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HANDBUCH ARBEITSRECHT

Ab­fin­dung und Ar­beits­lo­sen­geld

In­for­ma­tio­nen zum The­ma Ab­fin­dung und Ar­beits­lo­sen­geld: von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin
Schreiben der Bundesagentur für Arbeit mit darauf liegenden Geldscheinen

Le­sen Sie hier, wel­che Aus­wir­kun­gen Ab­fin­dun­gen auf das Ar­beits­lo­sen­geld ha­ben und wann Ih­nen ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be droht.

Im Ein­zel­nen fin­den Sie Hin­wei­se zu der Fra­ge, war­um ein Ab­wick­lungs­ver­trag im All­ge­mei­nen zur Sperr­zeit führt, un­ter wel­chen Um­stän­den Sie durch ei­nen ge­richt­li­chen Ab­fin­dungs­ver­gleich ei­ne Sperr­zeit ver­mei­den kön­nen und wann ei­ne Ab­fin­dung auf das Ar­beits­lo­sen­geld an­ge­rech­net wird.

von Rechts­an­walt Dr. Mar­tin Hen­sche, Fach­an­walt für Ar­beits­recht, Ber­lin

Wel­che Aus­wir­kun­gen ha­ben Ab­fin­dun­gen auf das Ar­beits­lo­sen­geld?

Sol­len Sie als Ar­beit­neh­mer we­gen der Be­en­di­gung Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ab­fin­dung er­hal­ten, kann sich das nach­tei­lig auf Ih­ren Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch aus­wir­ken. Hier muss man zwei Fra­gen aus­ein­an­der hal­ten:

Ers­tens: Un­ter wel­chen Umständen droht ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be?

Zwei­tens: Un­ter wel­chen Umständen und in wel­cher Wei­se wird ei­ne Ab­fin­dung auf das Ar­beits­lo­sen­geld an­ge­rech­net (un­abhängig von der Fra­ge ei­ner Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be)?

Wann droht ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be?

Die Ant­wort auf die Fra­ge, wann ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be droht, er­gibt sich aus § 159 Abs.1 Satz 1 Nr.1 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB III) (früher: § 144 Abs.1 Satz 1 Nr.1 SGB III).

Da­nach tritt ei­ne Sperr­zeit von in der Re­gel zwölf Wo­chen ein, wenn der Ar­beits­lo­se das Beschäfti­gungs­verhält­nis gelöst oder durch ein ar­beits­ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für die Lösung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ge­ge­ben und da­durch vorsätz­lich oder grob fahrlässig die Ar­beits­lo­sig­keit her­bei­geführt hat, oh­ne für sein Ver­hal­ten ei­nen wich­ti­gen Grund zu ha­ben.

Bei­spie­le für ei­ne sol­che Ar­beits­auf­ga­be sind die Ei­genkündi­gung (= Kündi­gung durch den Ar­beit­neh­mer), der Auf­he­bungs­ver­trag und die be­rech­tig­te ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber; die­se Kündi­gung kann ei­ne außer­or­dent­li­che oder ei­ne or­dent­li­che sein.

BEISPIEL: Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer schließen ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag ab, d.h. sie ver­ein­ba­ren per Ver­trag, dass ihr Ar­beits­verhält­nis be­en­det wer­den soll, und zwar oh­ne ei­ne vor­aus­ge­gan­ge­ne Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers. In die­sem Auf­he­bungs­ver­trag wird kei­ne Ab­fin­dung ver­ein­bart oder ei­ne außer­gewöhn­lich ho­he Ab­fin­dung, et­wa im Um­fang von zwei Mo­nats­gehältern pro Beschäfti­gungs­jahr. In die­sem Fall verhängt die Agen­tur für Ar­beit im All­ge­mei­nen ei­ne Sperr­zeit. Da­von wird nur dann ab­ge­se­hen, wenn der Auf­he­bungs­ver­trag als Al­ter­na­ti­ve zu ei­ner ernst­lich an­ge­droh­ten be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers ver­ein­bart wur­de und wenn die an­ge­droh­te Kündi­gung rechtmäßig ge­we­sen wäre, und zwar auch bzgl. der Kündi­gungs­fris­ten.

Die Bun­des­agen­tur für Ar­beit hat An­fang No­vem­ber 2007 al­ler­dings zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers an­er­kannt (Durchführungs­an­wei­sung Sperr­zeit, Stand: Ok­to­ber 2007), dass ein Auf­he­bungs­ver­trag un­ter fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen nicht zur Sperr­zeit führt.

  • Ei­ne Kündi­gung wur­de durch den Ar­beit­ge­ber „mit Be­stimmt­heit“ in Aus­sicht ge­stellt.
  • Die Ar­beit­ge­berkündi­gung würde auf be­trieb­li­che Gründe gestützt wer­den. Auf die Rechtmäßig­keit der Ar­beit­ge­berkündi­gung kommt es nicht mehr an.
  • Die Ar­beit­ge­berkündi­gung würde frühes­tens zu dem­sel­ben Zeit­punkt wie die im Auf­he­bungs­ver­trag ver­ein­bar­te Ver­trags­be­en­di­gung wirk­sam.
  • Die Ar­beit­ge­berkündi­gung würde die vom Ar­beit­ge­ber zu be­ach­ten­de Kündi­gungs­frist ein­hal­ten.
  • Der Ar­beit­neh­mer erhält ei­ne Ab­fin­dung von min­des­tens 0,25 und höchs­tens 0,50 Gehältern pro Beschäfti­gungs­jahr. Liegt die Ab­fin­dung un­ter oder über die­ser Span­ne, wird nur dann ein wich­ti­ger Grund von der Ar­beits­agen­tur an­er­kannt, wenn die Kündi­gung so­zi­al ge­recht­fer­tigt wäre.

Ver­hin­dert ein ge­richt­li­cher Ab­fin­dungs­ver­gleich ei­ne Sperr­zeit?

Nein, nicht in je­dem Fall. Ei­ne Sperr­zeit kann auch dann verhängt wer­den, wenn Sie als Ar­beit­neh­mer ge­gen ei­ne ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Ih­res Ar­beit­ge­bers zunächst zwar Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­he­ben, den Pro­zess aber später durch ei­nen Ab­fin­dungs­ver­gleich be­en­den, falls es in dem Ver­gleich heißt, dass das Ar­beits­verhält­nis auf­grund ei­ner ver­hal­tens­be­ding­ten Kündi­gung en­det. Hier geht die Agen­tur für Ar­beit nämlich da­von aus, dass Sie durch ar­beits­ver­trags­wid­ri­ges Ver­hal­ten An­lass für die Be­en­di­gung Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses ge­ge­ben ha­ben.

Kei­ne Sperr­zeit verhängt die Agen­tur für Ar­beit da­ge­gen, wenn der Ar­beit­neh­mer ge­gen ei­ne Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­hebt und den Pro­zess durch ei­nen Ab­fin­dungs­ver­gleich be­en­det, in dem es heißt, dass das Ar­beits­verhält­nis durch or­dent­li­che be­triebs­be­ding­te Kündi­gung be­en­det wor­den ist.

Können Sie durch ei­nen Ab­wick­lungs­ver­trag ei­ne Sperr­zeit ver­hin­dern?

Ein Ab­wick­lungs­ver­trag ist ei­ne Ver­ein­ba­rung, mit der der Ar­beit­neh­mer die zu­vor oh­ne sein Zu­tun vom Ar­beit­ge­ber aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung als rechtmäßig bzw. als wirk­sam hin­nimmt. Als Ge­gen­leis­tung für die Hin­nah­me der Kündi­gung wird zu­meist ei­ne Ab­fin­dung ver­ein­bart.

An­ders als bei ei­nem Auf­he­bungs­ver­trag be­ruht die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses hier in ers­ter Li­nie auf dem Han­deln des Ar­beit­ge­bers, d.h. auf sei­ner Kündi­gung, und nicht so sehr auf dem Han­deln des Ar­beit­neh­mers, der sich mit dem Ab­wick­lungs­ver­trag ja nur in sein Schick­sal fügt, d.h. die zu­vor oh­ne sein Zu­tun aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers als rechtmäßig bzw. wirk­sam hin­nimmt.

Die Möglich­keit, durch ei­nen Ab­wick­lungs­ver­trag (als Al­ter­na­ti­ve zum Auf­he­bungs­ver­trag) den Ein­tritt ei­ner Sperr­zeit zu ver­hin­dern, ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts (BSG) nicht ge­ge­ben, da das BSG in dem Ab­schluss ei­nes Ab­wick­lungs­ver­trags ei­ne ak­ti­ve Mit­wir­kung des gekündig­ten Ar­beit­neh­mers am Ein­tritt der Beschäfti­gungs­lo­sig­keit sieht (BSG, Ur­teil vom 18.12.2003, B 11 AL 35/03R).

Die­se Recht­spre­chung ist zwar in Fällen ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung mit der ge­setz­ge­be­ri­schen Ziel­set­zung, die hin­ter dem seit dem 01.01.2004 gel­ten­den § 1a Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) steht, nicht recht ver­ein­bar, da die­se Re­ge­lung ei­ne außer­ge­richt­li­che Verständi­gung der Ar­beits­ver­trags­par­tei­en über ei­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung im Sin­ne ei­ner Ab­fin­dungslösung er­leich­tern will, doch wur­de das Ur­teil des BSG vom 18.12.2003 bis­lang nicht mit Rück­sicht auf die­se Ge­set­zesände­rung kor­ri­giert. Auch die Durchführungs­an­wei­sung Sperr­zeit enthält kei­ne aus­drück­li­che Klar­stel­lung in dem Sin­ne, dass ein nach Aus­spruch ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung aus­ge­spro­che­ner Ab­wick­lungs­ver­trag mit ei­ner "maßvol­len" Ab­fin­dungs­re­ge­lung im Um­fang von bei­spiels­wei­se 0,25 bis 0,5 Gehältern pro Beschäfti­gungs­jahr kei­ne Sperr­zeit nach sich zieht.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu der Fra­ge, wel­che Aus­wir­kun­gen Auf­he­bungs- und Ab­wick­lungs­verträge auf den Ar­beits­lo­sen­geld­be­zug ha­ben, fin­den Sie un­ter dem Stich­wort Auf­he­bungs­ver­trag.

Wel­che Fol­gen hat ei­ne Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be?

Während der Sperr­zeit erhält man zunächst ein­mal kein Ar­beits­lo­sen­geld, da der An­spruch gemäß § 159 Abs.1 Satz 1 SGB III "ruht".

Darüber hin­aus führt die Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be aber auch zum endgülti­gen Weg­fall, d.h. zur "Min­de­rung" des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs für die Dau­er der Sper­re (§ 148 Abs.1 Nr.4 SGB III = § 128 Abs.1 Nr.4 SGB III al­te Fas­sung). Wer al­so zum Bei­spiel an sich ei­nen An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld für die Dau­er von 48 Wo­chen hat, be­kommt bei ei­ner Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be nicht et­wa bloß zwölf Wo­chen später sei­ne vol­len 48 Wo­chen Ar­beits­lo­sen­geld. Viel­mehr erhält er im An­schluss an die zwölfwöchi­ge Sperr­zeit nur noch für (48 - 12 =) 36 Wo­chen Ar­beits­lo­sen­geld, d.h. der ge­sam­te An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld ist um zwölf Wo­chen ge­min­dert.

Ach­tung: Die Min­de­rung des Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs beträgt in den Fällen ei­ner Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be nicht in al­len Fällen le­dig­lich zwölf Wo­chen, son­dern "ein Vier­tel der An­spruchs­dau­er, die dem Ar­beits­lo­sen... zu­steht" (§ 148 Abs.1 Nr.4 SGB III). Wer al­so als älte­rer Ver­si­cher­ter ei­nen Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch für die An­spruchs­dau­er von zum Bei­spiel 18 oder 24 Mo­na­ten hat, muss im Fal­le ei­nes Auf­he­bungs­ver­trags mit ei­ner Min­de­rung sei­nes Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruchs um sat­te 4,5 bzw. sechs Mo­na­te rech­nen.

Wann wird die Ab­fin­dung auf das Ar­beits­lo­sen­geld an­ge­rech­net?

Wenn Sie die Ge­fahr ei­ner Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be um­gan­gen ha­ben (s. oben), stellt sich das nächs­te Pro­blem: Es fragt sich, un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen und in wel­cher Höhe die Ab­fin­dung auf das Ar­beits­lo­sen­geld an­ge­rech­net wird. Das Ge­setz spricht hier von ei­nem Ru­hen des An­spruchs auf Ar­beits­lo­sen­geld.

BEISPIEL: Der Ar­beit­ge­ber hat aus Gründen, die nichts mit dem Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers zu tun ha­ben, or­dent­lich gekündigt, al­so zum Bei­spiel aus be­triebs­be­ding­ten Gründen oder we­gen ei­ner Krank­heit des Ar­beit­neh­mers. Später hat man sich dann vor dem Ar­beits­ge­richt im Rah­men ei­nes Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses auf die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung ge­ei­nigt und da­durch den Pro­zess ein­ver­nehm­lich be­en­det. Da­bei hat man die vom Ar­beit­ge­ber zu be­ach­ten­den Kündi­gungs­fris­ten ein­ver­nehm­lich verkürzt.

Un­ter sol­chen Umständen kann es pas­sie­ren, dass die Ab­fin­dung teil­wei­se auf das Ar­beits­lo­sen­geld an­ge­rech­net wird. Ob und wie das ge­schieht, ist in § 158 Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch (SGB III) (früher: § 143a SGB III) ge­re­gelt. Das Grund­prin­zip die­ser Re­ge­lung lau­tet:

Wer­den Kündi­gungs­fris­ten ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung "ver­kauft", ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld für die Dau­er der "ab­ge­kauf­ten" Kündi­gungs­fris­ten.

Um­ge­kehrt heißt das: Wenn Sie Ihr Ar­beits­verhält­nis im Rah­men ei­ner Ab­fin­dungs­ver­ein­ba­rung nicht früher be­en­den, als dies im Fal­le ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung durch Ih­ren Ar­beit­ge­bers möglich wäre, d.h. wenn die vom Ar­beit­ge­ber zu be­ach­ten­den Kündi­gungs­fris­ten nicht ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung verkürzt wer­den, ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld nicht.

An­ders als bei ei­ner Sperr­zeit we­gen Ar­beits­auf­ga­be führt die in § 158 SGB III ge­re­gel­te An­rech­nung der Ent­las­sungs­entschädi­gung auf das Ar­beits­lo­sen­geld nur da­zu, dass der An­spruch "ruht", d.h. der Be­ginn der Zah­lung des Ar­beits­lo­sen­gel­des wird zeit­lich hin­aus­ge­scho­ben. Der An­spruch auf das vol­le Ar­beits­lo­sen­geld bleibt al­so im Prin­zip er­hal­ten, doch wird das Ar­beits­lo­sen­geld eben "zeit­ver­setzt" aus­ge­zahlt.

Fak­tisch führt die­ses Ru­hen aber trotz­dem oft zum endgülti­gen Ent­zug des An­spruchs, nämlich dann, wenn der Ar­beits­lo­se nicht lan­ge ge­nug ar­beits­los ist, um sei­nen ge­sam­ten Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch aus­zuschöpfen.

BEISPIEL: Der Ar­beit­neh­mer ist ar­beits­los und hat ei­nen An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld für 180 Ta­ge. Er hat ei­ne Ab­fin­dung er­hal­ten und sich im Ge­gen­zug da­mit ein­ver­stan­den erklärt, dass das Ar­beits­verhält­nis 30 Ta­ge früher en­det, als es bei Ein­hal­tung der vom Ar­beit­ge­ber zu be­ach­ten­den Kündi­gungs­frist frühes­tens ge­en­det hätte. Dem­ent­spre­chend ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld im Prin­zip 30 Ta­ge. Wenn der Ar­beit­neh­mer jetzt we­ni­ger als (180 + 30 =) 210 Ta­ge ar­beits­los ist, erhält er nicht nur später sein (vol­les) Ar­beits­lo­sen­geld, son­dern auch im Er­geb­nis we­ni­ger.

Wel­che Rol­le spie­len Al­ter und Dau­er der Beschäfti­gung für die An­rech­nung?

§ 158 SGB III enthält ver­schie­de­ne Me­tho­den, mit de­nen die Ent­las­sungs­entschädi­gung auf das Ar­beits­lo­sen­geld an­ge­rech­net wer­den kann. Aus § 158 Abs.2 SGB III er­gibt sich, dass da­bei die­je­ni­ge Be­rech­nungs­me­tho­de an­zu­wen­den ist, die für den Ar­beit­neh­mer am güns­tigs­ten ist. An­ders ge­sagt: Das in § 158 Abs.1 Satz 1 SGB III ent­hal­te­ne Grund­prin­zip wird nur dann an­ge­wandt, wenn sich aus an­de­ren Sätzen die­ses Pa­ra­gra­phen nicht ei­ne für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Art der An­rech­nung er­gibt.

Prak­tisch be­son­ders wich­tig ist hier die 60 % - Gren­ze in § 158 Abs.2 Satz 2 Nr.1 SGB III. Da­nach wer­den im Er­geb­nis höchs­tens 60 % der Ab­fin­dung mit dem Ar­beits­lo­sen­geld ver­rech­net. Außer­dem ver­schiebt sich die­se Gren­ze gemäß Satz 3 je nach Al­ter und Be­triebs­zu­gehörig­keit noch wei­ter nach un­ten, d.h. je älter man ist und je länger man bei sei­nem Ar­beit­ge­ber tätig war, des­to ge­rin­ger ist der Teil der Ab­fin­dung, der an­ge­rech­net wer­den kann (und des­to kürzer ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld).

Wie weit sich die­ser Pro­zent­satz nach un­ten ver­schiebt, er­gibt sich aus der fol­gen­den Ta­bel­le

Be­triebs- / Un­ter­neh­mens­an­gehörig­keit

Le­bens­al­ter bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses

un­ter 40

ab 40

ab 45

ab 50

ab 55

ab 60

we­ni­ger als 5 Jah­re

60 %

55 %

50 %

45 %

40 %

35 %

5 und mehr Jah­re

55 %

50 %

45 %

40 %

35 %

30 %

10 und mehr Jah­re

50 %

45 %

40 %

35 %

30 %

25 %

15 und mehr Jah­re

45 %

40 %

35 %

30 %

25 %

25 %

20 und mehr Jah­re

40 %

35 %

30 %

25 %

25 %

25 %

25 und mehr Jah­re

35 %

30 %

25 %

25 %

25 %

25 %

30 und mehr Jah­re

30 %

25 %

25 %

25 %

25 %

25 %

35 und mehr Jah­re

25 %

25 %

25 %

25 %

25 %

25 %

BEISPIEL: Der Ar­beit­neh­mer ist 57 Jah­re alt und seit 18 Jah­ren bei sei­nem Ar­beit­ge­ber beschäftigt. Sein Ar­beits­ent­gelt be­trug zu­letzt 50 EUR (brut­to) pro Ka­len­der­tag. Der Ar­beit­neh­mer hat bei Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ei­ne Ab­fin­dung in Höhe von 13.000 EUR er­hal­ten und sich im Ge­gen­zug da­mit ein­ver­stan­den erklärt, dass das Ar­beits­verhält­nis 90 Ta­ge früher en­det, als es ge­en­det hätte, wenn der Ar­beit­ge­ber die Kündi­gungs­frist be­ach­tet hätte.

Ei­gent­lich müss­te der Ar­beits­lo­sen­geld­an­spruch gemäß § 158 Abs.1 Satz 1 SGB III für die ge­sam­te Zeit der "ab­ge­kauf­ten Kündi­gungs­frist" ru­hen, in die­sem Fall al­so für vol­le 90 Ta­ge. Aus der Be­gren­zung der An­rech­nung ent­spre­chend der obi­gen Ta­bel­le er­gibt sich aber ei­ne für den Ar­beit­neh­mer güns­ti­ge­re Art der An­rech­nung:

Der maßgeb­li­che Pro­zent­satz für die An­rech­nung der Ab­fin­dung beträgt hier nämlich ent­spre­chend der obi­gen Ta­bel­le nur 25 %, d.h. dem Ar­beit­neh­mer ver­bleibt hier auf­grund sei­nes Le­bens­al­ters und der Beschäfti­gungs­dau­er das ge­setz­li­che Ma­xi­mum sei­ner Ab­fin­dung von 75 %. Auf das Ar­beits­lo­sen­geld an­zu­rech­nen sind da­her le­dig­lich 25 % von 13.000 EUR, d.h. 3.250,00 EUR.

Im nächs­ten Schritt muss jetzt be­rech­net wer­den, wie lan­ge der Ar­beit­neh­mer hätte ar­bei­ten müssen, um die­sen An­rech­nungs­be­trag von 3.250,00 EUR zu ver­die­nen (§ 158 Abs.2 Satz 1 Nr.1 SGB III). Dies sind bei 50 EUR (brut­to) pro Ka­len­der­tag für 65 Ta­ge.

Statt der ei­gent­lich maßgeb­li­chen An­rech­nungs­zeit von 90 Ta­gen ruht der An­spruch auf Ar­beits­lo­sen­geld da­her in die­sem Bei­spiels­fall nur 65 Ta­ge.

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Letzte Überarbeitung: 10. August 2016

Was können wir für Sie tun?

Wenn Sie vor der Ent­schei­dung ste­hen, ei­ner Be­en­di­gung Ih­res Ar­beits­ver­hält­nis­ses ge­gen Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung zu­zu­stim­men und in die­sen Zu­sam­men­hang Fra­gen zum The­ma Ab­fin­dung und Ar­beits­lo­sen­geld ha­ben, oder wenn Ih­nen be­reits ein kon­kre­ter Ab­fin­dungs­vor­schlag, mög­li­cher­wei­se auf der Grund­la­ge ei­nes So­zi­al­plans, vor­liegt und Sie den Vor­schlag an­walt­lich be­wer­ten las­sen wol­len, be­ra­ten wir Sie je­der­zeit ger­ne.

Je nach La­ge des Fal­les bzw. ent­spre­chend Ih­ren Wün­schen tre­ten wir ent­we­der nach au­ßen nicht in Er­schei­nung oder aber wir ver­han­deln in Ih­rem Na­men mit Ih­rem Ar­beit­ge­ber bzw. mit den Ver­tre­tern der Ge­sell­schaf­ter.

Für ei­ne mög­lichst ra­sche und ef­fek­ti­ve Be­ra­tung be­nö­ti­gen wir fol­gen­de Un­ter­la­gen:

  • Ar­beits­ver­trag / Ge­schäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­trag
  • Ge­halts­nach­wei­se
  • Ab­fin­dungs­an­ge­bot / So­zi­al­plan (falls vor­han­den)
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