub be­wil­ligt wor­den ist. Die erst­in­stanz­lich vor­ge­nom­me­ne Be­weiswürdi­gung ist in die­sem Punk­te nicht zu be­an­stan­den. War­um der Kläge­rin al­ler­dings der be­an­trag­te Ur­laub nicht be­wil­ligt wor­den ist, er­hellt sich
je­doch für das Be­ru­fungs­ge­richt nicht. Der Zeu­ge M......... hat erst­in­stanz­lich da­zu aus­ge­sagt, daß er der Kläge­rin von vorn­her­ein ge­sagt ha­be, „daß der Ur­laub auch

 

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aus mei­ner Sicht nicht ge­neh­migt wer­den kann“. Er ha­be dem Fi­li­al­lei­ter H......... erklärt, ver­sucht zu ha­ben, den Ur­laub der Kläge­rin durch Aus­hil­fen auf­zu­fan­gen, aber dies ha­be nicht ge­klappt. In Übe­rein­stim­mung da­zu hat der Zeu­ge H......... erst­in­stanz­lich be­kun­det, er ha­be der Kläge­rin ge­sagt, „daß ich den Ur­laub nicht ge­neh­mi­gen kann. Es ist wohl noch ver­sucht wor­den, das durch Aus­hil­fen zu re­geln oder an­de­re Mit­ar­bei­ter zu ver­an­las­sen, ih­ren Ur­laub zu tau­schen.“ Nach der zweit­in­stanz­li­chen Be­weis­auf­nah­me steht fer­ner zur Über­zeu­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts fest, daß der Zeu­ge H......... der Zeu­gin C........ ge­sagt hat, wenn sie be­reit wäre, die gan­ze Wo­che durch­zu­ar­bei­ten, dann bekäme die Kläge­rin Ur­laub. Dies hat die Zeu­gin C........ zwar ab­leh­nen müssen, da sie aus pri­va­ten Gründen nicht die gan­ze Wo­che hat durch­ar­bei­ten können. Sie hat aber so­wohl zu dem Zeu­gen H......... als auch zur Kläge­rin ge­sagt, sie wäre be­reit, an dem Frei­tag zusätz­lich zur Ar­beit zu kom­men. Dies hat die Zeu­gin dann auch ge­tan, wie aus dem vor­ge­leg­ten Frei­zeit­plan zu er­se­hen war.

1.2.2. Die Kläge­rin hat im Zu­ge der Ur­laubs­be­an­tra­gung ih­ren di­rek­ten Vor­ge­setz­ten, den Zeu­gen M........., münd­lich und über die­sen den Zeu­gen H......... darüber in­for­miert, daß der an­ste­hen­de Ur­laub ih­rer Fa­mi­lie ge­bucht wor­den sei, weil ih­re Toch­ter am 21.08.1996 ein­ge­schult wer­den soll­te und sie so­mit kei­ne an­de­re Möglich­keit mehr ge­habt ha­be, den Som­mer­ur­laub zu neh­men. Die ist dem Zeu­gen H......... von der Kläge­rin noch­mals mit Schrei­ben vom 09.08.1996 schrift­lich mit­ge­teilt wor­den. Für die Be­klag­te war bei Be­an­tra­gung des Ur­laubs durch die Kläge­rin mit­hin er­sicht­lich, daß sie we­gen der be­vor­ste­hen­den Ein­schu­lung ih­rer Toch­ter zu dem vor­zugs­wei­se mit Ur­laub zu be­die­nen­den Kreis von Mit­ar­bei­tern gehörte. Die Be­klag­te war mit­hin grundsätz­lich ge­hal­ten, den Ur­laub für den von der Kläge­rin an­ge­ge­be­nen Ter­min fest­zu­set­zen, wenn kei­ne drin­gen­den be­trieb­li­che Be­lan­ge oder Ur­laubs- oder Frei­stel­lungswünsche an­de­rer Ar­beit­neh­mer, die un­ter so­zia­len Ge­sichts­punk­ten den Vor­rang ver­dien­ten, ent­ge­gen­stan­den (§ 7 Abs. 1 Satz 1 Hs. 2 BUrlG). Sol­che Ge­sichts­punk­te sind we­der vor­ge­tra­gen noch sonst er­sicht­lich. Nach den Be­kun­dun­gen der Zeu­gin C........ müssen, da die Her­ren­ab­tei­lung über zwei Eta­gen ver­teilt ist, im­mer vier Kräfte vor­han­den sein, denn „bei vier Leu­ten kann im­mer ei­ner zu Tisch ge­hen, bei drei Leu­ten ist das pro­ble­ma­tisch“. Nach dem von der

 

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Be­klag­ten vor­ge­leg­ten Frei­zeit­plan genügen al­ler­dings in al­ler Re­gel drei bzw. drei­ein­halb Leu­te (die Zählung als „hal­be“ Kraft er­folgt bei Ar­beits­an­tritt nur am Nach­mit­tag), je­den­falls in dem Som­mer­mo­nat Au­gust in der Zeit ge­gen En­de des Som­mer­schlußver­kaufs und in der Zeit da­nach, wie die Über­tra­gung der An­we­sen­heits­zei­ten zei­gen:

Tag

Da­tum

An­zahl

Mon­tag

05.08.1996

Diens­tag

06.08.1996

4

Mitt­woch

07.08.1996

Don­ners­tag früh

08.08.1996

2

Don­ners­tag spät

08.08.1996

Frei­tag

09.08.1996

3

Sams­tag

10.08.1996

5

Mon­tag

12.08.1996

Diens­tag

13.08.1996

Mitt­woch

14.08.1996

Don­ners­tag früh

15.08.1996

2

Don­ners­tag spät

15.08.1996

3

Frei­tag

16.08.1996

Sams­tag

17.08.1996

5

1.2.3.Die­se Auf­stel­lung zeigt, daß die Her­ren­ab­tei­lung ab 09.08.1996 „über­be­setzt“ ge­we­sen wäre, wenn die Kläge­rin nicht in Ur­laub ge­fah­ren wäre. Die­se Auf­stel­lung zeigt wei­ter, daß nur ei­ne Kraft (außer der Kläge­rin) in dem frag­li­chen Zeit­raum in Ur­laub war. War­um nicht zwei Kräfte während der Schul­fe­ri­en (of­fi­zi­el­le, d.h. mit Ge­neh­mi­gung der Be­klag­ten) gleich­zei­tig ha­ben in Ur­laub ge­hen können, ist nicht er­sicht­lich. Ein kon­kre­ter Grund für die Ab­leh­nung des Ur­laubs ist so­mit nicht ge­ge­ben. So­weit die Be­klag­te ge­gen die­se Fest­stel­lun­gen ein­wen­den könn­te, sie ha­be nach der Selbst­be­ur­lau­bung der Kläge­rin im nach­hin­ein al­les tun müssen, um ihr Feh­len aus­zu­glei­chen, muß sie sich ent­ge­gen­hal­ten las­sen, daß sie be­reits im vorn­her­ein hätte al­les tun müssen, der

 

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auf­grund ih­rer fa­mi­liären Si­tua­ti­on – Ein­schu­lung der Toch­ter – vor­zugs­wei­se mit Ur­laub zu be­die­nen­den Kläge­rin den be­an­trag­ten Ur­laub zu ermögli­chen. Der Ar­beit­ge­ber hat nämlich den Ur­laub für den vom Ar­beit­neh­mer an­ge­ge­be­nen Zeit­raum fest­zu­set­zen, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­rechts gemäß § 7 Abs. 1 Satz 1 Hs. 2 BUrlG nicht ge­ge­ben sind (BAG vom 31.01.1996, EzA § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 47 = BuW 1996, 410). Dar­aus folgt vor­lie­gend, daß die Ver­wei­ge­rung der Ur­laubs­gewährung der Kläge­rin durch die Be­klag­te man­gels Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­rechts rechts­wid­rig ge­we­sen ist.

1.2.4. Tritt der Ar­beit­neh­mer ei­genmäch­tig ei­nen vom Ar­beit­ge­ber nicht ge­neh­mig­ten Ur­laub an, so ver­letzt er da­mit sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten (BAG vom 20.01.1994, AP Nr. 115 zu § 626 BGB = AR-Blat­tei ES 1640.6.1 Nr1 = EzA § 626 BGB n.F. Nr. 153). Der be­ste­hen­de Ur­laubs­an­spruch des Ar­beit­neh­mers macht die Ur­laubs­be­wil­li­gung durch den Ar­beit­ge­ber noch nicht ent­behr­lich; zum ei­genmäch­ti­gen Ur­laubs­an­tritt ist der Ar­beit­neh­mer grundsätz­lich auch dann nicht be­rech­tigt, wenn die Ab­leh­nung des Ur­laubs­an­trags nicht durch Gründe im Sin­ne des § 7 Abs. 1 BUrlG ge­recht­fer­tigt ist. Et­was an­de­res muß je­doch dann gel­ten, wenn aus der un­be­rech­tig­ten Ab­leh­nung des Ar­beit­ge­bers der Ver­lust des Ur­laubs­an­spruchs droht (LAG Rhein­land-Pfalz vom 25.01.1991, LA­GE § 7 BUrlG Nr. 27 = ARST 1991, 114 = NZA 1991, 600). Lie­gen die­se Vor­aus­set­zun­gen nicht vor und han­delt es sich um ei­nen nicht un­er­heb­li­chen Zeit­raum, dann ist ei­ne Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers ge­recht­fer­tigt. Da­bei ist um­strit­ten, ob in ei­nem sol­chen Fal­le ei­ne außer­or­dent­li­che, frist­lo­se oder nur ei­ne or­dent­lich, frist­gemäße Kündi­gung greift. So wird an­ge­nom­men, daß ein ei­genmäch­ti­ger Ur­laubs­an­tritt re­gelmäßig nicht nur zur or­dent­li­chen, son­dern auch zur außer­or­dent­li­che Kündi­gung be­rech­ti­ge, wenn der Ar­beit­neh­mer trotz Ur­laubs­ver­wei­ge­rung sei­tens des Ar­beit­ge­bers den Ur­laub gleich­wohl an­tritt (LAG Schles­wig-Hol­stein vom 20.02.1997, ARST 1997, 161). An­de­rer­seits wird der Stand­punkt ver­tre­ten, ei­ne ei­genmäch­ti­ge Ur­laubs­nah­me könne nur in schwer­wie­gen­den Fällen zur frist­lo­sen Ent­las­sung führen, in de­nen sich der Ar­beit­neh­mer rück­sichts­los über die Be­lan­ge des Ar­beit­ge­bers hin­weg­set­ze oder

 

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ei­nem aus­drück­li­chen Ver­bot zu­wi­der­han­de­le (LAG München vom 04.02.1980, AMBl. BY 1980, C42). Des wei­te­ren wird an­ge­nom­men, daß je­den­falls ei­ne frist­ge­rech­te Kündi­gung so­zi­al ge­recht­fer­tigt im Sin­ne von § 1 Abs. 2 KSchG sei, wenn der Ar­beit­ge­ber die Gewährung von Er­ho­lungs­ur­laub endgültig ab­ge­leh­ne und der Ar­beit­neh­mer gleich­wohl den Ur­laub an­tre­te; da­bei ist um­strit­ten, ob ei­ne Ab­mah­nung vor­aus­ge­hen muß (LAG Ber­lin vom 05.12.1994, LA­GE § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 45 = ARST 1995, 156 = NZA 1995, 1043) oder nicht (LAG Hamm vom 25.06.1985, LA­GE § 1 KSchG Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 5).

1.2.5. Ei­ne frist­ge­rech­te oder je nach den Umständen auch frist­lo­se Kündi­gung kann zwar ge­recht­fer­tigt sein, wenn der Ar­beit­neh­mer sei­nen Ur­laub ei­genmäch­tig an­tritt. Da­bei ist je­doch auch zu berück­sich­ti­gen, ob der be­an­trag­te, aber nicht be­wil­lig­te Ur­laub zu Recht ab­ge­lehnt wor­den ist (LAG Köln vom 29.03.1994, ARST 1994, 196 = AuR 1994, 344). Tritt ein Ar­beit­neh­mer oh­ne das Ein­verständ­nis sei­nes Ar­beit­ge­bers ei­genmäch­tig ei­nen Er­ho­lungs­ur­laub an, so verstößt er da­mit zwar ge­gen sei­ne Ar­beits­pflicht (LAG Frank­furt/Main vom 16.06.1983, ARST 1984, 29 = AuR 1984, 155), aber auch der Ar­beit­ge­ber tut dies, wenn er dem Ur­laubs­wunsch des Ar­beit­neh­mers rechts­feh­ler­haft nicht nach­kommt (LAG Hamm vom 12.09.1996, LA­GE § 626 BGB Nr. 105 = Ez­BAT § 54 BAT Nr. 45). Ei­nem Ar­beit­ge­ber, der be­rech­tig­te Ansprüche nicht erfüllt und den Ar­beit­neh­mer auf die ge­richt­li­che Durch­set­zung sei­ner Ansprüche ver­weist, verstößt der Ar­beit­ge­ber ge­gen zwin­gen­des Ur­laubs­recht. Dem Ar­beit­ge­ber ist es – wenn der Ar­beit­neh­mer in ei­nem sol­chen Fall von ei­nem an sich nicht exis­tie­ren­den Selbst­hil­fe­recht Ge­brauch macht und sich, oh­ne ge­richt­li­che Hil­fe in An­spruch zu neh­men, selbst be­ur­laubt – ver­wehrt, we­gen Selbst­be­ur­lau­bung außer­or­dent­lich, frist­los zu kündi­gen, eben weil er sich zu­vor selbst nicht ge­set­zes­treu ver­hal­ten hat. Die außer­or­dent­li­che, frist­lo­se Kündi­gung stellt in ei­nem sol­chen Fal­le ei­ne Über­re­ak­ti­on dar und ist we­gen Ver­let­zung des Verhält­nismäßig­keits­grund­sat­zes rechts­un­wirk­sam (LAG Hamm vom 12.09.1996, LA­GE § 626 BGB Nr. 105 = Ez­BAT § 54 BAT Nr. 45). Da­her ist das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin vor­lie­gend durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom

 

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14.08.1996 nicht frist­los (§ 626 Abs. 1 BGB), son­dern mit dem 30.09.1996 frist­ge­recht (§ 622 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 BGB) auf­gelöst wor­den.

2. Der (Wei­ter )Beschäfti­gungs­an­spruch der Kläge­rin bleibt oh­ne Er­folg. Der Beschäfti­gungs­an­spruch ist eben­so wie der Vergütungs­an­spruch ein voll­wer­ti­ger An­spruch, wel­cher im We­ge der ob­jek­ti­ven Kla­gehäufung nach § 260 ZPO ne­ben ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge ver­folgt wer­den kann. Ei­nem im Kla­ge­we­ge ne­ben ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge ver­folg­ten Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag man­gelt es nicht an ei­nem Rechts­schutz­in­ter­es­se. Die Kla­ge über den Beschäfti­gungs­an­spruch kann nicht nach § 148 ZPO aus­ge­setzt wer­den; über die Fest­stel­lungs­kla­ge und den Beschäfti­gungs­an­spruch ist viel­mehr gleich­zei­tig zu ent­schei­den. Der An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf tatsächli­che Beschäfti­gung folgt aus dem Ar­beits­ver­trag. Er bil­det nach heu­ti­gem Verständ­nis zu­sam­men mit dem Vergütungs­an­spruch ei­ne Ein­heit. Es han­delt sich bei die­sen Be­rech­ti­gun­gen in ih­rer Bünde­lung um das, was den Haupt­an­spruch des Ar­beit­neh­mers aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­macht (LAG Hamm vom 05.05.1983, EzA § 102 Be­trVG 1972 Nr. 52). Der Beschäfti­gungs­an­spruch be­steht grundsätz­lich während des Be­stan­des des Ar­beits­verhält­nis­ses, oh­ne daß es ei­nes be­son­de­ren Nach­wei­ses des Beschäfti­gungs­in­ter­es­ses des Ar­beit­neh­mers be­darf. Außer­halb der Re­ge­lung der §§ 102 Abs. 5 Be­trVG, 79 Abs. 2 BPers­VG hat der gekündig­te Ar­beit­neh­mer ei­nen ar­beits­ver­trags­recht­li­chen An­spruch auf ver­trags­gemäße Beschäfti­gung über den Ab­lauf der Kündi­gungs­frist oder bei ei­ner frist­lo­sen Kündi­gung über de­ren Zu­gang hin­aus bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluß des Kündi­gungs­pro­zes­ses, wenn die Kündi­gung un­wirk­sam ist und über­wie­gen­de schutz­wer­te In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers ei­ner sol­chen Beschäfti­gung nicht ent­ge­gen­ste­hen. Außer im Fal­le ei­ner of­fen­sicht­lich un­wirk­sa­men Kündi­gung be­gründet die Un­ge­wißheit über den Aus­gang des Kündi­gungs­pro­zes­ses ein schutz­wer­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers an der Nicht­beschäfti­gung des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers für die Dau­er des Kündi­gungs­pro­zes­ses. Die­ses über­wiegt in der Re­gel das Beschäfti­gungs­in­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers bis zu dem Zeit­punkt, in dem im Kündi­gungs­pro­zeß ein die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung fest­stel­len­des Ur­teil er­geht (BAG vom 27.02.1985, AP Nr. 14 zu § 611 BGB Beschäfti­gungs­pflicht = AR-Blat­tei ES 440 Nr. 15 = D-Blatt „Beschäfti­gungs­pflicht:

 

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Entsch. 15“ [Buch­ner] = EzA § 611 BGB Beschäfti­gungs­pflicht Nr. 9 [Ga­mill­scheg]). Wird je­doch die Rechts­wirk­sam­keit der Kündi­gung fest­ge­stellt, kommt ei­ne (Wei­ter )Beschäfti­gung nicht (mehr) in Be­tracht. Vor­lie­gend ist das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Kündi­gung der Be­klag­ten zum 31.09.1996 auf­gelöst. Des­halb entfällt auch die Ver­pflich­tung zur Wei­ter­beschäfti­gung der Kläge­rin über die­sen Kündi­gungs­ter­min hin­aus.

3. Des wei­te­ren ste­hen der Kläge­rin Vergütungs­ansprüche aus An­nah­me­ver­zug (§ 615 BGB i.V.m. §§ 293 ff. BGB) eben­falls nur bis zum Ab­lauf der or­dent­li­chen Kündi­gungs­frist zu. Der Zins­aus­spruch hin­sicht­lich des zu­er­kann­ten Be­tra­ges folgt aus §§ 286 Abs. 1 , 288 Abs. 1 , 284 Abs. 2 BGB.

4. Nach al­le­dem hat die Be­ru­fung nur in dem aus der Ur­teils­for­mel er­sicht­li­chen Um­fang Er­folg und war im übri­gen zurück­zu­wei­sen.

4.1. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des war nach § 25 Abs. 1 GKG und § 9 BRA­GO fest­zu­set­zen. Da­bei war der Fest­stel­lungs­an­trag der Kläge­rin nach § 12 Abs. 7 Satz 1 Hs. 1 ArbGG mit dem Vier­tel­jah­res­ein­kom­men (9.600,00 DM) und der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag nach §§ 3 ff ZPO mit dem dop­pel­ten Mo­nats­ver­dienst (6.400,00 DM) zu be­wer­ten. Die Vergütungs­kla­ge war gemäß §§ 3 ff. ZPO mit dem Wert der gel­tend ge­mach­ten For­de­run­gen (16.000,00 DM) streit­wert­erhöhend zu berück­sich­ti­gen, wo­bei die Vor­empfänge (216,22 DM) und die Leis­tun­gen der Bun­des­an­stalt für Ar­beit (2.671,70 DM) ab­zu­zie­hen wa­ren. Die Ad­di­ti­on bzw. Sub­trak­ti­on der vor­ge­nann­ten Beträge er­gibt den Ge­samt­streit­wert (32.000,00 DM ./. 2.887,92 DM = 29.112,08 DM). Der Streit­wert­be­schluß hat mit der Ur­teils­for­mel ver­bun­den wer­den können.

4.2. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 92 Abs. 1 ZPO. Ge­mes­sen an dem Ob­sie­gen und Un­ter­lie­gen der Par­tei­en er­folg­te die Kos­ten­quo­telung nach der Held’schen Kos­ten­tei­lungs­ta­bel­le (DRiZ 1984, 317, 319, 320). Hin­sicht­lich des Fest­stel­lungs­an­trags war von ei­nem hälf­ti­gen Un­ter­lie­gen (4.800,00 DM) bei­der Par­tei­en aus­zu­ge­hen. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag blieb in vol­lem Um­fang (6.400,00 DM) oh­ne Er­folg und die Zah­lungs­kla­ge hat­te nur teil­wei­se Er­folg, und in

 

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Höhe von 6.400,00 DM ./. zu Guns­ten der Kläge­rin und in Höhe von 9.600,00 DM ./. 2.671,70 DM zu ih­ren Las­ten. Dar­aus er­gibt sich ein Ob­sie­gen der Kläge­rin in Höhe von 10.983,78 DM (11.200,00 DM ./. 216,22 DM) und ein Un­ter­lie­gen für sie in Höhe von 18.128,30 DM (20.800,00 DM ./. 2.671,70 DM). Bei ei­nem Quo­ti­en­ten von 2.650 ent­spricht dies ei­ner Kos­ten­quo­telung von 5/8 zu 3/8 zu Las­ten der Kläge­rin.

4.3. die Re­vi­si­on war gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG zu­zu­las­sen.

gez.
Ber­scheid
Schwa­be­dis­sen
Reppe­kus
Spo.

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